Zur Oekonomie des Flaschenpfandes

Der Ekelbaron meldet sich zu WortDer aufgeklärte Bürger kniet nicht mehr nieder vor Gott und dem Kaiser, der Bürger bückt sich vor der Mülltonne. Pfand stellt er ab, damit der arme Sammler es leichter habe. Es ist gleichsam die Fast-Food-Variante des Sankt Martin-Mythos: Der Bürger trinkt das Bier und gibt dem Armen die Flasche.

„Wenn jeder auf seinem Platz das Beste tut, wird es in der Welt bald besser aussehen“, erklärte einst Gesellenvater Adolph Kolping. Entgegen den weltfremden Aufstiegsphantasien des längst von elektronischen Spülgeräten verdrängten Tellerwäschers repräsentiert der Pfandsammler den wahren Kern des bürgerlichen Traumes von der selbstbestimmten Individualithät.

Warten wir ab, wie es weitergeht mit der europäischen Wirtschaft. Bald schon wird auch der Kleinbürger, der dem Bankier immer schon mißtraut hat, beginnen, Pfandflaschen als sichere Wertanlage zu horten. Ist die Pfandsammlung im Flur nicht bereits heute das Sparschwein des Studenten? Nicht mehr lang, dann werden die Chefoekonomen der EU vorschlagen, ihre Währung an die Pfandreserven der Mitgliedsstaaten zu binden.

Wäre der Freiherr zu Guttenberg bloß Kaiser von Europa, oder zumindest bayrischer König! Sicher würde er Pfandsammler zum Weihnachtsessen einladen. Mit einem offenen Ohr für ihre Sorgen und Ängste würde er klarmachen: Als loyale Unterthanen sind sie mehr wert als das Kleingeld, das sie erwirtschaften. An ihrem Platz. Auf der Straße.

Hochachtungsvoll, Friedrich von Einhalt

 

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