Bosse: „Murphys Gesetz ist nicht meins“

Mehr als zwei Jahre sind vergangen, seitdem Bosse sein letztes Konzert auf Bochumer Grund gespielt hat. Nachdem er zuletzt im Sommer 2011 die Zeche im Süden der Stadt besuchte und bei Bochum Total auf einer der Hauptbühnen stand, findet er in dieser Woche wieder den Weg in das Ruhrgebiet. Am 18.August legt Bosse beim Zeltfestival Ruhr einen Zwischenstopp auf seiner „Kraniche“-Tour ein, um sein gleichnamiges Album mit bossetypischen, ehrlich-klaren Texten und im gewohnt poppigen Sound zu präsentieren. 

Bosse web

„Der Sommer ist noch lang“ – Bosse beim Kunst!Rasen Festival vergangene Woche. [sabi]

Seit  Frühling ist der Braunschweiger, Axel Bosse nun mit seiner Band auf Tour. Nachdem „Kraniche“ im März auf Platz vier der deutschen Albumcharts eingestiegen ist, bleibt natürlich auch der Live-Erfolg für den Songwriter und seine Band nicht aus. Doch das war nicht immer so, erinnert sich Aki Bosse: „Als ich noch in Berlin gewohnt habe, war ich noch jung, hatte keine Kohle und bin oft einsam durch die Stadt getigert.“ Damals floppte sein zweites Album und Bosse und sein bisheriges Label  EMI gingen getrennte Wege.  „Dann hab ich ‘3 Millionen‘ geschrieben. In dem Song geht es ja auch genau darum.“ („Herz alle, Konto leer… Was jetzt fehlt, ist ein Weiser für den Weg, für die nächsten Wochen“). Bis dahin war der Song sein größter Hit. „Kein Geld zu haben, war lange Zeit ein fester Bestandteil meines Lebens. Mittlerweile habe ich zwar keine Geldprobleme mehr, aber trotzdem krieg ich manchmal noch einen Kotzreiz wenn ich einen Geldautomaten sehe, weil es mich so an früher erinnert.“ Doch Bosse hat sich durchgekämpft. Nach seinen ersten beiden Alben „Kamikazeherz“, das Aki heute eher noch in seine Pubertät einordnen würde und „Guten Morgen Spinner“, das mit etwas rockigeren Tönen und E-Gitarrenklängen leider nicht die Kassen sprengen konnte, hat Bosse weiterhin nach vorn geschaut und sein Herzblut in ein neues Album gesteckt. Seitdem sind mittlerweile sechs Jahre vergangen, drei neue Alben entstanden und jedes hat seiner Fan-Base mehr Zuwachs gebracht. „Würde es mir nur um Geld gehen, würde ich was anderes machen als Musiker zu sein. Weil es dafür viel zu lange dauert bis man überhaupt mal genug Geld verdient, um sich ein T-Shirt kaufen zu können“, so Aki Bosse. Natürlich steckt aber noch viel mehr hinter dem Erfolg des Songwriters als nur Ausdauer und Hartnäckigkeit.

Was Bosse kann, ist Vielfältigkeit

Was Bosse ausmacht sind die Texte, die berühren, fluten und zerreißen: „Wir schauen uns nur an, wenn der andere nicht hinsieht und woran du denkst, ist da, wo ich hinwill“,„Das Sternenbild wird zum Minenfeld, ich such mir einen hellen aus und trete drauf“ oder „Ich laufe und sprinte wie wild durch die Stadt und seh‘ die Büros sind alle hell in der Nacht. Alles angeschossene Tiere genau wie ich. Ach, man sieht doch das Leben vor lauter Leben nicht“. Beim ersten Hören können Songzeilen wie „Es riecht nach Pisse und Kaffee in den überfüllten U-Bahnhöfen“ zwar befremdlich wirken, doch genau das charakterisiert Bosse und somit natürlich auch „Kraniche“. „In erster Linie geht es in dem Album um die Geschichten, die erzählt werden. Für die Leute, die an die Songs andocken,  ist das Wichtigste dann ja doch irgendwie der Text. Wenn sie sich dann noch dazu live bewegen können oder zu Hause, dann ist das natürlich um so schöner“, so Aki Bosse. Zum Tanzen animiert seine Musik vor allem live. Ob zu dem Klassiker „Tanz mit mir“ oder einer Perkussion-Version von „Frankfurt Oder“, Bosse steckt zum Tanzen an. „Ich tanze den ganzen Abend“, sagt Aki selber. Sogar bei Bochum Total 2011, als peitschender Regen durch die Bochumer Straßen fegte, hat Bosse das Publikum vor der Bühne in Bewegung gebracht.

 

Bosse im Interview mit ak[due]ll. [sabi]

Bosse im Interview mit ak[due]ll. [sabi]

Kraniche wollte ich so bunt machen wie es nur geht.“

Ich war eine Zeit lang in Japan, wo der Kranich verehrt wird. In der japanischen Mythologie bedeutet er Glück und Langlebigkeit und das finde ich, ist ein gutes Symbol“, so Bosse. „Der Kranich ist ein Zugvogel und ich bin für das Album super viel gereist. Außerdem versuche ich mit dem Titelsong eines Albums immer eine musikalische Mitte zu treffen und Kraniche ist schon der Mittelpunkt des Albums. Dazu kommt, dass ‘Kraniche‘ auch einfach ein krachiges Wort ist. Das sagt man nicht allzu oft im Leben.“

„Musik machen ist eben auch ein Weg.“

„Wenn ich ein Album schreibe, dann lasse ich mich immer von mir überraschen. Es ist nun mal so, dass ich immer nur die Alben schreiben kann, die aus mir raus können“, sagt Aki. „Ich hab schon das Gefühl, dass ich älter werde, nicht mehr so rumschreie und vor allem mehr auf Inhalte stehe.“ Genau das zeigt sich auch auf seinem aktuellen Album. Wo früher das ein oder andere Röhren aus vollem Halse den Ton angab, dominieren auf der Kraniche-Platte eher die sanfteren Töne. „Andererseits habe ich gerade erst wieder geschrieben und merke eben schon, dass ich plötzlich die E-Gitarre nehme, das habe ich schon seit fünf Jahren nicht mehr gemacht. Es kann also schon sein, dass ich auf dem nächsten Album dann wieder ein bisschen mehr schreie“, sagt Bosse.
Für sein Konzert am 18.August in Bochum wird er natürlich aus jedem Kästchen etwas heraussuchen. Für die, die tanzen und springen wollen genau so wie für alle, die den sanften Songs lauschen möchten. Denn was Bosse kann, ist Vielfältigkeit. [sabi]