Zum Verfall der Umgangsformen

Ekelbaron-294x300In unserem Anwesen verfügen wir über keinen Fernsehapparat, da wir das Geschnatter des Pöbels nicht auch noch daheim ertragen wollen. Sind wir allerdings zu Besuch bei Freunden, die sich gerne der Modernität rühmen, so kommen selbst wir oft nicht umhin, jenen Quatsch, den das technisch wie gesellschaftlich mittlerweile höchst altmodische Gerät ausspuckt, ausgiebigst zu diskutieren.

Kürzlich zeigte mir eine befreundete Freifrau, die Aufnahme eines Fernsehinterviews mit dem SPD-Parteivorsitzenden Gabriel. Ihrer Überzeugung nach hatte der hemdsärmelige Hau-Drauf-Politiker aus dem Harz hier zwar eine naive Ideologie bürgerlicher Mitbestimmung gepredigt, sich zuletzt aber völlig zurecht über die Fragen echauffiert, die jede Achtung vor dem Höhergestellten vermissen ließen.

Unsere Sicht der Dinge war hingegen eine andere. Fraglos sind unverschämten Journalisten Grenzen zu setzen, allerdings ist ein gewisser Stil notwendig, um sich nicht der Lächerlichkeit preiszugeben. Der wurstige Wahlberliner demonstrierte hingegen vorzüglich, was mit den Umgangsformen geschieht, wenn der Pöbel das Sagen hat: Sie verkommen vollends zur plumpen Machtdemonstration, die mit Autorität so wenig zu tun hat wie die Sozialdemokratie mit der Arbeiterschaft. Autorität impliziert nämlich Respekt, den der schinkenköpfige Seeheimer verspielt, wenn er in Schulknabenmanier die beleidigte Bratwurst gibt.

Hochachtungsvoll,

Friedrich von Einhalt