Naziladen Oseberg Rosa eingefärbt

Heute Mittag in der Essener Fußgängerzone: Am Oseberg versucht man, sauber zu machen (Fotograf*in der Red. bekannt)

Heute Mittag in der Essener Fußgängerzone: Am Oseberg versucht man, sauber zu machen (Fotograf*in der Red. bekannt)

Das Schaufenster des Bekleidungsgeschäfts Oseberg in der Essener Innenstadt, das ausschließlich Produkte der Neonazi-Marke Thor Steinar verkauft, ist in der vergangenen Nacht anscheinend von Antifaschist*innen mit rosa Farbe übergossen worden. Die Hintergründe sind derzeit noch unbekannt, aber seit Jahren wehren sich Essener*innen gegen das Geschäft, dessen Mietvertrag erst vor einigen Monaten verlängert wurde (akduell berichtete).

Anders als manche andere Marken, die auch in der Neonazi-Szene gerne getragen wurden oder werden, ist die Marke Thor Steinar von Neonazis explizit für die rechte Szene erfunden worden. Obwohl die Marke inzwischen auf dem Papier an einen in Dubai gemeldeten Investor verkauft worden ist, hat sich nichts daran geändert, dass Neonazis für die Firma arbeiten. Es ist davon auszugehen, dass weiterhin Teile der Gewinne in die Szene fließen.

Nach der Demonstration im September vergangenen Jahres war es wieder ruhig geworden um den Oseberg. Im Gründungsjahr 2009 war es Antifaschist*innen nicht nur gelungen, das Schaufenster deckend einzufärben, so dass sie längere Zeit durch eine Holzwand ersetzt wurde, einzelne waren auch mit einem Feuerlöscher in das Geschäft eingedrungen und hatten die angebotenen Kleidungsstücke mit Lackfarbe übergossen.

Obwohl die Stadt Essen seit Jahren versucht, die nördliche Innenstadt als Kreativ- und Universitätsviertel aufzuwerten, gelang es bisher nicht, den seit 2009 dort ansässigen Oseberg loszuwerden. Absurderweise liegt er mitten auf der von der Stadt Essen ausgerufenen „Respektmeile“, die von zwei Stellwänden begrenzt wird, auf denen zu lesen ist „Rassismus entsteht im Kopf – Offenheit auch“. Die Offenheit, mit der hier jahrelang auch Rassist*innen und Neofaschist*innen begegnet wird, gibt der Botschaft einen mehr als üblen Beigeschmack.