Knutschen gegen Homophobie

mundpropagandaWas trägt Mann in diesem Winter? Welches Auto ist momentan das beste und welches Technik-Tool kann sich Mann als nächstes anschaffen? Wer dachte, dass sich das Männermagazin GQ nur mit solcher Art Fragen beschäftigt, wurde nun eines Besseren belehrt. Derzeit erhält das Männer- und Lifestyle-Magazin mit einer Aktion Aufmerksamkeit, die man vielleicht eher anderswo erwartet hätte: Mit der Kampagne Gentlemen gegen Homophobie zeigt sich GQ solidarisch mit den Opfern von Homophobie.

GQ – das steht eigentlich für Gentlemen, „den typischen Mann“ oder zumindest das, was viele Männer gerne wären. Wer hätte da gedacht, dass sich genau dieses Magazin für die Rechte von Homosexuellen einsetzt? Doch genau das hat das Männer-Magazin mit der Kampagne Mundpropaganda nun mit einer Fotoreihe getan, die prominente Männer zeigt, wie sie einander leidenschaftlich küssen. Unter dem gleichnamigen Hashtag will GQ damit zum Protest gegen Homophobie und zur Solidarität mit ihren Opfern aufrufen.

Ein Kuss – Ein Zeichen

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – ganz nach diesem Motto hat GQ Deutschland in Hamburg, Berlin, Köln und Frankfurt dazu 13 Prominente, darunter unter Anderem Schauspieler August Diehl, Herbert Grönemeyer sowie die Beachvolleyball-Olympiasieger Julius Brink und Jonas Reckermann in Szene setzen lassen. Ein Kuss – ein Zeichen. Dabei gehört es zu den alltäglichsten Dingen, die wir uns vorstellen können. Und doch leben viele Menschen in Angst und Gefahr, wenn sie Liebe und Alltag mit einander verbinden wollen. Angst mussten die Teilnehmer der Kampagne keine haben, dennoch habe der Kuss, der für einige der erste mit einem Mann gewesen ist, doch ein wenig Überwindung gekostet, wie unter Anderem Rapper Moses Pelham im anschließenden Interview mit GQ fast beschämt zugibt. Die Botschaft, die hinter der Kampagne steckt ist die Überwindung aber allen Beteiligten wert.

Globales Problem Homophobie

Denn für viele Nicht-Heteros ist ein normales Leben in vielen Teilen der Welt kaum möglich. Erst in diesem Jahr ist in Russland ein Gesetz in Kraft getreten, das Homosexuellen sowie Bi- und Trans*sexuellen verbietet öffentlich mit ihrer Sexualität umzugehen (akduell berichtete). Auch in vielen Ländern Afrikas wird Homosexualität strafrechtlich verfolgt, kann sogar mit dem Tode bestraft werden. Keinesfalls aber ist Homophobie ein Problem, welches nur in fernen Ländern und anderen Kulturen vorkommt. Nicht lang ist es her, als in Frankreich riesige Gruppen einer Bürgerbewegung auf die Straße gingen, um gegen die Homoehe zu protestieren.

Problemzone Sport

Auch Deutschland ist lange nicht so modern und tolerant wie es sich gerne gibt. Ein Gesellschaftsbereich, in dem Homosexualität auch hier immer noch oft ein Tabuthema ist, ist der Sport. Profifußballern wird weiterhin davon abgeraten sich zu outen. So befinden sich unter den Teilnehmern der Kampagne leider weder Fußballprofis noch Boxer oder andere Sportler, die in einer vermeintlich männlichen Sportart tätig sind. Warum aber Sexualität im Sport eine so große Rolle spielen darf, ist kaum nachvollziehbar. So appelliert auch Beachvolleyball-Oplympiasieger Julius Brink, dass der Sport endlich wieder im Vordergrund stehen sollte und nicht die sexuelle Orientierung einzelner Sportler.

Auch Teamkollege Reckermann kritisiert im Spiegel-Online-Interview, dass sportliche Events an Länder vergeben werden, in denen Menschenrechte verletzt werden. „Man sollte erst Veränderungen einfordern, bevor man solche Länder mit Olympischen Spielen belohnt“, so Reckermann. Gerade vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi und der Fußball WM in Katar ist das eine wichtige Botschaft, die der Olympiasieger mit seinem Kuss übermitteln will.

In den Medien wird der Aktion allerdings ein Stempel aufgedrückt, der im Kampf gegen Homophobie eher weniger hilfreich sein könnte: Mit der ausgeprägten Betonung der Heterosexualität der Prominenten wird erneut der Fokus auf die sexuelle Orientierung einzelner gelegt. Auch Rapper Moses Pelham kritisiert im Interview, dass Sexualität im Allgemeinen viel zu viel Aufmerksamkeit geschenkt werde, zumal diese privat sei und niemanden etwas angehe. In diesem Zusammenhang wird hier allerdings gekonnt vermieden, dass die Teilnehmer der Aktion für schwul gehalten werden könnten. Dass ist allerdings eher ein durch die Medien erzeugtes Problem und macht die Kampagne nicht automatisch schlechter. Dennoch werden bei der Mundpropaganda-Aktion homosexuelle Frauen sowie Transsexuelle leider nicht berücksichtigt. GQ geht es letztendlich um Solidarität und diese in einem Magazin zum Ausdruck zu bringen, welches sich nun mal hauptsächlich an heterosexuelle Männer richtet.