Gehen der UDE die Farben aus?

Leise rieselt der Asbest an der Universität Duisburg-Essen. Seit 2009 laufen Sanierungsarbeiten an der UDE, die durch    das HochschulP1090073modernisierungsprogramm (HMoP) finanziert werden. Im diesem  Rahmen entstanden auch die bunten Türme, die seit einiger Zeit „Leuchttürme des Wissens“ genannt werden. Eine Weiterführung des bunten Projekts steht seit geraumer Zeit jedoch auf der Kippe.

Für die Fertigstellung des vierten Turms fehlen etwa 60.000 Euro. Die gesamte Sanierung der Universität ist durch den Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) abgesichert, allerdings nicht die Fortführung des Farbkonzeptes.  Bisher farbig realisiert wurden zwei Doppeltürme (S03/T03 und T01) und eine weitere Turmgruppe (R12) ist in Arbeit. Um die Farbigkeit der Universität Duisburg Essen fortführen zu können, werden nun Sponsoren benötigt.

Leuchttürme des Wissens als Kunstwerk

Bereits 2008 hatte das Rektorat den Künstler Horst Gläsker damit beauftragt, Vorschläge zur Campusverschönerung zu erarbeiten. Der Professor für Kunst hat bereits mehrere architektonische Projekte realisiert, bei denen Farbintervalle zur Geltung kommen, wie beispielsweise bei der Holsteiner Treppe in Wuppertal. Das Konzept „Leuchttürme des Wissens“ jetzt mittendrin abzubrechen, erscheint dem Künstler unvorstellbar. „Das ist wie wenn man in ein großes Bild einen grauen Balken rein setzen würde, ich sehe die Uni als Gesamtgebilde“, sagt der Künstler Horst Gläsker über einen Abbruch der Arbeit. Die von Gläsker erarbeiteten Farbintervalle greifen das Farbsystem der Universität Duisburg Essen auf (S = Sandgelb, V = Veilchenblau, T = Tannengrün, R = Rubinrot). „Man braucht bessere Orte, wo sich Menschen wohl fühlen. An der Uni ist man länger als zu Hause“, so der Künstler weiter. Die Farben dienen somit nicht nur der Orientierung, wie beispielsweise die bläulichen Farbintervalle auf das Ingenieurswesen verweisen, sondern sollen dem Campus auch eine spielerische Leichtigkeit vermitteln.
Um die Orientierung auf dem Campus im Dunkeln noch spektakulärer zu gestalten, ist der Vorschlag des Künstlers, LED Leuchten in den jeweiligen Farben anzubringen. Gläsker will damit bezwecken, „dass die Universität ein großer Edelstein wird.“

Knackpunkt Finanzierung

Die Sanierung von zwei Türmen kostet die Uni etwa 1,3 Millionen Euro, die farbige Gestaltung bedeutet hierbei Mehrkosten von etwa 12 Prozent, also mit Mehrwertsteuern etwa 160.000 Euro. Natürlich sieht der BLB die Prioritäten in einer kostengünstigeren, grauen Sanierung. Auch der AStA Referent Daniel Lucas zeigt eine kritische Kostenrelation auf: „Die Kosten für den Anstrich von zwei Türmen entsprechen etwa einem Fünftel des Haushalts der Studierendenschaft, man könnte beispielsweise 400 AStA-Referenten damit einen Monat bezahlen.“ Momentan scheint daher das Projekt „Leuchttürme des Wissens“ auf Eis zu liegen, da sich die Sanierung der Universität als aufwendiger entpuppt hat, als geplant. „Wir haben immer gesagt, dass die Gesamtsanierung nicht scheitern darf“, räumt auch Horst Gläsker ein.
Dass die Sanierung nicht reibungslos verläuft, ist dabei ebenfalls hinderlich. „Im R-Bereich werden einige Teile ja sogar zum zweiten Mal asbestsaniert“, so der Hochschulpolitikreferent Daniel Lucas. Im Rahmen des HMops erhielt die UDE vorerst 77,6 Millionen Euro für die Modernisierung und Sanierung ihrer Gebäude. Insgesamt will das Land NRW bis 2020 Acht Milliarden Euro in die Modernisierung seiner Universitäten investieren. Abgesehen von der Asbestsanierung müssen an der Universität Duisburg Essen auch Erneuerungen von den Anlagen der Heizungs-, Lüftungs und Sanitärtechnik, sowie eine grundlegende Erneuerung der Bausubstanz vorgenommen werden.

Alternative Finanzierung

Es ist ausgeschlossen, dass Gelder aus dem universitären Haushalt in das Farbprojekt fließen, da die Arbeit der Referate, Antidiskriminierungsarbeit in jeglicher Form Vorrang haben. Somit distanziert sich der AStA auch von einer Unterstützung der Fortführung des Projekts „Leuchttürme des Wissens“.
Ganz abschreiben muss man das Projekt jedoch trotzdem nicht. Der Sohn des Künstlers, Louis Gläsker, Kunst- und Filmstudent der Kunsthochschule Hamburg, setzt sich für das Projekt seiner Eltern ein. „Kommilitonen von mir haben für ein Projekt mit guter Vorbereitung über Crowdfunding in 48 Minuten 200.000 € sammeln können“, so Louis Gläsker. Der Kunststudent gibt eine Summe von 4,30 € an, die symbolisch ein*e Student*in der Universität Duisburg Essen spenden müsste, um das Projekt zu Ende zu bringen. Mit dieser Summe ist nicht gemeint, dass nun die Studierenden für das Projekt zahlen sollen, sondern dass eine Realisierung des Projekts nicht unwahrscheinlich ist. „Das Farbkonzept wäre zerstört, wie ein Zahngebiss durch graue Zahnprothesen“, so der Kunststudent Gläsker.

Info: Als Vorbereitung für die Crowdfunding-Aktion wurde bereits eine Facebookseite erstellt, bei der aktuelle Informationen erhältlich sind:
https://www.facebook.com/pages/Rettet-die-Leuchtt%C3%BCrme-des-Wissens/431483150273668