E-Books: Zwischen Selbstverlag, Amazon und E.L. James

Manch einem Bücherwurm sind eBooks ein Graus. (Foto: mac)

Manch einem Bücherwurm sind eBooks ein Graus. (Foto: mac)

Bücherwürmer dieser Welt sind gespalten: Lieber ein gedrucktes Buch in der Hand oder ein E-Book? Viele junge Schriftsteller*innen haben die neue Publikationsmöglichkeit für sich entdeckt. Zudem werden die E-Books immer beliebter: Verlage machen in Deutschland bereits zehn Prozent ihres Umsatzes mit E-Books, Tendenz steigend. Wir haben für euch mit zwei jungen E-Book-Autoren gesprochen, die in Essen studieren.

Karsten Kramer hat ein Buch geschrieben. Es ist ein Historien-Krimi, in dem ein Geschichtsstudent versucht herauszufinden, ob der Astronom Johannes Kepler wirklich seinen Lehrmeister umgebracht hat. Eine historische Schnitzeljagd beginnt, die an Romane von Dan Brown erinnert. Doch sein Buch „Das Geheimnis der Sterne“ hatte bei den Verlagen weniger Erfolg als die Bestseller seines amerikanischen Vorbilds. Er bekam eine Absage nach der anderen. Denn nur selten gehen Verlage das Risiko ein, unbekannte schriftsteller*innen ins Programm aufzunehmen. „Als Autor steht man dann vor der Entscheidung: Entweder lässt man den Text auf dem Computer verstauben oder veröffentlicht ihn als E-Book“, sagt Karsten. Und das hat er dann auch
getan: beim Internetriesen Amazon.

Autor*innen im Selbstverlag

Veröffentlichen junge Autor*innen ein Buch selbst ohne Verlag, nennt das Amazon „Kindle Direct Publishing“. Vor dem E-Book-Zeitalter haben Schriftsteller*innen eigene Internetseiten aufgebaut und
dann pro Bestellung ein Buch extra für die Kund*innen gedruckt und versandt. Das geht heute deutlich
einfacher: „Man muss trotzdem alles selbst gestalten – Preis, Cover, Layout, Werbe-Aktionen“, sagt Maximilian Winkel. „Auf ein E-Book zu setzen war für mich am einfachsten und kostengünstigsten.“
Der Germanistik- und Geschichtsstudent hat mit „Die Hexe von Dunner“ dunkle Fantasy als E-Book
veröffentlicht. Für viele ein Anreiz: Amazon kassiert von E-Book-Autor*innen nur 30 Prozent der Verkaufserlöse, während Verlage zumeist nur einen kleinen Teil der Einnahmen an die Autor*innen weiterreichen. Reich wird Sebastian Kramer trotzdem nicht: „Siebzig Prozent von wenig ist
nicht unbedingt viel. Ich wollte das Buch vor allem zugänglich machen“, sagt der Krimi-Autor. Sein Digitalbuch kostet im Internet 4,40 Euro, er erhält also rund drei Euro pro verkauftem Buch. Die Fantasy-Geschichte von Maximilian Winkel gibt es sogar schon für 1,02 Euro. Auch ihn reizt weniger der Traum vom
schnellen Geld, sondern die Chance, etwas bekannter zu werden: „Ich hoffe, dass ich auf kurze oder lange
Sicht an einen Verlag komme und das Autoren-Dasein zum Hauptberuf machen kann“, sagt Winkel.

Fifty Shades of Grey als Vorbild?

Es kann auch gut laufen – wie zum Beispiel bei E.L. James, die mit ihrem Hausfrauenporno „Fifty Shades
of Grey“ den Sprung von der Fanfiction zum E-Book und zum weltweiten Bestseller geschafft hat. Derzeit finden sich in den Top 5 der Amazon-Bestsellerliste Titel wie „Verliebt in der Nachspielzeit“ und
„Knallharte Schale – Zuckersüßer Kerl“. Romantik-Komödien laufen gut im Digital-Geschäft. „Bei solchen
Titeln ist den Autoren der Erfolg auch irgendwie zu gönnen, weil sie die Mode treffen“, sagt Fantasy-
Schreiber Winkel. Das bleibt freilich die Ausnahme. Während E.L. James nämlich schon vor der E-Book-Veröffentlichung in Fanfiction-Foren gehypt wurde, stehen andere Autor*innen am Anfang alleine da. „Du musst das E-Book schreiben, lektorieren und vermarkten. Da ist man als neuer Autor eine One-Man-Show“, sagt Kramer. Bekannt zu werden ist noch schwieriger. Bis an die Spitze der Amazon-Bestsellerliste ist es ein weiter Weg: „Am ersten Tag war ich auf Platz 900, als Freunde und Familie mein Buch gekauft haben“, sagt Kramer. „Mittlerweile bin ich auf Platz 160.000, weil das Buch länger nicht verkauft wurde“

Kritik am Internetgiganten

Das ist auch eine Kritik am System Amazon: „Je besser dein Rating ist, desto schneller wirst du gefunden.
Das Rating basiert aber größtenteils auf Verkäufen und nur geringfügig auf Rezensionen und Bewertungen“,
sagt Fantasy-Autor Winkel. „Was polarisiert, gewinnt. Qualität setzt sich da nur bedingt durch“, so Winkel
weiter. Außerdem versucht der Konzern, seine Vormachtstellung auf dem E-Book-Markt dadurch zu verstärken,
dass er die Autor*innen an sich bindet. „Es gibt Vorteile, wenn das Werk exklusiv bei Amazon veröffentlicht wird. Ich konnte das Buch so zum Beispiel für einen gewissen Zeitraum kostenlos anbieten“,
sagt Winkel. Alternativangebote wie eBook.de, kobo oder buecher.de können da schwer mithalten, obwohl sie wegen besserem Datenschutz schon öfter gelobt wurden.