Erfolg am Zinkhütten(park)platz?

Noch keine Bagger in Sicht: Die Zinkhüttensiedlung in Duisburg.(Foto: sabi)

Seit November vergangenen Jahres bangen die Anwohner*innen der Zinkhüttensiedlung im Duisburger Norden jetzt schon um ihre vier Wände. Immeo, der Besitzer der Immobilien am Zinküttenplatz und der niederländische Investor Douvil waren sich einig. An der Stelle, an der schon heute nur noch 150 Adressen standhaft weiter bewohnt werden, sollte sich baldmöglichst der Parkplatz für ein neues Outlet-Center erstrecken. Die Menschen, die bereits lange vor Abschluss des Bau-Deals im ehemaligen Thyssen-Krupp-Quartier ihre Heimat gefunden haben, sind damit nicht einverstanden und wehren sich seither gegen den Abriss. Jetzt könnte das umstrittene Bauprojekt tatsächlich scheitern.

Ende der 1950er Jahre herrscht immenser Wohnungsmangel in Deutschland. Im Duisburger Hamborn soll der deutsche Architekt Max Taut Abhilfe schaffen und plant für Thyssen eine Siedlung am Zinkhüttenplatz, die heute als „die Zinkhüttensiedlung“ bekannt ist. Hüttenarbeiter des Industrieunternehmens sollen dort untergebracht werden. Und zwar trotz des unabwendbaren Massenbaus nach dem Krieg, so menschlich wie möglich. An Licht, Luft und Sonne sollte es nicht mangeln, genau dies setzt der renommierte Architekt um. „Viele der Mieter sind zwischen 70 und 90 Jahre alt und wohnen, wie ich seit 50 Jahren hier“, so Horst Niewrzol und wirkt dabei unnachgiebig.

Vor ziemlich genau einem Jahr wurden die Anwohner*innen des Zinkhüttenplatzes vor vollendete Tatsachen gestellt. Dort wo ihr Zuhause liegt, soll bald der Parkplatz des geplanten Factory-Outlet-Centers seine Position finden. Für viele der Mieter*innen war sofort klar, dass dies nicht akzeptabel ist und sie gründeten eine Bürgerinitiative.

Das rund 125 Million Euro teure Outlet soll zwar hauptsächlich Vorteile mit sich bringen, versprechen die Befürworter*innen, doch fundiert scheinen diese Behauptungen nicht. 800 Arbeitsplätze werden in Aussicht gestellt, die jedoch voraussichtlich schlecht bezahlt werden und anderenorts wegfallen. Außerdem ist von einer Aufwertung der Stadtzentren Hamborn und Marxloh die Rede. Entgegengesetzt dazu beschreibt ein Gutachten der Handelskammer das Outlet-Center jedoch als „schädlich“. Immeo gibt an, den Mieter*innen eine Alternative bieten zu wollen, schließlich stehen ja in Hamborn allein 2.766 Wohnungen frei. Von „Sozialverträglicher Umsiedlung“ ist die Rede. „Sozialverträglich nannte man auch die Guillotine“, so Helmut Mattern, Kopf der Bürgerinitiative.

„Wenn du nicht bald stirbst, helfen wir nach“

Bis zum Mai 2012 waren bereits 120 Parteien aus der Siedlung ausgezogen und die Weitervermietung wurde unterbunden. Ein ausschlaggebender Grund für die vermehrten Auszüge dürfte wohl die Tatsache sein, dass die Harmonie in der Siedlung seit März vergangenen Jahres durch Drohbriefe gestört wird. „Wenn du nicht bald stirbst, helfen wir nach“ und „Du bist tot mehr wert als lebendig“ lauten beunruhigende Kampfansagen aus anonymer Feder. „Wir vermuten einen Spitzel unter uns“, sagt Helmut Mattern, denn die Morddrohungen sind mit sehr persönlichen Informationen der Empfänger gespickt. Sogar der Vorsitzende des Deutschen Werkbundes, Roland Günther, der sich mit den Anwohner*innen solidarisiert hat, erhält Drohungen per Post.

Junge Unterstützung

„Duisburg bietet genug leerstehende Fabrikgelände. Es wird hier versucht, die Menschen aus ihrer Heimat zu vertreiben und das mit extremen psychischem Druck“, sagt Sebastian M. von der Vereinigung „Young Struggle“, die seit voriger Woche die Mieter*innen im Widerstand unterstützt. „Dass wir hier sind, hat vor allem etwas mit Menschlichkeit zu tun“ erklärt Jakob S. und meint damit das Protestcamp im Vorgarten eines Hauses am Zinkhüttenplatz. Seit einem Jahr existiert die 15-köpfige marxistisch-lenistische Jugendgruppe in Duisburg.

Momentan sind immer mindestens fünf Mitglieder im mit Parolen behängten Camp, um Solidarität zu zeigen. Schlecht geht es den Beteiligten dabei nicht. In ihrem Pavillon ist es warm und es gibt Strom. Anwohner*innen kommen täglich zu Besuch und bringen Teller, Töp- fe, selbstgemachten Apfelkuchen oder warme Suppe an die Zelte. „Wir werden nicht gehen. Wir werden so lange bleiben wie es notwendig ist. Wenn die Bagger angerollt kommen, werden wir erst recht bleiben“, steht für Jakob S. fest. Jeden Tag kommen Menschen vorbei, die sich für eine Weile zu den Protestcamper*innen gesellen.

Momentan steht eine Frage im Raum, die niemand so recht beantworten kann. 300.000 Euro Steuern, die bei Verwirklichung des Projektes bezahlt werden müssen, sollen von einer niederländischen Bank übernommen werden, die das Projekt unterstützen möchte, doch wer wird die fehlenden 900.000 Euro Steuern bezahlen? Die Anwohner*innen wissen es nicht. „Alles läuft geheim ab und wir werden vor vollendete Tatsachen gestellt“, befürchtet Horst Niewrzol.