Neonschwarz im akduell-Interview

Sie sind zwar nicht der Headliner des Campusfests, aber für viele Fans der Höhepunkt: Neonschwarz haben seit ihrem Hit „On a Journey“ aus dem Jahr 2012 gezeigt, dass sie nicht nur ein One-Hit-Wonder sind. akduell hat sie zu Tourplänen, Sexismus in der Hiphop-Szene und ihrem Verhältnis zum Ruhrgebiet befragt. Das Interview führte Alex Grossert. (Foto: Till Glaeser)

Sie sind zwar nicht der Headliner des Campusfests, aber für viele Fans der Höhepunkt: Neonschwarz haben
seit ihrem Hit „On a Journey“ aus dem Jahr 2012 gezeigt, dass sie nicht nur ein One-Hit-Wonder sind. akduell
hat sie zu Tourplänen, Sexismus in der Hiphop-Szene und ihrem Verhältnis zum Ruhrgebiet befragt. Das Interview
führte Alex Grossert. (Foto: Till Glaeser)

akduell: Der Festivalsommer fängt gerade ganz langsam an, aber in einem Monat werden wir schon mittendrin sein. Wie sind eure Pläne für den Sommer? Spielt ihr viele Konzerte? Auf welche Bühne freut ihr euch besonders? Geht ihr auch noch als Gäste auf Festivals, oder habt ihr da keine Zeit für dieses Jahr?

Neonschwarz: Wir spielen außer auf dem Campus-Open-Air in Essen auch noch auf dem Dockville Festival in Hamburg, auf dem Wilwarin, auf zwei Festivals in Österreich und noch ein paar anderen. Teilweise werden wir auf jeden Fall Auftritt und Festivalbesuch verbinden. Irgendein Festival außerhalb der Auftritte planen wir aber auf jeden Fall auch ein – tiefenentspannt ohne eigenen Auftritt mit Freunden feiern zu gehen, ist schon nochmal was anderes. Ganz besonders freuen wir uns natürlich auf den Auftritt in Essen <3.

akduell: Wie entstehen eure Songs? Eher jeder für sich oder gemeinsam? Eher zwischendurch in ner stressigen Zeit, oder hinterher, wenn man alles sacken lässt?

Neonschwarz: Meist kommt jemand mit einer Themenidee, einer Hook oder einer Strophe, dann beschnacken wir die und fangen parallel an weiter zu schreiben. Später setzen wir uns wieder zusammen und gucken, ob wir an einzelnen Stellen noch feilen. Jeder schreibt also seine eigenen Texte, aber wir sprechen uns immer wieder ab, wohin die Reise führen soll. Natürlich braucht man zum Schreiben ein bisschen Zeit und Ruhe, das passiert nicht zwischen Tür und Angel. Ideen für einzelne Zeilen, Reime, Themen kommen aber oft gerade dann, wenn viel passiert und viele Eindrücke gesammelt werden. Da ist es gut, was zu Schreiben dabei zu haben, damit nichts verloren geht.

akduell: Wie wichtig sind politische Texte für Neonschwarz. Was sind eigentlich politische Texte und gibt es sowas überhaupt? Welche aktuellen politischen Debatten, Themen oder Konflikte interessieren euch am Meisten?

Neonschwarz: Wir haben immer wieder Songs mit politischen Inhalten, weil wir uns auch privat viel damit beschäftigen. Wir wollen uns aber nicht beschränken und es muss nicht immer Politik sein, das wäre ja auch irgendwie langweilig. Wir setzen uns mit vielen politischen Themen auseinander, aber der Umgang mit Flüchtlingen in Deutschland, gerade auch in Hamburg, beschäftigt uns gerade besonders. Das ist schon sehr ekelhaft und wir wollen das nicht hinnehmen. Demonstrationen und Anschläge auf Flüchtlingsheime haben in den letzten Jahren wieder extrem zugenommen. Das ist eine beängstigende Entwicklung.

akduell: Wie geht ihr mit der Hiphop-Szene und ihrem Männlichkeitswahn um? Warum sind (hetero)sexistische Zeilen hier verbreiteter als bei anderen Musikrichtungen oder ist das gar nicht so? Gibt es Acts, mit denen ihr aus solchen Gründen keine Bühne teilen würdet?

Neonschwarz: In der so genannten HipHop-Szene sind heterosexistische Inhalte auf jeden Fall leider sehr verbreitet. Das war nicht immer so, hat sich aber sehr stark durchgesetzt. In dem Sinne ist HipHop da aber auch nur ein Teil der Gesellschaft. Ob beim Fußball, in der Kneipe oder vor dem Fernseher zu Hause… Beunruhigend ist es natürlich, dass Rapper mit ihren Inhalten heute einen großen Einfluss auf die Jugendlichen haben. Dennoch halten wir es für falsch, sich als emanzipatorische, kritische Band von der gesamten Szene zu distanzieren. Wo soll das hinführen? Einige Sachen gehen gar nicht und wir würden auch mit so manchem Act ungern eine Bühne teilen, aber politische Inhalte und einen anderen Blick auf Geschlechter, Stereotype und Vourteile in die HipHop Welt zu bringen, kann ja auch reizvoll sein. Sicherlich können wir da aber nur punktuell Erfolge feiern.

akduell: Der Rapper Fler hat kürzlich die NPD verklagt, weil die Neonazi-Partei mit einem Fler-Zitat über Nationalstolz geworben hatte. Findet ihr, die NPD hat ihn falsch verstanden?

Neonschwarz: Fler muss sich überhaupt nicht wundern. Wer mit solchen dummen, nationalistischen Inhalten kokettiert, wird natürlich gerne von der NPD als Brücke in den jugendkulturellen Mainstream genutzt. Das was Fler da macht, halten wir für gefährlich und hoffen, dass er damit schön auf die Klappe fällt.

akduell: Hat wer von euch eine Beziehung zum Ruhrgebiet? Tretet ihr hier gerne auf ? Habt ihr Kontakt zu Szenen und Menschen hier?

Neonschwarz: Wir haben ein paar Freunde im Ruhrgebiet, teilweise auch Verwandtschaft. Aber was Auftritte angeht, haben wir die Gegend bisher schändlichst vernachlässigt. Warum eigentlich? Wir interessieren uns auch für Graffiti und da ist im Ruhrgebiet ja schon seit den 90ern extrem viel los. Wir kennen da den einen oder anderen, aber eine richtig gute Connection gibt es bis jetzt nicht. Obwohl wir schon in sehr vielen Städten in Deutschland gespielt haben, ist diese Gegend tatsächliche komischerweise ein bisschen Neuland für uns. Aber dieses „roughe, dreckige“, was beim Thema Ruhrgebiet immer mitschwingt, könnte uns schon gefallen. =) Wir sind sehr gespannt und hoffen, ein paar nette Menschen kennenzulernen.