Mietvertrag verlängert: Demo gegen Essener Thor-Steinar-Laden Oseberg

Hier liegt der umstrittetene Thor-Steinar-Laden Oseberg: Zwischen einem Hotel und einem Elektronikgeschäft  an der Viehofer Straße in der Essener Innenstadt.

Hier liegt der umstrittetene Thor-Steinar-Laden Oseberg: Zwischen einem Hotel und einem Elektronikgeschäft
an der Viehofer Straße in der Essener Innenstadt

Seit beinahe fünf Jahren befindet sich in der nördlichen Essener Innenstadt das Bekleidungsgeschäft „Oseberg“, das ausschließlich Kleidung der Marke „Thor Steinar“ verkauft, welche als Erkennungszeichen der rechtsradikalen Szene gilt. Überraschend wurde jetzt laut Informationen des Bündnisses „Essen stellt sich quer“ der Mietvertrag des Oseberg um weitere fünf Jahre verlängert. Dagegen mobilisiert nun ein antifaschistisches Bündnis, das am Samstag den 28. September eine Demonstration angemeldet hat. Das Ziel ist dabei klar: Der „Oseberg“ muss weg.

Während es im Bundestag, wie auch in zahlreichen Fußballstadien verboten ist, sich mittels dieser Kleidung als Nationalist*in erkennen zu geben, gelang es Jahrelang nicht, das Geschäft aus der nördlichen Innenstadt zu vertreiben, wo ansonsten eher Freund*innen von Rockmusik, Shisha-Raucher*innen, Schwule und „Kreative“ ihre Bars und Geschäfte haben.

Umstrittetenes Modelabel

Das Label Thor Steinar, das von der Firma „MediaTex GmbH“ vertrieben wird, sorgt vielerorts für Diskussionen. Stilistisch gelang es, Motive aus der nordischen Mythologie, wohlwollende Anspielungen auf den Nationalsozialismus und einen harten
maskulinen Look zu einer Produktreihe zu verschmelzen. Diese blieb genügend abstrakt, um keine Straftatbestände zu
erfüllen, aber auch eindeutig genug, um als Erkennungszeichen der extremen Rechten fungieren zu können. Die Marke wurde 2002 von zwei Männern aus Brandenburg gegründet, die der rechtsradikalen Szene zugerechnet werden können.

Vor der Eröffnung des „Oseberg“ hatten sämtliche „Thor Steinar“-Verkaufsstätten im Ruhrgebiet nach zahlreichen Protesten mittelfristig schließen müssen. So auch der „Donnerschlag“ in Dortmund und der Laden „Goliat!“ in Bochum. Um den Essener „Oseberg“ ist es in der letzten Zeit hingegen sehr ruhig geworden: Seit 2010 ist gegen das rechte Bekleidungsgeschäft nicht mehr demonstriert worden. Auch die blickdichte Holzfassade, die das Geschäft nach zahlreichen Sachbeschädigungen jahrelang anstelle eines Schaufensters angebracht hatte, wurde mittlerweile durch ein Plexiglasfenster ersetzt.

Mietvertrag anscheinend verlängert

Der „Oseberg“ ist das einzige Geschäft seiner Art in Westdeutschland und überstand neben mehreren Demonstrationen auch eine Klage vor dem Landesgericht. Es ging hierbei darum, ob der Vermieter hinreichend über den rechtsradikalen Hintergrund der Marke „Thor Steinar“ informiert worden ist. Laut der Ansicht des Gerichtes ist dies der Fall gewesen. Dieser Vertrag soll am 30. März 2014 nun eigentlich auslaufen, doch der Vermieter äußerte vor kurzem gegenüber der NRZ, dass darin für die Mieter die Möglichkeit vereinbart sei, das Mietverhältnis um weitere fünf Jahre zu verlängern. „Meine Anwälte und ich können daran leider nichts ändern. Ich bedauere das sehr, mir sind die Hände gebunden“, erklärte er hier.

GOP-Chef Matthias Peiniger hingegen hält die Vertragsverlängerung für „skandalös“. „Unserem Viertel hilft dieser Laden nicht. Er passt nicht zu uns“, wird der Vorstand der Interessen- und Standortgemeinschaft Nördliche Innenstadt in der NRZ zitiert.

Demo am Samstag

Die Demonstration am Samstag war bereits angemeldet worden, bevor die Vertragsverlängerung bekannt wurde. Ursprünglich sollte sie bereits am 14. September stattfinden, was allerdings aufgrund des „Essen Original“-Festivals nicht möglich war. Nach langem hin und her wurde auch der Startpunkt der Demonstration von der Polizei auf den Hirschlandplatz verlegt. Hier beginnt gegen 12 Uhr die Auftaktkundgebung. Die Demonstration führt von dort aus durch die Essener Innenstadt und endet in Sichtweite des Oseberg. Dabei werden Parteienvertreter*innen darum gebeten, auf Fahnen, Transparente oder Werbetafeln ihrer Gruppierungen zu verzichten.

Doch die Demonstration gegen den Nazi-Laden ist nicht die einzige Möglichkeit, sich am Samstag politisch zu engagieren und Kombinationen sind durchaus möglich. Zwischen 11 Uhr und 17 Uhr feiern nämlich Anwohner*innen in EssenKray ein sogenanntes „Fest der Begegnung“, das sich auch als Protest gegen die dortige NPD-Landeszentrale versteht. Außerdem finden in Mülheim an der Ruhr eine Tanzdemo statt, die sich gegen den Abriss mehrerer Häuser in der Wissollstraße richtet.