UA Ruhr: Studieren (nicht) leicht gemacht

Ob Duisburg-Essen, Dortmund oder Bochum: Mit der UA Ruhr ist das Studieren an den anderen Hochschulen auch möglich. In der Praxis hapert es aber noch an einigen Stellen. (Foto Mitte: macfred64/flickr.com, CC BY-NC 2.0, Collage: ttm)

Ob Duisburg-Essen, Dortmund oder Bochum: Mit der UA Ruhr ist das Studieren an den anderen Hochschulen auch möglich. In der Praxis hapert es aber noch an einigen Stellen. (Foto Mitte: macfred64/flickr.com, CC BY-NC 2.0, Collage: ttm)

2007 gründeten die Universität Duisburg-Essen, die Ruhr-Uni Bochum sowie die TU Dortmund eine Kooperation unter dem Namen Universitätsallianz Metropole Ruhr (UAMR), um wissenschaftliche Forschung und Lehre innerhalb des Ruhrgebiets besser vernetzen zu können. Im April entschied die Allianz, ihren Namen kürzer und „griffiger“ zu gestalten, wie es auf der Homepage heißt. Mit dem neuen Namen „Universitätsallianz Ruhr“ (UA Ruhr) ist die Metropole verschwunden, viele Probleme aber sind geblieben.

Zu jedem neuen Semester geht die Kurslotterie von vorne los. Nicht jeder kann sich dann zu den Glücklichen zählen, die ihre Wunschkurse ergattert haben. Aufgrund der 2007 gegründeten Universitätsallianz zwischen den Ruhrgebietsuniversitäten in Duisburg-Essen, Bochum und Dortmund haben Studierende dieser Universitäten allerdings die Chance, auch Kurse an den beiden Partnerunis belegen zu können. Zumindest theoretisch. Dass das für Studierende aber gar nicht immer so einfach ist, hat Politikwissenschaftsstudent Felix erst kürzlich gemerkt.

Im Rahmen einer Veranstaltung an der Ruhr-Universität Bochum hat er von einer Vorlesung eines renommierten Politikwissenschaftlers erfahren und gehofft, diese belegen und sich seine Studienleistung im Ergänzungsbereich anrechnen lassen zu können. „Von der Kooperation zwischen den Unis wusste ich bereits aufgrund der Zusammenarbeit der jeweiligen Bibliotheken. Die funktioniert reibungslos“, so Felix. Eine solche Zusammenarbeit erhoffte er sich deshalb auch im Bereich des Kursangebots. Hier stieß er aber zunächst auf einige Hürden. Das für den Ergänzungsbereich zuständige Institut für Optionale Studien (IOS) konnte ihm nur wenig weiterhelfen und verwies ihn an seinen eigenen Studienberater. „Am Ende wusste keiner Bescheid und keiner fühlte sich zuständig“, so Felix. Viel mehr noch: „Meine Beratung beim IOS hat direkt durchblicken lassen, dass das Verfahren so kompliziert sei, dass ich mir keine großen Hoffnungen machen bräuchte“, so der Politikwissenschaftsstudent weiter.

Drei Creditpoints für bürokratische Hürden

Die Hürden, auf die viele Studierende treffen, sind hauptsächlich bürokratischer Natur. Studierende müssen dabei so ziemlich alles im Alleingang regeln und sich an den beteiligten Stellen Formulare und Anerkennungen unterzeichnen lassen. Da eine Anmeldung zu Kursen an anderen Universitäten über die internen Systeme nicht möglich ist, heißt es zunächst einmal persönlich mit den jeweiligen Dozent*innen Kontakt aufzunehmen. Wenn diese die Erlaubnis zur Teilnahme am Kurs gegeben ist, muss schließlich noch mit den Beauftragten und Berater*innen der eigenen Fakultät und des Studiengangs abgesprochen werden, ob der gewünschte Kurs auch anerkannt wird. Dafür wird wiederum ein Formular der UA Ruhr benötigt, um den Antrag auf Zulassung zur jeweiligen Veranstaltung zu stellen. Wer für die Zulassung verantwortlich ist – ob Dozent, Prüfungsamt oder Prüfungsausschuss – unterscheidet sich zudem von Hochschule zu Hochschule. Wer hier noch mitkommt und weitermachen will, hat sich eigentlich schon automatisch mindestens drei Creditpoints verdient.

Erst im Januar dieses Jahres haben alle Prorektor*innen für Studium, Lehre und Forschung der drei Hochschulen neuen Vereinbarungen zugestimmt, die das Studieren und Forschen an den Partneruniversitäten erleichtern sollten. Darin ist festgehalten, dass mindestens drei Plätze in jedem Kurs über die UA Ruhr vergeben werden sollen. Ob das in der Praxis auch umgesetzt werden kann, erscheint doch recht schwierig im Hinblick auf die überfüllten Kurse in jedem Semester. An der UDE ist das Vorlesungsverzeichnis für Studierende anderer Universitäten zudem erst einsehbar, wenn das jeweilige Semester bereits begonnen hat. In Fächern mit Anmeldepflicht sind viele Kurse dann bereits so voll, dass Dozent*innen nur selten noch weitere Studierende aufnehmen.

Neue Vereinbarungen sollten alles einfacher machen

Außerdem sollen vergleichbare oder ähnliche Prüfungsleistungen ohne Probleme anerkannt werden. Ob diese vergleichbar sind, entscheiden letztlich die Prüfungsbeauftragten der eigenen Universität, oder das IOS in den Bereichen E1 und E3. Häufig liegt hier die nächste Hürde, an der Studierende scheitern könnten: Professor*innen und Prüfungsbeauftragte versuchen zu verhindern, dass Studierende zu anderen Universitäten flüchten, an denen die Scheine leichter zu erwerben sind. Beim AStA der UDE sind deshalb bereits Beschwerden eingegangen, da einigen Lehramtsstudierenden die in Bochum erbrachten Prüfungsleistungen nicht anerkannt wurden.

„Viele Studiengänge sind sehr unterschiedlich gestrickt“

Aber auch im Bereich Optionale Studien scheint nicht alles so übersichtlich, wie es von der UA Ruhr gerne darstellt wird. „Viele Studiengänge sind sehr unterschiedlich gestrickt, nicht alle E- Bereiche sind frei wählbar“ so Sabine Dittrich vom IOS. Juristisch zuständig bleibe in dieser Angelegenheit zudem der Prüfungsausschuss. „Auch nicht alle Fakultäten wollen sich vom IOS vertreten lassen“, so Dittrich weiter. So müssten sich Studis für die Anerkennung ihrer Leistungen der Fächer Wirtschaftswissenschaften, International Studies in Engineering und Politikwissenschaften nicht an das IOS, sondern je nach Fach an verschiedene Stellen wenden. Vielen ist das nicht klar.

Felix kann sich die Vorlesung in Bochum schließlich doch für sein Studium anrechnen lassen. Ob er diese im kommenden Semester aber auch tatsächlich besuchen kann, stellt sich erst heraus, wenn auch das Vorlesungsverzeichnis der UDE online freigeschaltet ist. „Dann kann es natürlich immer noch passieren, dass ich genau dann eine Pflichtveranstaltung belegen muss und die Vorlesung in Bochum doch nicht besuchen kann“, so Felix.