„Art meets art“ – Hochschule & Urban

„Art meets art“ – Hochschule & Urban

Seit Anfang Mai arbeitet das Team von „Art meets art“ nun am Rheinischen Platz in Essen an einem riesigen Wandbild unter dem Thema „Stadt-Mensch-Raum“. Das Projekt ins Leben gerufen hat Jan Schoch, der selbst freier Künstler ist und mit seiner Idee eine Begegnung zwischen autonomer, urbaner Kunst und akademisch fundierter Hochkultur ermöglichen möchte. Nach wetterbedingten Startschwierigkeiten soll das überdimensionale Kunstwerk dennoch pünktlich Ende Juli fertig werden.

Wer in den letzten Wochen vom Essener Campus aus über die Gladbecker Straße Richtung Innenstadt gelaufen ist, konnte wohl kaum die große Backsteinmauer an der U-Bahnhaltestellen Rheinischer Platz übersehen. Seit dem zweiten Mai wird hier ein Wandbild über das fünf Meter mal 85 Meter lange Mauerwerk gezogen. Von einem Kamel auf dem Hausdach, bis zu zertrümmerten Flimmerkisten und einem grünen Totenkopf dessen Bart in allen Farben schimmert, sieht man hier alles Mögliche zum Thema Stadt-Mensch-Raum.
„Meine Idee war es einen Raum zu schaffen, in dem sich zwei unterschiedliche Kunstverständnisse begegnen und aktiv miteinander auseinandersetzen. Auf der einen Seite Vertreter von Urban Arts wie Graffiti und Street Art im öffentlichen Raum und auf der anderen Seite Absolventen renommierter Kunstakademien“, so Jan Schoch, der seit eineinhalb Jahren ein Atelier in Essen hat. „Das Team am Rheinischen Platz besteht aus zehn Künstlern. Fünf davon sind Kunststudenten, die vorwiegend mit Pinseln auf Leinwand arbeiten, die anderen fünf sind Graffiti- und Streetart-Profis, die hauptsächlich sprühen.“ So wird aus dem öffentlichen Raum plötzlich auch ein Schauplatz für vom Pinsel dominierte Hochkultur und nicht nur rein für urbane, gesprayte Formen von Kunst.

„Die Motive sollen ineinander übergehen.“

Lea Carla Diestelhorst und der Leiter des Projekts kennen sich schon länger. „Jan kannte meine Arbeiten schon. Durch ihn bin ich ein Teil des Teams geworden“, so die Studentin der Hochschule für bildenden Künste in Hamburg. „Ich bin die einzige Frau im Team, aber das gefällt mir ganz gut so“, sagt sie.
„Das von mir gemalte Motiv zeigt eine Fläche, auf der viele verschiedene Gebäude wie aufgeklebt wirken. Sehr Plakativ, wie beispielsweise auf einer Schatzkarte oder bei einem Videospiel.“ Während der Arbeit am Wandbild kann es aber auch dazu kommen, dass ein Motiv noch verändert wird. „Je weiter ich mit meinem Denkprozesses bin, desto mehr entwickelt sich meine Idee für die Fläche“ so Diestelhorst.
Bevor die Arbeit an der Mauer überhaupt erst beginnen konnte, mussten die einzelnen Entwürfe der Künstler*innen jedoch erst einmal zu einer großen Collage auf Papier zusammengesetzten werden. Diese Art von Kommunikationsbasis hat es ermöglicht, von der fragmentarischen Trennung der Entwurfscollage sowohl inhaltlich, wie auch technisch Abstand zu nehmen. Durch dieses Ineinanderfließen der Motive ist das Zeitmanagement jedoch keine leichte Aufgabe. „Die Künstler im Projekt kommen aus Hamburg, Essen, Bottrop und Kopenhagen. Deswegen gibt es keine feststehenden Zeiten, zu denen gearbeitet wird. Was aber wichtig ist, um weitermalen zu können, ist dass die Künstler, deren Teile ineinander übergehen ungefähr zur gleichen Zeit arbeiten und sich absprechen. Motiv und Motiv sollen schließlich fließend ineinander übergehen“, sagt Jan Schoch.

Ausstellung in der City Messehalle

„Unser Projekt ist ein freies Kunstprojekt, das durch das Kulturbüro Essen und Sponsorgelder aus der freien Wirtschaft finanziert wird“, so Jan Schoch. „Nicht nur die Kosten für Farben, Pinseln und Anreisekosten werden gesponsert. Keiner der Künstler malt für das Geld bei dem Projekt mit, gewissermaßen sponsern sie ihre künstlerische Arbeit auch.“ Nur das, was am Ende aus dem Geldtopf des Projekts übrigbleibt, wird gleich unter den Künstlern aufgeteilt.
Neben dem Wandbild wird vom 25.07 bis zum 28.07 in der City Messehalle Essen eine Ausstellung unter dem Thema „Art meets art“ stattfinden, schließlich soll sich das Projekt nicht nur im Metier der urbanen Künstler abspielen, sondern auch in einer Galerie, wo die Kunststudierenden für gewöhnlich ausstellen.
Auf der Straße kommt die Kunst des zehnköpfigen Teams um Jan Schoch auf jeden Fall schon mal gut an. „Von Passanten erhalten wir fast durchgehend positive Resonanz. Manche kommen auch gezielt zu uns und stellen reflektierte Fragen, bei denen man merkt, dass sie wirklich über die Idee und das Motiv nachgedacht haben.“ Bleibt also nur zu hoffen, dass die Ausstellung ebenso gut beim Publikum ankommt.[sabi]