Nationalisten-Konzert oder Vertragsstrafe?

Der Sänger Marko Perkovic aka „Thompson“ und seine fünfköpfige Band sollen am 3. Mai in der städtischen Essener Eissporthalle vor bis zu 1.800 Gästen auftreten. Dass sich die Band nach einer Maschinenpistole benennt, mit der ihr Sänger im jugoslawischen Bürgerkrieg kämpfte, ist noch ein vergleichsweise kleines Problem: Sie haben sich europaweit einen Ruf erarbeitet – als nationalistische und faschistische Kombo.

Marko Perkovic aka „Thompson“ soll am 3. Mai in der Essener Eissporthalle auftreten.(Foto: Quahadi Añtó,/ wikicommons, 3.0)

Die FAZ nennt ihn den „Hass-Sänger“ und das Simon-Wiesenthal-Center zeigt sich besorgt, weil auf seinen Konzerten Faschismus und Rassismus glorifiziert würden.
Und tatsächlich eskalieren Auftritte der Band Thompson häufig zu einem Ausbruch faschistischer Ausrufe, werden regelrecht zu einer nationalistischen Demonstration. Gehuldigt wird durch T-Shirts, aber auch durch Skandieren der Parole „Za Dom – Spremni“ („Für die Heimat – Bereit“) der faschistischen Ustascha, die im Zweiten Weltkrieg mit den Deutschen kollaborierte und für den Tod hunderttausender Serb*innen, Jüd*innen, Roma und Oppositioneller verantwortlich ist. Der Hitlergruß wird auf Konzerten regelmäßig kollektiv gezeigt, wie das Simon-Wiesenthal-Center berichtet.
Auch die Texte der Lieder sind nationalistisch und verharmlosen begangene Verbrechen deutscher wie kroatischer Nazis, so auch in seinem Lied „Jasenovac i Gradiska Stara“, in dem Thompson das Vernichtungslager Jasenovac der kroatischen Ustascha verharmlost und mit einen Gruß an den Ustaschaführer Ante Pavelic endet. Seinen Durchbruch schaffte Marko Perkovic aka Thompson gar mit einem Lied, das mit dem kroatischen „Sieg Heil“ beginnt. Vor kurzem entdeckte man eine Liveaufnahme des Liedes „Evo zore, evo dana“ (Endlich Sonnenaufgang, endlich Tag), der inoffiziellen Hymne der Ustaschabewegung. Der Veranstalter eines Konzertes in Berlin, Jakov Kolak, findet nicht, dass sein Schützling Thompson ein Faschist sei. Ebenso sei der Gruß der Ustascha ein ganz normaler Gruß und nicht weiter erwähnenswert. Viele Fans des Sängers behaupten, diese Lieder seien Jugendsünden des Sängers gewesen und er würde jetzt nur noch patriotische Lieder spielen. Dass dem nicht so ist, zeigen Lieder wie „Der Einzug der Kroaten“, in dem er kryptisch die „Blut und Boden“-Ideologie besingt.
Sein erstes Konzert der Tour in der Berliner C-Halle musste nun aufgrund des öffentlichen Drucks abgesagt werden. Thompsons Manager erklärte gegenüber der kroatischen Tageszeitung „Vecernji List“, das Konzert hätte aufgrund des Drucks von Gegnern Kroatiens und des Kroatentums nicht stattgefunden. Vor allem „Jugokommunisten“ seien schuldig für das „Desaster“.
Nun soll die Band, die in der Schweiz ein Einreiseverbot hat und in den Niederlanden nicht auftreten darf, in der Essener Eissporthalle in Frohnhausen auftreten. Besonders problematisch: Die Halle ist in städtischem Besitz. Die Antifa Essen Z informierte bereits Ende März den Trägerverein der Eissporthalle. Dieser teilte in seiner Antwort mit, man habe alles versucht, um das Konzert abzusagen. Wegen hoher Vertragsstrafen, die laut Vorsitzendem des Trägervereins Trotzki bis zu 100.000 Euro betragen könne, gebe es aber keine Möglichkeit mehr, das Konzert ausfallen zu lassen.
Doch es ist nicht das erste Konzert des kroatischen Rechtsrockers in Essen: Bereits vor einigen Jahren spielte Marko Perkovic mit seiner Band in der Ruhrgebietsstadt. Diesen Auftritt nahmen die Verantwortlichen nun als Argument, um Thompson erneut eine Bühne zu geben. Damals hätte es keine „Probleme“ oder nationalistischer Gebaren während des Konzerts gegeben. Ein Helfer des ersten Konzerts erklärte jedoch gegenüber der akduell, dass das nicht stimmt. „Damals in Essen in der Eisporthalle, gab es entsprechende Lieder-Texte sowie T-Shirts mit Ustascha-Symbolen.“ Er erklärt weiter, dass der Hitlergruß gezeigt wurde.

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Die Eissporthalle Essen. (Foto: Moskitomaniac/ flickr.com, CC-BY-SA 2.0)

In Zukunft will der Trägerverein aber kein Konzert mehr mit „Thompson“ veranstalten. Die Antifa Essen Z ist froh über die Reaktion: „Die Versuche des Vereins, den Vertrag mit dem Konzertveranstalter aufzukündigen, begrüßen wir ausdrücklich“, so Tessa Kuijer, Pressesprecherin der Antifa Essen Z.

Auch der Bezirksbürgermeister von Essen-West, Klaus Persch, hat sich an Oberbürgermeister Paß gewandt, mit der ausdrücklichen Bitte, dieses Konzert abzusagen. Wolfgang Freye, Ratsherr der Linksfraktion in Essen, fordert, dass die Stadtspitze das Konzert absagt, auch wenn dadurch ein finanzieller Schaden entstände: „Mit dem Konzert würde man die große Akzeptanz von Faschisten und Nationalisten in Kroatien unterstützen. Das kann nicht im Sinne eines friedlichen Zusammenlebens sein.“

Pikant wird die Angelegenheit spätestens mit der Information, dass die Stadtspitze zu jeder Zeit die Möglichkeit hat, das Konzert abzublasen. Es würde zwar ein finanzieller Schaden entstehen, aber die Stadt würde sich zumindest an eigene Beschlüsse halten, nach denen sie Stadteigentum nicht an faschistische, rassistische oder nationalistische Organisationen verleihen und vermieten darf.

Über Unterstützung in Deutschland und Österreich kann sich die kroatische Nationalisten-Band derweil im extrem Rechten Lager erfreuen. Die „junge Freiheit“ schreibt 2002, Thompson sei ein „waschechter, junger Kroate“. Jörg Haider lud Sänger Marko Perkovic 2007 zu einem EM-Spiel der kroatischen Nationalmannschaft als Ehrengast ein.

Kroatien, das jüngste Mitglied der Europäischen Union, hat ein gewaltiges Problem: Noch immer werden in dem südosteuropäischen Land Verbrechen kroatischer Faschist*innen während des zweiten Weltkriegs geleugnet. Von vielen werden die Ustascha als Helden*innen glorifiziert. Kroatische Medien verteidigen Sänger wie Thompson und erklären, ihn als Faschisten zu bezeichnen sei nicht nur ein Schlag in das Gesicht des Sängers, sondern auch in das „aller kroatischen patriotischen Vaterlandsverteidiger der 90er.“, heißt es auf dnevno.hr. In seiner Heimat füllt der Rechtsrocker ganze Stadien mit mehreren zehntausend Besucher*innen.

Ein weiteres prominentes Beispiel ist Josip Simunic: Nach der erfolgreichen Qualifikation Kroatiens für die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien ging der Nationalspieler ans Mikrofon und skandierte „Za Dom“ („Für die Heimat“) und das ganze Stadion, mehrere zehntausend Zuschauer, antwortete schallend: „Spremni“ („Bereit“). Nach dem Spiel erklärte er gegenüber Journalist*innen, er findet nicht, dass er etwas Falsches getan habe und dass er das schon immer hätte tun wollen. Die FIFA sperrte Simunic für zehn Spiele.

Wie fest nationalistisches und faschistisches Gedankengut in der kroatischen Mehrheitsgesellschaft verankert ist, erkennt man auch an der Akzeptanz, die Thompson unter führenden Politiker*innen erfährt. So zählen die ehemaligen Minister Dragan Primorac, Gordan Jandrokovic und Darko Milinovic zu seinen Unterstützern. Auch der ehemalige kroatische Nationaltrainer Slaven Bilic erklärte, er spiele seiner Mannschaft Lieder von Thompson zur Aufmunterung vor dem Spiel vor.
Straßen werden nach „Verteidigern des Kroatentums“ benannt, auf Ebay oder in Online- shops kann man bedenkenlos Ante Pavelic-T-Shirts oder Hem- den mit dem Ustascha Logo kaufen. In Tageszeitungen versuchen Journalist*innen eine Synthese aus „Kroatentum und Europäischer Idee“ herzustellen und in Artikeln wird debattiert, ob der kroatische Führer während des Zweiten Weltkrieges ein Held war oder nicht. Der Nationalismus Kroatiens ist tief verwurzelt. Die Zeit der Ustascha wurde während der Zeit Jugoslawiens (1945 – 1991) nie aufgearbeitet und seit der Unabhängigkeit erfahren die Nazi-Kollaborateure große Verehrung und wurden stückweise rehabilitiert.[DanKe/Fra]