Gut und Böse aus bürgerlicher Sicht

Mit ihrem Loblied auf Vierteilung und Vergewaltigung haben zwei nicht mehr ganz junge Barden jüngst für Wirbel gesorgt. Das Volk hätten sie damit verhetzt, so der Vorwurf einiger jugendlicher Radikalinskis, den die bürgerliche Staatsanwaltschaft letztlich nicht bestätigt finden konnte.

Der Eine singt wie ein Engel, und scheint sich offensichtlich auch für einen zu halten. Der Andere verdient sein Geld mit gereimten Beleidigungen im Viervierteltakt. König des Rap nennt sich dieser, obgleich er doch allenfalls eine Art Handwerksmeister darstellt.

Solcherlei selbsternannte Streiter für das Gute sind sie, dass ein gewöhnlicher Bösewicht ihnen nicht zu genügen scheint. Schwule Satanisten in Freimaurerlogen, die in perversen Ritualmorden kleine Kinder und sogar ungeborene Föten töten müssen es schon sein, um das Bürgertum politisch aktiv werden zu lassen.

Meisterhaft analysierte Elias Canetti seinerzeit, was geschieht, wenn ein Fürst seinen Machiavelli nicht gelesen hat. Es kommt zu sozialen Unruhen, Aufständen, Lynchmobs. Fackeln und Mistgabeln für Alle! Die Herrschaft des Pöbels, nichts anderes heißt Demokratie, ist brutal und primitiv. Um sie zusammenzuhalten braucht es bloß die minimale Übereinstimmung, einem vermeintlichen Bösewicht an die Gurgel zu wollen.

Erst kürzlich haben amerikanische Studien zweifelsfrey erwiesen, daß die politischen Ansichten nicht bloß erlernt, sondern in der Hauptsache genetisch vererbt werden. Der Bürger ist, ohne ihn beleidigen zu wollen, seiner Natur nach schlicht zu dumm zum herrschen.

Hochachtungsvoll,
Friedrich von Einhalt