Feedback erwünscht

EvaluationsbögenAm Ende eines jeden Semesters das gleiche Spiel: In Seminaren, Vorlesungen und Kursen werden Evaluationsbögen ausgeteilt – ankreuzen erwünscht. Aber was bringen die Fragebögen wirklich, und in wessen Interesse setzen Studis eigentlich immer so fleißig ihre Kreuzchen?

Mit Rückblick auf das gerade vergangene Semester stellt sich die Frage: Was haben wir in diesem Semester alles gelernt, wie waren die Seminare und was ist mal wieder so richtig schief gelaufen? Insbesondere das diesjährige Wintersemester brachte eine Neuheit mit sich. Der viel diskutierte Doppeljahrgang hat die Hörsäle und Mensen der Unis in NRW gefüllt. Studierende, Profs und Rektorat wollen nun sicherlich wissen, ob sich das auch auf die Qualität der Seminare und Vorlesungen ausgewirkt hat. Genau dafür gelten Lehrveranstaltungsbewertungen, sogenannte Evaluationen, als zentrales Instrument. Diese gibt es allerdings nicht erst seit dem diesjährigen Ansturm des Doppeljahrgangs. Viele Studierende haben im Laufe ihres Studiums bereits etliche dieser ominösen Zettel ausgefüllt, von denen tatsächlich kaum jemand so genau weiß, wer sich damit eigentlich beschäftigt und was genau das eigentlich bringen soll.

Bitte ankreuzen

Es passiert in der Regel gegen Ende des Semesters. In vielen Seminaren reichen die Dozent*innen dann plötzlich einen Zettel herum, der mit dem jeweiligen Seminar eigentlich so gar nichts zu tun hat. Zumindest auf den ersten Blick. Wer sich nicht mehr im ersten Semester befindet, kennt das Prozedere für gewöhnlich schon. „Ich habe hier mal so einen Zettel für Sie. Den füllen Sie bitte aus und reichen ihn dann anschließend wieder zurück nach vorne“, so oft die beigefügten Worte der Lehrperson. Ein Test? Wohl kaum. Vielmehr eine Bewertung des Kurses, in der die Studierenden hinter Aussagen über Aufbau und Niveau der jeweiligen Veranstaltung sowie über die Lehrperson und Kommiliton*innen von „stimme voll zu“ bis „stimme überhaupt nicht zu“ ankreuzen können.

Das Ganze geschieht anonym und freiwillig. „Die Fragebögen dienen vor allem als Feedbackinstrument zwischen Lehrenden und Studierenden“, so Karl-Heinz Stammen vom Zentrum für Hochschul- und Qualitätsentwicklung (ZfH), wo die Evaluationsbögen ausgewertet werden. Denn die ausgefüllten Bögen werden keinesfalls alle einzeln von den Dozent*innen durchgelesen und verarbeitet. Die Fragebögen gehen zunächst ans ZfH. Dort werden aus den Skalafragen Mittelwerte gebildet und in eine Bewertungsform zusammengefasst, die den Donzent*innen unmittelbar klar macht, wie ihr Kurs durchschnittlich bei ihren Studierenden ankommt. Die Auswertungen sollen anschließend in gemeinsamer Diskussion mit dem Kurs noch einmal besprochen werden.

Wen interessiert es wirklich?

Das Ziel liegt dabei auf der Hand: Die Veranstaltungen sollen qualitativ besser werden. Aber nehmen sich die Dozent*innen wirklich zu Herzen, was die Kursteilnehmer ankreuzen? Nicht alle Studierenden sind sich da so sicher: „Ich befürchte, vielen Lehrenden ist das ziemlich egal, was da geschrieben und angekreuzt wird, und sie machen dann im nächsten Semester genauso weiter“, so Geschichtsstudent Aljoscha. Auch Karl-Heinz Stammen vom ZfH weiß das. „Auch wir bekommen alle möglichen Arten von Feedback.“ Einige Dozent*innen sehen demnach keinen Sinn in den Evaluationen. Viele haben ihre eigenen Wege, um sich Feedback zu holen und wollen sich deshalb nicht auf ein paar schnell gemachte Kreuze verlassen.

Aber es geht auch anders: „Ein paar löbliche Ausnahmen gibt es, das habe ich auch schon erlebt“, so Aljoscha weiter. Das passiere oft dann, wenn das Feedback negativ ausgefallen ist. Dozent*innen können sich in solchen Fällen auch an das ZfH wenden, das gezielt Hilfe anbietet: „Wir bieten zum Beispiel Workshops für Dozent*innen und Dozenten an“, so Stammen. In den zum teil mehrtägigen Kursen können sich die Lehrenden weiterbilden lassen, wie sie ihre Veranstaltungen sinnvoll planen, vorbereiten und strukturieren können.

Das Angebot wird vor allem von Nachwuchs-Lehrenden in Anspruch genommen. Alina W. ist seit zwei Jahren Dozentin und für sie sind die Evaluationen ein wichtiger Bestandteil für die Verbesserung ihrer Seminare: „Ich lese mir die Bewertung immer genau durch und versuche die Kritiken dann noch mal auf das Seminar zu reflektieren.“ In der nächsten Sitzung bespricht sie die Bewertung dann noch mal mit ihrem Kurs, um mögliche Nachfragen noch einmal zu klären. „Besonders unangenehm ist es natürlich, wenn die Bewertung wirklich schlecht ausgefallen ist“, so die Dozentin. „Dann kann es vorkommen, dass man noch mal mit einem der Professoren bespricht, was anders laufen muss.“

So viel Bereitschaft zur Selbstkritik ist bei langjährigen Professor*innen nicht immer zu finden. Karl-Heinz Stammen vom ZfH rät Studierenden deshalb, die Ergebnisse der Evaluationen immer beim jeweiligen Lehrpersonal einzufordern. Aber vor allem sollten sie die Bewertung ernst nehmen – in ihrem eigenen Interesse. „Wenn beide Seiten das Ausfüllen des Fragebogens als lästige Pflicht ansehen, ist das nur ein Datenfriedhof“, so der ZfH-Mitarbeiter. „Besonders wichtig sind da sonstige Kommentare, die man immer als letztes darunterschreiben kann“, so auch Geschichts-Student Aljoscha.

Es wird nicht immer besser

Aber nicht immer liegt der Grund für ein wenig gelungenes Seminar bei der Lehrperson. Auch das Verhältnis der Studierendenanzahl zur Raumgröße sowie die Ausstattung der Räume stehen in direktem Bezug zu einem guten Seminar. Deshalb werden auch solche Bedingungen im Fragebogen berücksichtigt. Leider kommt es dennoch von Semester zu Semester immer wieder zu überfüllten Kursen und schlechten Lernsituationen. Zu große Seminare und zu kleine Räume können auch die besten Evaluationen nicht ausgleichen.