Essen ist veganisierbar

Von außen Spelunke, drinnen Fast Food: Die erste vegane Kneipe des Ruhegebiets hat eröffnet. (Foto: mac)

Von außen Spelunke, drinnen Fast Food: Die erste vegane Kneipe des Ruhegebiets hat eröffnet. (Foto: mac)

Seit dem 1. März hat die Veganisierbar in Essen ihre Pforten geöffnet – die Kneipe im Stadtteil Frohnhausen lockt mit einer ausschließlich veganen Speisekarte. Die Inhaber*innen Steffi und Frank kommen aus der Szene und haben bereits jahrelange Festival- und Markterfahrung. Die erste vegane Kneipe des Ruhrgebiets lockt mit Fastfood, typischer Eckkneipen-Atmosphäre und Musik. Die Bar ist jetzt schon im HappyCow Speiseführer und auf der Veganice Webseite zu finden, zwei Portalen für vegane Restaurants. akduell hat die Bar für euch unter die Lupe genommen.

Jahrelang tourten Steffi und Frank mit ihrem berühmten Imbisswagen „Eat Without Meat“ durch Deutschland und verköstigten Festivalbesucher mit veganem Fastfood. Nach etlichen Jahren haben sie nun ihre eigene Kneipe eröffnet. Von außen betrachtet erscheint die Breslauerstr. 86 wie eine alte Spelunke: verdunkelte Fenster, Holzoptik und ein großes Schild über dem Eingang. Auf den ersten Blick sticht die Bar somit nicht heraus, doch auf den zweiten fragt man sich dann: „Veganisierbar, bitte was?“ Doch der Name ist Programm, denn die Bar bietet neben einer Vielzahl an Getränken, wie dem Wasser der Initiative „Viva con Agua“, verschie- denen Bieren und Longdrinks, vor allem abwechslungsreiche vegane Speisen an.

In der Bar sind alle angebotenen Gerichte absolut frei von tierischen Produkten und auch in der Herstellung wurden keine tierischen Erzeugnisse eingesetzt oder Tieren Schaden zugefügt. Es werden nur Zutaten genutzt, welche das Label „Für vegane Ernährung geeignet“ erhalten haben. Vom Burger bis zum Döner Die Speisekarte ist mit zehn Angeboten zwar recht übersichtlich, doch bietet sie beinahe alle Fastfood-Klassiker: Verschiedene Burger, der Schimanski-Teller (Currywurst-Pommes), Hot Dog, Salat, Gulasch, Gyrosteller und ein Döner stehen zur Auswahl. Am Wochenende gesellt sich zu den Fastfood- Klassikern wöchentlich wechselnd ein hausgemachter Eintopf, natürlich vegan. Lediglich die Preise sind mit 3,50 für den Hot Dog bis 6,90 Euro für die Burgervariationen nicht für jede*n erschwinglich, doch insgesamt angenehm günstig für vegane Gerichte. Den Einträgen auf der Facebookseite der Bar nach zu urteilen, ist der Großteil der Gäste mehr als zufrieden mit dem Essen. So auch Rüya Bostan: „Das Essen war total lecker, vor allem waren wir echt satt danach.“ „Super lecker“ ist wohl der am häufigsten anzutreffende Ausdruck unter allen Bewertungen der Bar.

Burger überzeugt auch Fleischesser

Unser Selbstversuch ist ebenso gelungen: Fleischesser*innen werden beim Verzehr des Chilliburgers kein Fleisch vermissen. Im Gegenteil: Man wird begeistert sein, dass der Burger weder durchgeweicht noch fetttriefend ist und auch die selbstgemachte Sauce schmeckt erstaunlich gut. Selbst die vegane Mayonnaise zur Pommes lässt keinen Unterschied zur handelsüblichen Variante erkennen. Die Größe des Burgers und der Portion ist vollkommen sättigend. Wer sich sattgegessen hat oder eine kurze Pause vom Stauder, Astra oder Mate braucht, kann sich die Zeit mit Rockmusik, Brettspielen oder einem Kicker vertreiben – alles für umme.

Die Atmosphäre der urigen Kneipe wirkt wie ein Mix aus Ruhrpottcharme, Tierschutzaktivist*innen-Zentrum und alternativer Bar. In Zukunft planen Steffi und Frank zudem weitere Veranstaltungen: Gemeinsame Videoabende, unplugged Konzerte und Lesungen sollen das Angebot der Bar erweitern: „Wer unsere musikalischen Vorlieben kennt, wird wissen, in welche Richtung das gehen wird“, so die Inhaber*innen. Wirtschaftlichkeit holt jeden ein Die Veganisierbar ist auf den ersten Blick keine Bar wie jede andere, aber selbst hier muss die Kasse stimmen. Die Betreiber*innen der Bar haben bereits mehrere 450 Euro Thekenkräfte für den Betrieb gesucht. Das passt zwar nicht in die alternative Atmosphäre in die sich die Kneipe hüllt, ist aber in der aktuellen wirtschaftlichen Lage scheinbar nicht anders zu lösen.

Es muss nicht immer Dönninghaus sein

Ob sich die Bar in Frohnhausen halten wird, ist noch nicht absehbar. Im Stadtteil existiert bereits seit  Jahren ein weiteres Restaurant mit veganem Angebot. Ein gutes Zeichen, das man auch mit veganer Küche über die Runden kommen kann. Die Veganisierbar ist der Beweis dafür, dass zum Pils im Pott nicht unbedingt die Currywurst-Pommes von Dönninghaus gehört, sondern auch der Tierschutz beim Feiern und Essen eine Rolle spielen kann.