Krieg und Kindergarten

(Bild: x0801/flickr.com/CC BY-NC-SA 2.0)

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Es wird ein neues Kapitel geschrieben in der Geschichte der Kriegsführung. Es ist eine Renaissance altbewährter Methoden. Waren es in der griechischen Mythologie noch die Sirenen, die durch ihren Gesang feindliche Kräfte betörten, soll nun etwas ganz anderes die Begleitmusik zum Kriegsgeschehen spielen: Kindergeschrei. Die Bundeswehr soll familienfreundlicher werden.

Die Bundeswehr familientauglich? Der immer weiter fortentwickelten Kriegstechnik zum Dank können die automatischen Geschütze also erkennen, ob sie Familien, Väter oder Mütter töten, oder ob es doch nur kinderlose Terroristen sind? Darum geht es dann aber doch nicht. Es soll eine Drei-Tage-Woche und Kindergärten in den Kasernen geben. Das soll dann zeigen: Die Bundeswehr ist ein Arbeitgeber wie jeder andere. Indes: Arbeitet ein Elternteil im Handwerk, ist es kein Problem, dem Kind das alltägliche Werkzeug
zu zeigen. Wie das bei Soldat*innen funktionieren soll, wird im Verteidigungsministerium noch ausgelotet. Man erwägt, die USA als Beispiel zu nehmen: Dort können sich durch die Schließung von Guantanamo die Soldat*innen bald Arbeit mit nach Hause nehmen. Doch das nicht genug der Familienfreundlichkeit: Zur Resozialisierung der ehemals Gefangenen sollen diese als Haushaltshilfen den Soldat*innen zur Hand gehen.
Zudem fordert das Verteidigungsministerium eine weitere Legalisierung von Drohnen-Einsätzen. So kann der Elternteil während der Arbeit zuhause Kartoffeln schälen, das Kind in den Schlaf wiegen oder bei Facebook Kinderfotos posten. Dennoch gibt es einige Probleme bei der Umsetzung einer familienfreundlichen Armee.
Zusätzlich zur bis zu 30 kg schweren Ausrüstung eines*r Soldat*in noch ein Baby-Trage-Tuch? Im heißen afghanischen Sand während der Patrouille die Windeln vergraben? Das stinkt doch bis zum Himmel! Hach, der Krieg ist auch nicht mehr das, was er mal war.

So lustig-absurd die Vorstellung einer mit Milchflaschen ausgerüsteten Armee auch sein mag, für Ernüchterung sorgt Harald Kujat, Spielverderber und ehemaliger Generalinspekteur der Bundeswehr. Tagesschau.de verrät er: „Wir sollten also alles tun, was dem Soldaten den Rücken frei hält, so dass er sich voll auf seine Aufgaben konzentrieren kann.“ Soldat*innen, die nicht ständig an ihre Familie denken müsten, seien „psychisch stabiler und stärker belastbar“. Damit sich die dienenden Eltern keine Gedanken um ihre Kinder machen müssen, geht Frau von der Leyen übrigens unkonventionelle Wege: Kindersoldat*innen
gleichen einerseits die Verluste der ausgesetzten Wehrpflicht aus und sorgen andererseits dafür, dass die deutschen Soldat*innen in Ruhe töten können – ohne Sorgen um ihre Kinder.