Nelkenrevolution blüht wieder auf

Graffiti von einer Nelke: Am 25. April jährt sich zum 40. mal die friedliche Revolution. (Foto: Denis Bocquet/ flickr.com, CC BY 2.0)

Graffiti von einer Nelke: Am 25. April jährt sich zum 40. mal die friedliche Revolution. (Foto: Denis Bocquet/ flickr.com, CC BY 2.0)

Am 25. April jährt sich zum 40. mal die portugiesische Nelkenrevolution. Auch heute noch nährt die Weigerung des portugiesischen Militärs, die Diktatur von Marcelo Caetano weiter abzusichern, die Hoffnung von emanzipatorischen Kräften in Portugal. Damals wie heute ist die Nelkenrevolution ein internationales Symbol für friedliche Proteste. In Zeiten von Troika und einer hohen Jugendarbeitslosigkeit lebt das Ideal von damals jetzt in Portugal wieder auf. Wir werfen für euch den Blick in die Geschichte.

Fast 50 Jahre regierte in Portugal eine diktatorische Militärjunta, die kritische Meinungsäußerungen und Gewerkschaften verbot, alljene verhaftete, die sich gegen die Regierung stellten und brutal die Befreiungsbewegungen in den Kolonien niederschießen ließ. Erste Risse im System entstanden damals durch eine Buchveröffentlichung des stellvertretenden Generalstabschefs António de Spínola. Dieser kritisierte in seinem Buch, „Portugal e o Futuro“, übersetzt „Portugal und die Zukunft“, die diktatorische Regierung. Er fordert diese auf, den Kampf gegen die Bevölkerungen der Kolonien einzustellen und das Recht auf Selbstbestimmung in den besetzten Gebieten zu gewährleisten.

Demonstratives Misstrauen

Diktator Caetano organisierte daraufhin ein Treffen höherer Militärs, dem der Dissident Spínola und Generalstabschef Francisco da Costa Gomes demonstrativ fernblieben. In der Folge wurden sie ihrer Ämter enthoben. Daraufhin hatten rund 300 untere Offiziere mit der Planung eines Putsches gegen die Regierung begonnen. Das Zeichen zum Start der landesweiten Aufstände war damals kurioserweise die Liebesballade „E depois du adeus“. Als der portugiesische Rundfunk das Lied am Abend des 24. April 1974 spielte, diente sie als Startsignal für die bewaffneten Offiziere. Daraufhin besetzten die demokratischen Kräfte zentrale Plätze in Lissabon und erklärten am Nachmittag des 25. Aprils die Diktatur für abgesetzt und die Einführung der Demokratie.

Auf dem Weg in die Innenstadt versammelten sich dann tausende friedliche Portugies*innen und verteilten rote Nelken an die Soldaten, das Symbol der sozialistischen Bewegung. In der Folge der Revolution wurde eine Amnestie für alle Fahnenflüchtigen erlassen, und die Kolonien wurden in die Freiheit entlassen. Alle Inhaftierten der Geheimpolizei wurden freigelassen, sowie der Aufbau eines Sozialsystems und eines umfassenden Gesundheitssystems beschlossen.

Höhepunkt der Nelkenrevolution war dann der 1. Mai, an dem über 100.000 Portugies*innen zum Lissabonner Sportstadion zogen, das seitdem Stadion des 1. Mai heißt. Dort bejubelten sie den gemeinsamen Einzug des Sozialdemokraten Mário Soares und des Vorsitzenden der Kommunist*innen Álvaro Cunhal. Mário Soares erklärte: „Hier und heute haben wir den Faschismus endgültig besiegt. Dieser Sieg ist der Sieg des Volkes.“

Symbol der Hoffnung

Zum diesjährigen 25. April rufen unter anderem die kommunistische Partei, der linkssozialistische Bloco Esquerda und die Sozialdemokratie zu Kundgebungen gegen die Krisenpolitik der herrschenden Konservativen in Portugal auf. „Die friedliche Revolution von 1974 ist ein Ansporn für eine neue Revolution gegen die herrschende neoliberale Politik, die die Bevölkerung in die Armut und Unfreiheit treibt“, sagt Fabian Figuerido, Mitglied im Parteivorstand des Bloco. „Eine Gesellschaft, in der immer mehr Menschen in Armut leben und nur die Reichsten reicher werden, braucht einen sozialen Wandel. Die Nelkenrevolution zeigt uns, dass es möglich ist.“ Figuerido spielt damit auf die Massenproteste gegen die aktuelle wirtschaftliche Situation an. So ist die Auswanderungsrate in Portugal die höchste seit Anfang der Siebziger Jahre und zeitgleich die höchste in der Europäischen Union.

Steigende Armut und Erwerbslosigkeit

Betroffen von der Krise und der Troikapolitik ist in Portugal vor allem die jüngere Bevölkerung, aus der auch der Großteil der Auswander*innen kommt. Denn zu Beginn der Krise hatte die Regierung Studiengebühren von 1.000 Euro für den Bachelor und über 2.000 Euro für den Master eingeführt. Für viele Jugendliche wurde es dadurch unmöglich zu studieren, da der Durchschnittslohn nur 700 bis 800 Euro beträgt und gleichzeitig die Erwerbslosigkeit der unter 26-jährigen bei über 40 Prozent liegt. Für viele von ihnen ist die Nelkenrevolution jetzt ein Symbol der Hoffnung, dass man die Gesellschaft ändern kann, auch wenn die Situation verzweifelt zu sein scheint. Deutlich macht sich das Aufleben der Revolutionsideale vor allem an Schulen, in Betrieben und an Universitäten, wo vermehrt Diskussionen über eine neue Revolution stattfinden und Graffitis mit roten Nelken zu sehen sind.