Akten D-J und X-Z auf Reisen

Akten – sie werden für ein paar wenige Stunden von Wuppertal nach Essen und wieder zurück gefahren. (Foto: Christian Schnettelker / flickr.com / manoftaste.de (CC BY 2.0))

Akten – sie werden für ein paar wenige Stunden von Wuppertal nach Essen und wieder zurück gefahren. (Foto: Christian Schnettelker / flickr.com / manoftaste.de (CC BY 2.0))

Viele Essener Lehramtsstudierende müssen sich wie Asterix und Obelix in „Asterix erobert Rom“ fühlen, möchten sie ein persönliches Gespräch mit dem Landesprüfungsamt (LPA) wahrnehmen: Vom Pförtner in den zweiten Stock, um sich dort den Passierschein A38 aushändigen zu lassen. Von dort in den sechsten Stock geschickt, um das blaue Formular zu beantragen, ohne das man den Passierschein nicht bekommt. Hierfür muss zunächst der lilafarbene Antrag ausgefüllt werden.

Es war einmal vor langer, langer Zeit, da gab es noch keinen Bachelor und keinen Master im Lehramt. Da gab es Staatsprüfungen für angehende Lehrer*innen. Und aktuell gibt es immer noch Studierende, die eben vor der Einführung der Bachelor/Master-Lehramtsstudiengänge in Essen ihr Studium begonnen haben. Zuständig für die Staatsprüfungen ist das Landesprüfungsamt. Das sitzt in Düsseldorf und hat Außenstellen in allen großen Uni-Städten, unter anderem in Bochum, Dortmund, Duisburg und Essen.

Sprechstunde nur in Wuppertal

Essener Studierende mit den Nachnamen D-J und X-Z sollen seit dem 28. Juli eine rund anderthalbstündige Fahrt mit dem ÖPNV auf sich nehmen, das Ruhrgebiet verlassen und das Bergische Land betreten, um vom Essener Campus zur Uni in Wuppertal zu gelangen. Denn möchten sie ein persönliches Gespräch mit dem Landesprüfungsamt führen, finden sie ihre Sachbearbeiterin nur noch in der Stadt an der Wupper.

Das empört die betroffenen Studierenden, die noch nicht einmal informiert wurden, dass sie betroffen sind. Das stellten sie erst mit einem Blick auf die Homepage fest. Mehrere wandten sich aufgebracht an den AStA: Es sei so schon schwierig genug, in der telefonischen oder persönlichen Sprechstunde durchzukommen. Dass Studierende nun für die Sprechstunde, die donnerstags von 10:00 bis 12:00 Uhr stattfindet, zwei Stunden in der Woche, eine Reise nach Wuppertal unternehmen und trotzdem Gefahr laufen sollen, nicht dranzukommen und umsonst dorthin gefahren zu sein, ist für die Studierenden ein schlichtweg nicht akzeptabler Zustand. Das findet auch der AStA. Felix Groell, Referent für Hochschulpolitik, wurde deshalb zusam- men mit dem Fachschaftenreferat aktiv. „Wir haben mit Volker Rennert, Leiter der Außenstellen Essen und Wuppertal und mit der stellvertretenden Leiterin des Landesamts Ines Guhl gesprochen. Auch sie konnten uns keinen Grund nennen, weshalb die Sachbearbeiterin der betroffenen Studierenden nun in Wuppertal sitzt“, so Groell. Nach weiteren Gesprächen konnte der AStA nun einen Teilerfolg erreichen: Eine Sprechstunde in Essen wird es für die betroffenen Studierenden nun doch wieder geben, allerdings werden die notwendigen Akten dafür extra aus Wuppertal nach Essen gefahren.

Daher ist eine Voranmeldung nötig, damit die Akten, die trotzdem in Wuppertal lagern, mitgebracht werden können. Die AStA-Vorsitzende Julia Wenzel von der Grünen Hochschulgruppe findet das nicht ausreichend: „Wir sind mit der jetzigen Situation unzufrieden, dass die Termine von den Studierenden erst angekündigt werden müssen. Es gibt ja auch dringende Angelegenheiten, bei denen man sofort jemanden vom Prüfungsamt sprechen muss.“

Sprechstunde in der Kritik

Das kann Judith (Name von der Redaktion geändert) bestätigen. Sie studiert Mathe auf Lehramt und steckt gerade mitten in den Staats- prüfungen. Sie sagt, sie habe noch nie ein Anliegen für eine Sprech- stunde gehabt, das hätte warten können. „Bei vielen Fragen müssen Studierende wegen der sehr knappen Fristen einfach spontan in eine Sprechstunde gehen können, ohne sich vorher anmelden zu müssen“.

Doch auch ohne Anmeldung stoßen die Sprechstunden des Landesprüfungsamts bei Studierenden auf Kritik. Vor zwei bis drei Jahren war Judith zum ersten Mal in einer Sprechstunde des Landesprüfungsamts. Danach hat sie die Sprechstunde, wenn möglich, gemieden. „Ich habe die Sprechstunde zum ersten Mal kurz vor der Unterlagenabgabe wahrgenommen. Auf jede meiner Fragen antwortete der Sachbearbeiter, ich solle das doch auf der Homepage nachlesen“ Natürlich habe sie sich vor dem Gespräch auf der Internetseite informiert, aber trotzdem seien einige Fragen offen geblieben. „Als ich das dem Sachbearbeiter erklärte, forderte er mich dennoch auf, doch noch einmal auf die Homepage zu sehen“, zeigt sich Judith sauer. In einem anderen Fall habe der Sachbearbeiter falsche Behauptungen aufgestellt: „Da hieß es, der Sachbearbeiter habe mich angerufen. Das stimmte aber überhaupt nicht. Ich habe ihn einmal angerufen, allerdings in einer ganz anderen Sache.“ Auch Judith hat wie viele ihrer Kommiliton*innen nur zufällig von einem Freund erfahren, dass sie nach Wuppertal müsse, wenn sie die Sprechstunde wahrnehmen will. Davon erfahren, dass die Sprechstunde nun doch in Essen, allerdings mit vorheriger Anmeldung möglich ist, hat sie erst durch das Gespräch mit akduell.

Es sei „einfach sinnlos“, einen solchen „nicht nachvollziehbaren Aufwand“ zu betreiben und die Akten herumzufahren, findet Julia Wenzel. Insofern werde der AStA sich nicht zufrieden geben und weiterhin Druck machen für eine akzeptable Lösung. Weil derzeit die Staatsprüfungen anstehen, bietet Wenzel den Lehramts-Studierenden an, sich bei Problemen an den AStA zu wenden. [Fra]