Kinderarmut nimmt zu

Jedes fünfte Kind in Deutschland ist von Armut betroffen. Das zeigt die neue Studie des deutschen Kinderhilfswerks. Im Verhältnis zu 2007 ist die Zahl der Kinder in Armut deutlich gestiegen, 2007 lebte jedes sechste Kind in Armut, inzwischen sind es 2,8 Millionen der 14 Millionen Kinder.

Kinderarmut in DeutschlandDer Präsident des Kinderhilfswerks, Thomas Krüger, fordert „ein nationales Programm zur Bekämpfung der Kinderarmut.“  Er zeigt sich besorgt, dass es trotz der guten wirtschaftlichen Situation der Bundesrepublik eine deutliche Zunahme der Armut gegeben hat. Bei einer Pressekonferenz berief er sich auf Studien von Unicef, die deutlich machen, dass die Kinderarmut in Deutschland deutlich schneller ansteigt als die Armut in der restlichen Bevölkerung. Die Studie des Kinderhilfswerks zeigt zudem deutlich, dass die Einkommen in Deutschland zu niedrig sind, um Kinderarmut zu bekämpfen und vor allem Alleinerziehende bei der Erziehung finanziell im Stich gelassen werden. Über 70 Prozent der Befragten beklagten, dass die Politik sich dem Thema Kinderarmut nicht ausreichend widme und dieses nicht ernsthaft genug angehe. Diese Unzufriedenheit und die Kinderarmut sind in Ostdeutschland stärker ausgeprägt als in Westdeutschland.

Maßnahmen gegen Kinderarmut

Das Thema Kinderarmut beschäftige die Bevölkerung in Deutschland, erklärte Studienautor Uwe Meergans. Als Beleg nannte er, dass 66 Prozent bereit wären, mehr Steuern zu zahlen, wenn das Geld für die Bekämpfung des Problems verwendet würde. Die Mehrheit der Befragten fordere allerdings weitere Maßnahmen im Kampf gegen Kinderarmut. 97 Prozent unterstützten die Forderung nach einer Lehrmittelfreiheit für einkommensschwache Familien und deren Kinder mit Lehrmittelfreiheit, 86 Prozent die Forderung nach kostenfreiem Essen in Schulen und Kitas. Eine deutliche Mehrheit von 70 Prozent sprach sich sogar dafür aus, die Hartz-IV-Sätze anzuheben, um Kinderarmut effektiv zu bekämpfen.
Kritik an der aktuellen Situation kam von verschiedenen Verbänden. Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrsverbandes, machte deutlich, dass „der Koalitionsvertrag in Sachen Kinderarmut sträfliche Defizite zeige.“ Er schlägt eine bessere finazielle  Unterstützung von Alleinerziehenden und eine Reform des Kinderzuschlags sowie der Hartz-IV-Leistungen für Kinder und Jugendliche vor. Diese würden jährlich allerdings 10 Milliarden Euro kosten.
Auch der Caritas-Präsident Peter Neher fordert, dass „der Kampf gegen Kinderarmut zwingend Vorrang im politischen Alltag haben“ müsse. Er machte deutlich, dass „Chancengleichheit nur zu erreichen ist, wenn materielle Unterstützung für arme Familien bereitgestellt wird und ein inklusives Bildungssystem durchgesetzt wird“

Bundesregierung muss mehr machen

Die Kritik an der aktuellen Situation ergänzten die Verbände und Organisationen um Kritik und Forderungen  an die Bundesregierung. „Eine Sachverständigenkommission soll die individuellen Bedarfe ermitteln, damit Hilfen bei Kindern in Not ankommen“, erklärte Krüger bei der Vorstellung. Er machte deutlich, dass die Regierung endlich handeln müsse. Selbst der Bund der Deutschen Katholischen Jugend sagt, dass es sich um ein strukturelles Problem handele, dass von der Regierung angegangen werden müsse.
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sönke Rix erklärte: „Kinderarmut darf in einem reichen Land wie Deutschland kein Thema mehr sein.“  Er verteidigt den Koalitionsvertrag. Dieser würde sich mit Mindestlohn und Kita-Ausbau dem Thema stellen. Die linke Bundestagsabgeordnete Diana Golze bezeichnete den Koalitionsvertrag und die darin vorhandenen Maßnahmen  hingegen als nicht ausreichend. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende fordert einen Mindestlohn, der seinen Namen verdient, eine Kindergrundsicherung, die Armut verhindert, und eine gut ausgebaute soziale Infrastruktur, die allen Kindern und Jugendlichen offen steht. Sie verwies, wie auch die Studie, darauf, dass sich im gesamten Koalitionsvertrag nicht ein einziges Mal das Wort Kinderarmut finde und es bisher abseits des Mindestlohns kein Projekt gäbe, das die Armut bekämpfen könne.