Aufgelesen Am 17.12

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Foto: Curtis Gregory Perry

Amoklauf in Newtown – eine Schlagzeile mit der ein*e jede*r von uns diese Woche konfrontiert wurde. Bizarre und längst hinfällig erscheinende Diskussionen um ein Waffenverbot in Amerika lähmen die Presselandschaft. Tränen des Präsidenten Obama berühren das eine oder andere Herz und entpuppen sich doch sehr bald als große Krokodilstränen. Es ist der vierte Amoklauf in der Amtszeit Obamas und bis jetzt konnten wir noch keine Veränderung im amerikanischen Waffengesetzt feststellen. Dass das Waffengesetz 1791 eigentlich aus Angst vor einer englischen Invasion eingeführt wurde, weiß kaum noch jemand. Waffen für alle – denn die Engländer*innen kommen bald! Hoppla, da befinden wir uns im falschen Jahrhundert.

Es ist zynisch, mit wievielen dramatischen Geschichten sich das Internet überschlägt. Erste Berichte des Ehemanns der erschossenen Schuldirektorin geben die Antwort auf das Waffengesetz eigentlich vor. Das denkt man sich zumindest, doch das Gegenteil ist der Fall.

Die Amerikaner*innen scheinen die Waffenhandlungen leer zu kaufen.

Obama beteuert, es hätte jede Schule treffen können. Beteuert, die Nation täte nicht genug für die Sicherheit ihrer Kinder. Vermutlich hat er sogar damit Recht. Doch im Grunde genommen ist dies kein Einzelfall.

Ein Waffenverbot oder strengere Richtlinien durchzusetzen scheint wohl gar nicht mal so einfach zu sein. Vorsorgliche Tötung zur angeblichen Selbstverteidigung wird immerhin vom Staat sanktioniert. Eine Argumentation, die wahrscheinlich in tiefer Angst verwurzelt ist, sie jedoch trotzdem nicht richtiger erscheinen lässt. Immerhin hatte der Amokläufer Zugang zu einem Sturmgewehr, zu dem in Deutschland nur eine Handvoll von Spezialeinheiten der Polizei hat.

Natürlich geistert auch hier die Frage durch die Presselandschaft, was einen Jugendlichen zu so einer Bluttat führen kann. Wenn es sich schon nicht um Computerspiele handelt, werden psychische Erkrankungen hinzu gezogen und ausgebreitet. Dass der viel zu leichte Zugang zum Waffenkauf ein Problem sein könnte, scheint auch da immer weiter nach hinten gedrängt zu werden. Vielmehr scheint es Besorgnis zu erwecken, dass psychisch Erkrankte keinen Zugang zu Waffen mehr erhalten.

Wir sehen einen den Tränen nahen Präsidenten und sind gerührt. Was empfinden wir, wenn wir einen Präsidenten reden hören, der die Auseinandersetzung mit der Gun-Lobby scheut? Stattdessen wird auf das in der Verfassung verewigte Recht verwiesen, jede*r US-Bürger*in habe das Recht, eine Waffe zu besitzen. Es sollte mal ein Segelbot vor einer der Küsten Amerikas anlegen, mit einer gehissten Unionjack, denn „die Invasion der Engländer*innen naht“. Vielmehr naht der nächste Amoklauf.