Whatsapp stiftet Verwirrung

Bildschirmfoto 2014-06-02 um 17.22.15Die Smartphone-App Whatsapp wird von mehr als 400 Millionen Menschen weltweit benutzt. Derzeit steht der Chat-Service mal wieder in der Kritik aufgrund einer Passage in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Oftmals hilft es aber schon das Kleingedruckte etwas genauer zu lesen.

Whatsapp ist in Deutschland mit rund 31 Millionen Nutzer*innen die beliebteste App. Weltweit nutzen nach eigenen Angaben der App-Entwickler*innen etwa 480 Millionen Menschen die Smartphone-App als Alternative zur herkömmlichen SMS. Doch in Zeiten des NSA-Abhörskandals und des Neulands Internet kann man nicht vorsichtig genug sein, mit dem, was man im Internet schreibt, postet und darüber verschickt. Das zeigte sich nun erneut anhand des Messengerdienstes Whatsapp. Zuletzt war die Chatplattform Anfang dieses Jahres in Verruf geraten, als Facebook das Unternehmen für 19 Milliarden US-Dollar gekauft hatte. Von Datenschützer*innen war die App bereits lange vorher wegen Sicherheitslücken kritisiert worden.

Bilder verschicken und Rechte verschenken?

Tatsächlich häufte sich in sozialen Netzwerken und anderen Medien vor einigen Tagen die Meldung, dass sich im Kleingedruckten der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von Whatsapp eine Klausel verstecke, die dem Unternehmen alle Rechte an Bild und Textmaterial ihrer Nutzer*innen zukommen lässt. Im Klartext heißt das, dass User*innen alle Nutzungsrechte von Wort und Bild mit dem Benutzen der App automatisch an Whatsapp abtreten. Das Unternehmen dürfte somit alles, was Nutzer*innen posten und versenden, auf anderen Plattformen und Medienkanälen weiterverbreiten, kommerziell nutzen und auch verkaufen, und das ohne die Zustimmung der Nutzer*innen, wie es in den Medien hieß.

Soweit aber noch nicht genug: Wenn WhatsApp Bilder von ihren User*innen weiterverwende, an denen diese die Urheberrechte allerdings nicht besitzen, könnten Nutzer*innen dafür mit rechtlichen Folgen rechnen. Grund genug, um mal über Alternativen zu Whatsapp nachzudenken. So denkt auch Student Jakob: „Ich nutze Whatsapp jetzt seit Jahren täglich, aber so langsam fühle ich mich immer unwohler wenn ich meinen Freunden Bilder schicke.“ So geht es mittlerweile vielen, die sich deshalb nach Alternativen umsehen. Das Problem dabei: nicht alle machen diesen Umstieg sofort mit. „Nur wenige von meinen Freunden benutzen andere Messengerdienste, weshalb der Umstieg eigentlich kaum Sinn macht“, so Jakob weiter.

Viel Geschrei um nichts?

Aber ganz so drastisch, wie es in den Medien dargestellt wurde, scheint es dann doch nicht zu sein. Der Blogger Andreas Rickmann hat sich mit dem umstrittenen Paragrafen 5. B. (ii) in den AGB auseinandergesetzt: So könne Whatsapp mit privat ver- schickten Bildern offenbar doch nicht tun, was sie wollen. Rickmann beschreibt in seinem Blog, dass es sich nicht um Texte und Bilder in privaten Nachrichten und Gruppenchats handelt, sondern hauptsächlich um die Profilbilder und Status-Nachrichten. Ob dies nun weniger kritisch zu sehen ist, bleibt fraglich. Denn wie weit die Verbreitung dieser Bilder gehen kann, wird erst mal niemand so genau sagen können. Um diese einzusehen, braucht man zudem lediglich die Handynummer einer weiteren Person. Das Hinzufügen von Kontakten, wie in manch anderen Chats, ist hier nicht nötig. Für alle, denen das nicht mehr sicher genug ist, gibt es aber durchaus Alternativen.

AGB sind ungültig

Ein weiterer Kritikpunkt der Datenschützer*innen bezieht sich nicht auf den Inhalt, sondern auf nicht ganz unwichtige Formalia: Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von WhatsApp existieren ausschließlich auf Englisch. Dagegen hat nun der Verbraucherzentrale Bundeverband (vzbv) vorm Berliner Landgericht geklagt und Recht bekommen. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

Drei Alternativen zu Whatsapp:

– Threema: Hier erfordert bereits das Hinzufügen von Kontakten mehr Aufwand. Vertrauenswürdige Kontakte knüpft man nämlich am besten über das Abfotografieren von QR-Codes. Ein weiteres Plus von Threema ist die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.

– Viber: Nicht nur kostenloses chatten sondern auch telefonieren können Nutzer*innen mit dieser App untereinander.

– Telegram: Mit selbstzerstörenden Messages ist ein sicheres Chatten garantiert. Außerdem lässt sich einstellen, dass der Gesprächspartner*innen einen bestimmten Code eintippen muss, um die Nachricht lesen zu können.