Antimuslimischer Rassimus im Fokus

Die Gruppe Hilarius ist nach einem afrodeutschen Arbeiter, Laienschauspieler und Kommunisten benannt, der 1933 in Düsseldorf von Nazis ermordet wurde. (Foto:JJ)

Die Gruppe Hilarius ist nach einem afrodeutschen Arbeiter, Laienschau-
spieler und Kommunisten benannt, der 1933 in Düsseldorf von Nazis
ermordet wurde. (Foto:JJ)

Antimuslimischer Rassismus ist in der deutschen Gesellschaft verbreitet, wie nicht nur Angriffe auf Moscheen zeigen, sondern auch eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung nachweist. In Düsseldorf haben Aktivist*innen deshalb für den 10. Februar eine Veranstaltung organisiert, auf der über antimuslimischen Rassismus und dessen Auswirkung diskutiert werden soll.

Unter dem Titel „Von der „Islamkritik“ zur Hetze – Islamophobie und antimuslimischer Rassismus“ wird die Gründerin des „Institut für Medienverantwortung“ (IfM) in Erlangen, Sabine Schiffer, über die Entwicklung des antimuslimischen Rassismus berichten. Die Medienwissenschaftlerin hat sich in den vergangenen Jahren vor allem der Aufarbeitung von Hetze in den bürgerlichen Medien verschrieben und versucht, deren Folgen aufzudecken. Die
Veranstalter*innen, die sowohl aus dem muslimischen Spektrum, wie aus der politischen Linken kommen, verdeutlichen, dass „Muslime in Deutschland viel ertragen müssen.“ Sie zielen dabei auf die von Medien und rechten Parteien verbreiteten Behauptungen, dass die Muslime eine Gefahr für die Kultur des Abendlandes, aber auch für die innere und äußere Sicherheit seien. Schiffer arbeitet in ihrem Buch „Tödliche Realitäten. Der rassistische Mord an Marwa El-Sheribini“ heraus, dass antimuslimischer Rassismus kein vereinzeltes Phänomen ist, sondern durch die mediale Debatte über eine angebliche Bedrohung des Abendlandes geschürt wird.

Dave, Mitglied der Gruppe Hilarius, sieht die Information über Medien als vierte Gewalt und deren Verantwortung bei der Hetze gegen Muslime als einen der Hauptgründe für die Organisation der Veranstaltung. „Die Veranstaltung soll die Möglichkeit bieten, den Stammtischparolen des konservativen Lagers eine Antwort entgegenzusetzen,“ so Dave. Momentan stehe für ihn zwar der Kampf gegen Antiziganismus im Vordergrund, da besonders Roma in den Medien angegriffen würden. Dave erklärt allerdings, dass „das Thema antimuslimischer Rassismus immer aktuell ist, auch wenn Muslime nicht immer im Fokus der Hetze stehen.“ In den kommenden Monaten dürfte vor allem die rechtsgerichtete Kleinstpartei Pro NRW versuchen, antimuslimische Ressentiments für ihren Wahlkampf zu nutzen, so die Befürchtung der Veranstalter*innen. Pro NRW ist in den vergangenen Jahren, und besonders in Wahlkampfzeiten, immer wieder mit islamfeindlichen Kampagnen und Demonstrationen vor Moscheen aufgefallen.

Mit Muslimen reden – statt über sie

Die Veranstaltung stellt eine Besonderheit dar, da zu den Veranstalter*innen sowohl Organisationen der radikalen Linken wie Gruppe Hilarius und die interventionistischen Linke see Red, als auch muslimische Strukturen wie der Rat Muslimischer Studierender & Akademiker und KDDM – Kreis der Düsseldorfer Muslime gehören. „Es ist entscheidend, dass wir mit den Betroffenen über antimuslimischen Rassimus sprechen“ erklärte Mischa Aschmoneit, Mitglied von see Red. Besonders muslimische Organisationen haben in den vergangenen Monaten immer wieder angemahnt, dass bei Rassismus viel zu selten mit den Betroffenen gesprochen würde. Gerade der Zentralrat der Muslime und dessen Vorsitzender, Ayman Mayzek, hatten deswegen immer häufiger dazu auf-
gerufen, dass sich ihre Mitglieder an Demonstrationen gegen Rassismus beteiligen sollten. Die Veranstaltung soll diese Entwicklung aufgreifen und ein
weiterer Schritt sein, „das Verhältnis von linken und religiösen Gruppen zu entkrampfen“ betonte Mischa. „Das unterschiedliche Verständnis von Religion darf nicht dazu führen, dass wir uns vor religiösen Menschen verschließen. Wir müssen nicht nur gemeinsam zu Antimuslimischen Rassismus im Zakküssen auch gemeinsamen Widerstand leisten gegen Sozialabbau und Privatisierungen, denn auch dieser betrifft uns alle“, so Mischa Aschmoneit.

Veranstaltung zu Antimuslimischen Rassismus im Zakk
Opferberatung des RAA
Sachsen e.V (Hg.):
Tödliche Realitäten.
Der rassistische Mord an
Marwa El-Sheribini
240 Seiten
ISBN:  978- 3- 00- 034794- 8
Ω Veranstaltung am 10.
Februar um 19:30 im Zakk,
Fichtenstraße 40,
Düsseldorf