Initiative Ergreifen, Rettungsschwimmer*in werden

Initiative Ergreifen, Rettungsschwimmer*in werden

Im Jahr 2012 sank die Anzahl der Opfer von Badeunfällen in Deutschland zum ersten mal unter die 400er-Grenze. Mit 383 Personen hat sich die Ertrunkenen-Quote also seit 1997 fast halbiert. Möglich gemacht, haben dies in erster Linie Vereine wie der Arbeiter-Samariter-Bund, die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuz und die Deutsche Lebensrettungs Gesellschaft. Neben präventioneller Information und Anfänger*innenschwimmkursen werden durch diese Institutionen auch Kurse zur Ausbildung von Rettungsschwimmer*innen sowie Ersthelfenden angeboten. 

Die Deutsche Lebensrettungs Gesellschaft, auch DLRG genannt, feiert in diesem Jahr ein großes Jubiläum. Seit mittlerweile schon hundert Jahren retten die Mitglieder der Organisation Menschen aus gefährlichen Situationen und das nicht nur wenn Gewässer involviert ist.
Anlass für die Gründung vor hundert Jahren war ein Unglück auf Rügen, bei dem über 1.000 Badegäste auf einer Seebrücke auf die Ankunft eines Dampfers warteten und diese dabei unter den Lasten zusammenbrach. Über 100 Menschen stürzten an diesem Tag in die Ostsee. „Allgemein wurde es als beschämend empfunden, dass von den unzähligen Menschen auf der Brücke kaum jemand bereit oder fähig war, zu retten oder Erste Hilfe zu leisten“, so eine Augenzeugin damals.
In diesen Zeiten verloren jährlich rund 5.000  Menschen ihr Leben im Wasser. Heute hat die DLRG es geschafft diese Zahl auf einen Bruchteil hinunter zu schrauben und die Nichtschwimmer*innen-Quote von mickrigen zwei bis drei Prozent zu verzwanzigfachen.

Die DLRG – Humanität und Sport

Kevin Bölscher ist seit 2007 in der DLRG Recklinghausen tätig. „Ich war jahrelang im Schwimmverein. Irgendwann habe ich dann nach dem Training eine Freundin gesehen, die dort offensichtlich für die DLRG ausgebildet hat“, erinnert er sich. „Von ihr habe ich dann erfahren, dass immer  händeringend ehrenamtliche Mitarbeiter gesucht werden, die in der Schwimmausbildung oder Rettungsschwimmausbildung helfen. Und plötzlich habe ich mich dann schon als Helfer im Schwimmkurs wiedergefunden.“
An den Schwimmkursen der Deutschen Lebensrettungs Gesellschaft kann jede*r teilnehmen der Interesse hat. Über Seepferdchen und Sportabzeichen bis zum Schnorcheltauchen wird alles angeboten und zwar zum erschwinglichen Preis. Denn jeder soll sich im Wasser sicher bewegen, präventiv handeln und vor allem im Notfall Leben retten können.
Für viele Berufsfelder ist das Ablegen eines Kurses jedoch auch Pflicht. Sportstudierende beispielsweise benötigen ein silbernes Rettungsschwimmerabzeichen. „Ich war bei dem Gedanken daran den  Rettungsschwimmer bewältigen zu müssen überhaupt nicht begeistert. Nachdem ich dann aber die grundlegenden Dinge gelernt und meine erste Schlepp-Prüfung absolviert hatte, habe ich immer mehr Spaß daran gefunden“, sagt Esra Altuntas, Sportstudentin an der Universität Duisburg Essen. „Und jetzt im Fall der Fälle ein Menschenleben retten zu können, ist die Mühe mehr als wert!“

Überschätzung ist die größte Gefahr

Nicht nur Kinder, Senioren und Nicht-Schwimmer*innen sind in Badeunfälle verwickelt. Es kommt definitiv vor, dass auch erfahrene Schwimmer*innen im Wasser in eine gefährliche Situation geraten. In vielen Fällen liegt das daran, dass nur schwer kalkulierbare Faktoren die Umstände beeinflussen können.Treibgut, Strömungen oder die Brandung können unter Nichtbeachtung Gefahrenquellen darstellen, nicht selten kommt es aber auch vor, dass sich Schwimmer und Schwimmerinnen schlicht und einfach überschätzen.
Kevin Bölscher erinnert sich an einen Vorfall während eines Rettungsschwimmerkurs in diesem Frühjahr zurück, bei dem eine Teilnehmerin nach einer Streckentauchübung kollabiert ist: „Die betroffene Teilnehmerin war Sportstudentin und nach Auskunft ihrer Mutter Leistungssportlerin, sie hatte einige Wochen vorher sogar noch erfolgreich Streckentauchen geübt und bei einem kompletten Check im Krankenhaus nach dem Vorfall konnte auch keine Ursache für die Ohnmacht und den Ausfall der Atmung gefunden werden“, sagt Kevin. „In dieser Situation ist uns allen definitiv bewusst geworden, dass so etwas immer und überall passieren kann. Da ist man echt froh, wenn man gut ausgebildet ist und weiß, wie man mit so einer Situation umgeht.“

Mehr als nur Rettungsschwimmen

Die DLRG ist fassettenreicher als man auf den ersten Blick annimmt. Neben der Schwimmausbildung befasst sich der Verein mit dem Sanitätsdienst, Boots- und Funkwesen, sowie Jugendarbeit aber auch Gesundheitssport wie Wassergymnastik und Aquajogging. „Und in jedem dieser Bereiche kann man nicht nur als Teilnehmer aktiv werden, sondern auch als Ausbilder und anerkannte Lizenzen erwerben“, so Kevin Bölscher.
Eine der meist verlangten Tätigkeit der DLRG ist momentan sicher der Katastrophenschutz. „In den Hochwasserregionen in Ost-Deutschland sind wir zur Zeit stark gefragt“, sagt Kevin Bölscher. Das Risiko ihrer Arbeit ist den Mitgliedern wohl bewusst und dennoch helfen sie. „Dadurch, dass die Arbeit freiwillig ist, ist jeder Mitarbeiter mit Herzblut dabei und wir sind stolz darauf mit vollem Recht sagen zu können, dass unsere Arbeit gemeinnützig und wichtig ist“, so Kevin Bölscher weiter. [sabi]