Wenn die CDU-Trolle kommen

Troll-Alarm: CDU-Politiker aus dem gesamten Bundesgebiet lassen sich vom RCDS Duisburg-Essen für eine Kampagne gegen unsere Redaktion einspannen. (Foto: Âtin/flickr.com, CC BY 2.0)

Troll-Alarm: CDU-Politiker aus dem gesamten Bundesgebiet lassen sich vom RCDS Duisburg-Essen für eine Kampagne gegen unsere Redaktion einspannen. (Foto: Âtin/flickr.com, CC BY 2.0)

Es ist Wahlkampf an der Universität Duisburg-Essen. Noch bis Freitag wird hier das Studierendenparlament gewählt. Gegen die Grüne Hochschulgruppe und die Linke Liste, die derzeit den AStA stellen, tritt unter anderem der CDU-Hochschulableger RCDS an. Als zentrales Wahlkampfthema haben sich die konservativen Studierenden die vom AStA herausgegebene Wochenzeitung akduell ausgesucht – also uns. Dabei kämpfen die Uni-Konservativen längst nicht nur mit fairen Mitteln: Sie haben eine Internet-Trollkampagne gegen unsere Redaktion gestartet. Was eine Ruhrgebiets-Provinzposse sein könnte, hat inzwischen überregionale Bedeutung erhalten: An der Trollaktion beteiligen sich nämlich RCDS- und CDU-Politiker*innen aus dem gesamten Bundesgebiet – unter anderem auch Martin Röckert, Mitglied im CDU-Bundesvorstand.

Doch erzählen wir die Geschichte von Anfang an. Seit einigen Tagen häufen sich auf unserer Facebook-Seite negative Rezensionen mit stark abwertendem Inhalt. Das ist auffällig, denn bisher hielt sich die Zahl der negativen Rezensionen in Grenzen: Ein Neonazi der militanten Fascho-Partei „Die Rechte“, einige Anhänger*innen der „Montagsmahnwachen“, über die wir in einem Hintergrundartikel und mit einem Video kritisch berichtet hatten – ansonsten war es diesbezüglich verhältnismäßig ruhig. Doch auf einmal, mitten im Wahlkampf, tauchen solche Bewertungen auf:

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Woher kommt die Wut des RCDS auf unsere Publikation? Möglicherweise hat das auch damit zu tun, dass in unserer Zeitung wiederholt Rechercheartikel zur Aufarbeitung der Skandale erschienen sind, die der RCDS mitverantwortet hat, als er in Duisburg-Essen am AStA beteiligt war. (Siehe z.B. hier, hier und hier.) Bis heute ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen damalige AStA-Mitglieder. Auch in anderen Zusammenhängen war der RCDS schon einmal Thema dieser Zeitung.

Dass der lokale RCDS es für sinnvoll hält, die Facebook-Bewertungsfunktion zur konzertierten Stimmungsmache gegen eine kritische Zeitung zu nutzen, ist die eine Sache. Was allerdings dann folgte, hat uns um so mehr überrascht: Innerhalb kürzester Zeit trudelten eine Reihe weiterer Negativbewertungen aus Regionen ein, die keineswegs zum Hauptverbreitungsgebiet unserer Zeitung gehören: Bamberg, Berlin, Dresden, Jena, Mainz, Wuppertal – hat unser regionales Zeitungsprojekt plötzlich eine bundesweite Leser*innenschaft erreicht?

Wahrscheinlich nicht. Leicht lässt sich nämlich feststellen, dass es sich bei den Autoren der Negativ-Rezensionen allesamt um Politiker aus den Reihen von RCDS, CDU und der Jungen Union handelt. Es ist davon auszugehen, dass sie, so weit vom Ruhrgebiet entfernt, nicht zu den regelmäßigen akduell-Leser*innen gehören. Daher liegt die Vermutung nahe, dass sie sich vom Duisburg-Essener RCDS für eine Internet-Trollaktion gegen unsere Zeitung haben einspannen lassen.

Besonders pikant: Unter den Internet-Trollen befinden sich durchaus auch Funktionäre, etwa der stellvertretetende Landesvorsitzende des RCDS Sachsen-Anhalt Steffen Börner sowie Martin Röckert, seines Zeichens CDU-Bundesvorstandsmitglied und RCDS-Bundesvorsitzender.

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Angesichts dessen muss sich die CDU fragen lassen, ob sie Internet-Trollereien von der Bundesebene gegen lokale kritische Medien tatsächlich für einen sinnvollen Politikansatz hält.

Was den hiesigen RCDS angeht, ist die Facebook-Trollkampagne übrigens nicht der einzige Fehltritt, den er sich im derzeitigen Wahlkampf erlaubt hat. Außerdem verbreitet die CDU-nahe Hochschulgruppe falsche Unterstellungen gegen die akduell-Redaktion sowie gegen die von den Fachschaften und vom Studierendenparlament getragene Auswahlkommission, welche die Redakteur*innenstellen nach öffentlicher Ausschreibung in einem genau geregelten Verfahren nach Qualifikation und Eignung besetzt. Weil wir diese Unterstellungen – genauso wie die Internettrollereien sogar aus den Reihen des CDU- und RCDS-Bundesvorstands – für einen Bruch der politischen Kultur halten, haben wir den Vorstand des RCDS Duisburg-Essen mit folgendem Schreiben zum Gespräch geladen:

Hallo Nicolas Back, Anna Diekmann, Dietmar Schulmeister, Philipp Knühmann und Maximilian Krone,

im Wahlkampf zum Studierendenparlament der UDE hat der RCDS nicht der Wahrheit entsprechende und diffamierende Behauptungen über die akduell-Redaktion sowie über die von den Fachschaften und dem Studierendenparlament getragene Besetzungskommission aufgestellt. Dabei handelt es sich auch um Unterstellungen und Vorurteile, von denen ihr wisst, dass sie nicht der Wahrheit entsprechen.

Wir sind der Meinung: Auch ein hart geführter Wahlkampf sollte so eine Grenze der Wahrhaftigkeit nicht überschreiten. Populistische Stimmungsmache und falsche Behauptungen sind keine validen Argumente.

Angesichts der Entgleisungen im Wahlkampf bitten wir euch als verantwortliche Vorstandsmitglieder des RCDS Duisburg-Essen zum Gespräch. Wir schlagen dafür folgenden Ort und Termin vor:

[ZEIT / ORT]

Bitte bestätigt uns kurz, dass ihr den Termin wahrnehmt.

Mit freundlichen Grüßen
akduell-Redaktion