Rassismus im Sport: Wir sind alle Affen!

Die Banane als ursprünglich rassistische Bleidigung wird zum Zeichen gegen Rassismus. (Foto: ttm)

Die Banane als ursprünglich rassistische Bleidigung wird zum Zeichen gegen Rassismus. (Foto: ttm)

In den vergangenen Tagen wurde die Sportwelt ein weiteres Mal von verschiedenen rassistischen Beleidigungen erschüttert. Im Fußball wie auch im Basketball ereigneten sich kürzlich Vorfälle, die einerseits großes Entsetzen auslösten, andererseits aber auch zu einer Welle der Solidarität führten.

Ende April löste der brasilianische Nationalspieler und Abwehrspieler des FC Barcelona Dani Alves mit seiner Reaktion auf eine rassistische Beleidigung eine weltweite Aktion in sozialen Netzwerken aus. Beim Auswärtsspiel gegen Villareal wird der 31-jährige vor der Ausübung einer Ecke mit einer Banane beworfen. Anstatt die rassistische Aktion zu ignorieren, kontert er mit Humor und hebt die Banane auf, schält sie, steckt sich ein dickes Stück in den Mund und führt die Ecke Banane essend und mit aller Lockerheit aus. Auf Twitter postet er: „I don‘t know who threw the banana, but I‘d want to thank him. It gave me energy to give 2 more crosses that ended up in goal.“

Alles nur PR?

In den Medien und sozialen Netzwerken wird Alves spontane und innovative Reaktion gefeiert. Kürzlich stellte sich allerdings heraus: Ganz so spontan war die Reaktion tatsächlich dann doch nicht. Immer wieder haben dunkelhäutige Sportler*innen in ihrem Beruf mit Rassismus zu kämpfen. Auch Alves und sein Teamkollege Neymar hatten mit Bananen, die auf dem Spielfeld landeten, und Affenlauten aus dem Publikum bereits Erfahrungen gemacht.

Abfinden wollten sie sich mit der Tatsache, dass Rassismus leider viel zu oft Eintritt in die Fußballstadien erhält, aber keinesfalls. Während eines Spiels gegen Espanyol Barcelona Ende März waren erneut Bananen geworfen worden. Neymar wendete sich daraufhin an die PR-Agentur Loducca, mit der er gemeinsam die Reaktion plante, die bald um die Welt gehen sollte: Wenn noch mal eine Banane auf dem Spielfeld landen sollte, würde er sie aufheben und essen. Danach sollte diese Reaktion in sozialen Netzwerken verbreitet und das rassistische Zeichen als ein Zeichen gegen Rassismus benutzt werden. Auch Alves war in den Plan eingeweiht und setzte diesen bei der nächsten Gelegenheit prompt um.

#WirSindAlleAffen

Neymar veröffentlichte darauf ein Foto von sich und seinem Sohn – Banane essend und unter dem Hashtag #somostodosmacacos – auf Deutsch: wir sind alle Affen. Mittlerweile hat dieses Foto auf Facebook über eine Millionen Likes und wurde über 60.000 Mal geteilt. Auch immer mehr User*innen – ob prominent oder nicht – machen es ihm auf Facebook und Twitter nach und posten Fotos von sich, auf denen sie eine Banane verputzen und damit ein Statement gegen Rassismus setzen wollen. Auch wenn es von einigen Seiten nun Kritik für die doch nicht ganz so spontane Reaktion von Alves hagelt, sie bleibt ein Statement gegen Rassismus.

Der Fan, der Alves mit der Banane beworfen hatte, wurde bereits identifiziert. Dem Spanier wurde von Villareal ein lebenslanges Stadionverbot auferlegt. Außerdem droht dem 26-jährigen eine Haftstrafe. Überraschenderweise setzt sich nun ausgerechnet Alves für den Bananenwerfer ein. In einem Interview mit dem brasilianischen TV-Sender Globo hatte Alves für eine milde Strafe für den Fan plädiert. Er halte nichts davon, „Bösem mit Bösem“ zu vergelten, so der Fußballer. Auch die beste Basketballliga der Welt bleibt von rassistischen Äußerungen nicht verschont. In den vergangenen Tagen war Donald Sterling, der Eigentümer des NBA Teams LA Clippers, Hauptfigur eines Rassismus-Skandals.

Rassismus-Skandal in der NBA

Austragungsort der Rassismus-Debatte: Das Staples Center in Los Ange- les, Stadion der Clippers. Foto: Christopher Chan (CC BY-NC-ND 2.0)

Austragungsort der Rassismus-Debatte: Das Staples Center in Los Angeles, Stadion der Clippers. (Foto: Christopher Chan (CC BY-NC-ND 2.0)

Der Auslöser des Skandals war ein etwa zehnminütiges Telefongespräch mit seiner Freundin Vanessa Stiviano. Darin wird Sterlings rassistische Einstellung mehr als deutlich: Er wirft seiner Freundin vor, sich mit schwarzen Menschen privat und in der Öffentlichkeit zu zeigen, sich mit ihnen fotografieren zu lassen und diese auch noch zu Spielen seines Teams mitzubringen. Gemeint war damit ein auf der Fotoplattform Instagram gepostetes Bild, auf dem Stiviano mit der Baskebtall-Legende Earvin „Magic“ Johnson zu sehen ist.

Dumm nur für Sterling, dass Stiviano das Gespräch nicht nur aufzeichnete, sondern die Aufnahme auch an das Klatschmagazin TMZ verkaufte, welches alle Welt über die rassistische Einstellung des Clubbesitzers in Kenntnis setzte. Sterling wusste zudem offenbar nicht, dass seine eigene Freundin zur Hälfte Mexikanerin und zur Hälfte Afroamerikanerin ist. Auch sein Team besteht mehrheitlich aus afroamerikanischen Spielern, wie es in der ganzen Liga häufig der Fall ist. In sozialen Netzwerken und von Basketballfans wird Sterling deshalb auch die Mentalität eines Plantagenbesitzers aus Zeiten der Sklaverei nachgesagt. Viele Basketballer und Prominente, wie Michael Jordan, Magic Johnson und auch Präsident Obama reagierten mit Entsetzen auf die Äußerungen Sterlings und forderten ein schnelles und angemessenes Handeln von NBA- Commissioner Adam Silver.

Mit Michael Jordan äußerte sich nicht nur ein ehemaliger Spieler, son- dern auch ein Clubbesitzer. Als einziger schwarzer Eigentümer eines NBA-Teams, den Charlotte Bobcats, äußerte sich dieser zudem umgehend nach Bekanntwerden von Sterlings Äußerungen. Auf einer Pressekonferenz nennt NBA-Commissioner Silver Sterlings Äußerungen „tief beleidigend und verletzend“. Auch der Sportmoderator und ehemalige Basketballer Frank Buschmann äußerte sich zum Vorfall: „Rassismus hat in der NBA nichts zu suchen, Rassismus hat nirgendwo etwas zu suchen. Donald Sterling hat sehr viel Geld, für mich aber ist er ein armer Mann. Mit Verlaub, Donald Sterling ist ein Idiot!“, so Buschmann in einem Kommentar auf ntv.de.

Auf Lebenszeit verbannt

Nach Untersuchungen zur Echtheit der Tonaufnahmen wurde Sterling umgehend von jeglichen Anliegen der Clippers sowie der NBA auf Lebenszeit verbannt. Die Liga erlegte ihm zudem eine Geldstrafe von 2,5 Millionen Dollar auf und will ihn zum Verkauf des Teams zwingen. Als Käufer stehen mittlerweile verschiedene Interessenten zur Debatte. So sei eine Gruppe um Oprah Winfrey sowie Magic Johnson nicht abgeneigt den Club aus Los Angeles demnächst zu übernehmen

Das Team selbst hat soeben die erste Runde der Playoffs erfolgreich überstanden. Bei vierten Spiel gegen die Golden State Warriors gönnten sich die Clippers- Spieler einen Moment für einen stummen Protest und zogen demonstrativ ihre Aufwärmshirts mit dem Clippers-Logo aus und schmissen diese auf den Hallenboden. Vom Publikum erhielten sie dafür lautstarke Unterstützung und Standing Ovations. Coach Doc Rivers versicherte der Presse, dass der Vorfall intern im Team besprochen wurde. Alle Spieler – egal ob schwarz oder weiß – seien demnach aufgebracht, sich aber auch einig, sich weiterhin und gemeinsam auf die Playoffs und das Ziel NBA-Champion konzentrieren zu wollen.