Edeka rettet die Wale nicht

Edeka rettet die Wale nicht

Die deutsche Supermarktkette Edeka wird wegen ihrer Beziehungen zu einer isländischen Walfangflotte hart kritisiert. In den selben Fertigungshallen, in denen das Walfangunternehmen Hvalur hf Fleisch von Meeressäugern weiterverarbeitet, werden Fischprodukte für Supermärkte in der Bundesrepublik abgepackt. Rund 200.000 Menschen hatten Edeka daher in einer Online-Petition aufgefordert, die Handelsbeziehung zu beenden. Bislang erfolglos.

Die Online-Petition „Edeka und das Walmassaker“ auf Avaaz.org fordert den Unternehmenschef Markus Mosa auf, „unverzüglich alle Einkäufe bei Deutsche See und Iceland Seafood einzustellen, da einige dieser Produkte von der Firma HB Grandi stammen, die das Massaker an bedrohten Walen in Island fördert.“ Kristjan Loftsson, Vorstandsvorsitzender der Firma HB Grandi, ist gleichzeitig Chef der Walfangfirma Hvalur hf, und damit die direkte Verbindung beider Geschäftsbereiche.
Die isländische Firma tötete von Januar bis August 2013 bereits 89 Finnwale. Bis zum Ende des Jahres sollen es 184 Tiere werden. Die zweitgrößte Walart gilt weltweit als gefährdet. Als die Meeresriesen in der Vergangenheit nahezu ausgerottet waren, beschloss die Internationale Walfangskommission (IWC), den kommerziellen Handel zu stoppen, bis sich die Bestände wieder erholt haben. Heute liegen Populationsschätzungen zwischen 40.000 und 70.000 weltweit existierenden Tieren. Im Jahr 2006 brach Island das Abkommen und erlaubte es isländischen  Unternehmen, wieder Finnwale zu jagen. Verwendungsgrund dafür war die beginnende Wirtschaftskrise im Land. Danach hatte die Regierung fünf Jahre lang bis zu 150 Wale per Quote zum Schlachten frei gegeben.

Walfleisch im Hamburger Hafen gestoppt

Die Jagd auf Finnwale ist auch in Island alles andere als unumstritten. In den Jahren 2011 und 2012 wurde die Jagd sogar abgesagt, da Tonnen von Walfleisch aus der letzten Saison wegen mangelnder Nachfrage vergammelt waren.  Die frühere Notlösung hat sich schlicht nicht mehr gelohnt
Seitdem die Hvalur-Flotte den Fang in diesem Jahr wieder aufgenommen hat, hagelt es Protestaktionen. Der Protest richtet sich zumeist gegen den internationalen Handel. Denn für Walfleisch gibt es in Island selbst kaum einen Markt, sondern nur in anderen Ländern, beispielsweise in Japan. Daher werden Transithäfen immer wieder Schauplätze von Protestaktionen. So in diesem Jahr auch in  Hamburg: Im Juli wurde dort ein Containerschiff, das tonnenweise isländisches Walfleisch nach Japan verschiffen sollte, von Greenpeace-Aktivist*innen erfolgreich blockiert.

Edeka: keine Unterstützung für kommerziellen Walfang?

Für den größten deutschen Supermarkt-Verbund ist das trotzdem kein Grund, die Geschäftsbeziehungen nach Island zu überdenken. In einer Stellungnahme erklärt der Konzern, er unterstütze keinen kommerziellen Walfang. Allerdings heißt es weiter: „Ein genereller Boykott isländischer Fischereien würde auch Betriebe treffen, die keinen Walfang, aber seit Jahren ein nachhaltiges Fischerei-Management betreiben, sowie darüber hinaus auch andere Branchen“, so ein Sprecher des Unternehmens. Auf die personellen und räumlichen Überschneidungen des eigenen Zulieferers mit den dem Walfang-Unternehmen Hvalur hf geht Edeka dagegen nicht ein.

Niederlande: Anlegestopp für tote Meeressäuger

Die Ersteller*innen der Petition beißen also bisher bei Edeka auf Granit. Kürzlich konnten die Aktivist*innen jedoch einen Erfolg verzeichnen. Mit einer vorangegangenen Unterschriftensammlung hatten fast 1,2 Millionen Menschen die niederländische Regierung aufgefordert, kein Walfleisch über ihre Häfen in die Welt zu verschiffen. Sharon Dijksma, niederländische Staatssekretärin für Wirtschaft, versprach daraufhin, für den Hafen in Rotterdam einen Transferstopp zu erwirken. Außerdem wolle sie auch mit anderen Häfen in der EU zusammenarbeiten, damit auch dort keine mit Meeressäugern beladenen Container anlegen können.

 

Foto: Loaf/ flickr.com, CC BY-NC 2.0