Interview mit einem Grafen

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Pro und Contra: Die Partei stach schon im Europawahlkampf heraus. akduell- Redakteur Felix Rauls hat mit Olaf Schlösser, Graf von Kronenberg, dem Vorsitzenden der Partei Die Partei Dortmund gesprochen. (Abb.: Die Partei Dortmund)

Er ist Politiker. Sein vollständiger Name lautet Prof. h.c. Dr. h.c. Olaf Schlösser, Graf von Kronenberg. Aktiv ist er nicht bei CSU oder FDP, sondern in der Partei Die Partei in Dortmund. Er wird vermutlich für einen Monat in das Europarlament einziehen. Jedenfalls, wenn der Plan von Parteichef Martin Sonneborn aufgeht, die europäischen Institutionen bestmöglich zu melken. akduell sprach mit dem Grafen über seine Pläne in Brüssel, über die Funktion von Satire und über den Nazi-Überfall auf die Wahlparty am Wahlabend.

akduell: Ein Graf in einer anderen Partei als der FDP – wie kommt‘s?

Olaf Schlösser: In unserem Dortmunder Kreisverband sind wir sogar zwei Grafen. Spätestens seit Guttenberg wissen wir, dass der Wähler es besonders gern hat, wenn er von Leuten regiert wird, die die Autorität noch im Namen haben. Auch wenn es keine Monarchie mehr gibt, und ein Doktor einfach nur ein akademischer Bildungsgrad ist und kein Halbgott in Weiß. Nicht umsonst versuchen Politiker und Politikerinnen der sogenannten Volksparteien sich ihre Titel oft unlauter anzueignen. Ich jedoch stehe dazu, meine Titel alle selbst im Internet gekauft oder gegen eine Spende erworben zu haben.

akduell: In Dortmund habt ihr 0,1 Prozent bei den Wahlen zum Stadtrat geholt. Gutes Ergebnis oder Luft nach oben? Wie sieht euer politisches Programm für Dortmund aus?

Olaf Schlösser: Unser Ziel war es, 100% plus X zu erreichen. Das X haben wir geschafft. Die 100 Prozent sind unser großes Ziel bei der nächsten Kommunalwahl. Wir waren aus Gründen nicht besonders breit aufgestellt und in einem Wahlkreis stand unser eigentlich zugelassener Kandidat nicht auf dem Stimmzettel. Das war ganz klar auch eine Panne des Wahlbüros, das nun bei uns zu Kreuze kriechen und sich entschuldigen muss. Aktuell überlegen wir noch, ob wir die Kommunalwahl platzen lassen und eine Neuwahl erwirken werden. Wir haben einen 5-Punkte-Plan erarbeitet, der die Interessen der Dortmunder Bürgerinnen und Bürgerinnen ernst nimmt und sie da abholt, wo sie stehen. So wollen wir den U-Turm zur Brauerei zurückbauen, den Problemstadtteil Dorstfeld rosa anstreichen und befrieden, Justin Bieber ein Stadtverbot erteilen um die Jugendkriminalität einzudämmen und den Flughafen ausbauen, damit Berlinreisende von Dortmund aus schnell mit der Bahn nach Berlin fahren können. Außerdem wollen wir Dortmund wieder zu einer Hansestadt machen und damit an die alte wirtschaftliche Stärke der westfälischen Metropole anknüpfen.

akduell: Am Wahlabend gab es einen Angriff von Nazis auf die Wahlparty im Dortmunder Rathaus. Hast du das mitbekommen?

Olaf Schlösser: Ja, leider. Wir waren direkt vor Ort. Traditionell lassen wir es uns nicht nehmen, uns von den Fraktionen des Stadtrates bewirten zu lassen und waren somit im Rathaus anwesend. Die Neonazis von „Die Rechte“ haben versucht, sich Zutritt zur Wahlparty zu verschaffen. Das mit dem Zutritt müssen sie irgendwie falsch verstanden haben. Sie haben mit Flaschen, Tritten, Faustschlägen und Reizgas diejenigen malträtiert, die ihnen an der Tür den Weg versperrt haben. So ziemlich alle Parteien haben sich solidarisiert, selbst die FDP stand den Nazis gegenüber und hat ihr Banner hochgehalten. Gefehlt haben allerdings die neuen Stadtratmitglieder der AfD, wahrscheinlich haben sie noch überlegt, auf welcher Seite sie sich positionieren, und die CDU. Als wir die CDU gebeten haben, mit vor die Tür zu kommen, zeigten sie kein Interesse und meinten, man solle die Nazis doch einfach ignorieren, dann regle sich das schon. Wir haben dann kurz überlegt, ob wir die Rechten nicht doch hineinbitten und direkt in den Fraktionsraum der CDU zu Bier und Brezel einladen. Aber wir konnten das aus humanistischen Grün- den dann doch nicht verantworten.

akduell: Martin Sonneborn hat angekündigt, dass der eine Sitz im Europaparlament, den ihr euch ergattert habt, geteilt wird: Jede*r auf der Liste wird nach einem Monat zurücktreten. Zieht ihr das durch?

Olaf Schlösser: Sofern es möglich ist, ja. Wir treffen aber auf immer mehr Widerstand der etablierten Spaßparteien, die nun zu Recht befürchten, dass ihr Plan, mehrheitlich an die Fleischtöpfe des EU-Parlaments zu kommen, auffliegt. Uns wird vorgeworfen, wir seien nicht demokratisch. Dabei ist es Demokratie pur, wenn wir so viele PARTEI-Mitglieder wie möglich an den Entscheidungen und Sitzungen des EU-Parlaments teilhaben lassen. Wir hätten ja gerne alle 60 Listenkandidaten gleichzeitig in das Parlament geholt. Da wir aber nur ein Mandat bekommen haben, muss die Rotation das regeln.

akduell: Auch du bist auf der Liste. Was wirst du in dem Monat im Europaparlament unternehmen?

Olaf Schlösser: Mein persönliches Ziel ist es, in die Gremien reinzukommen, die thematisch von den rechten Parteien besetzt sind. Zum Beispiel möchte Marine Le Pen mit Putin ein Europa nach alten christlichen Werten und Traditionen formen. Gerne weise ich sie darauf hin, wo ihr Platz ist und ob sie nicht lieber ihren Mann schicken möchte. Es geht ja um Politik und nicht um Kindererziehung oder Backrezepte. Falls das nicht möglich ist, werde ich mich nach bestem Wissen und Gewissen für ein sozialeres Europa einsetzen.

akduell: Apropos: DIE PARTEI im Parlament – kann Satire Politik aufs Korn nehmen, wenn sie selbst Teil derer ist?

Olaf Schlösser: Satire ist meiner Meinung nach fast immer politisch. Den Finger auf die Wunden der Missstände zu legen ist eine ihrer Hauptaufgaben und Anliegen. Wenn wir in die Zentren der Macht kommen, spricht das für unsere Professionalität. Aber leider spricht es nicht für die Realpolitik. Unsere Aktionen und Aussagen sind ja nur die Rückkopplung dessen, was tatsächlich in den Parlamenten und Parteien passiert und wie es wahrgenommen wird. Eigentlich sind wir ein Teil der politischen Bildung. Wenn wir dem Wähler helfen, die inhaltslosen und populistischen Aussagen zu erkennen und sie dies in ihre Wahlentscheidung mit einfließen lassen, müssen sich die anderen Parteien vielleicht mal mehr anstrengen die Bürger zu überzeugen. Eigentlich lautet doch die Frage, wie satirisch ist Politik?