Alle Sternchen* mitgemeint!

Foto: mac

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Unleserlich, militant-feministisch und überhaupt alles Gender-Terror: das sind die Schlagworte, die fallen, wenn es ums Gendering geht. Auch in unserer Zeitung gibt es sie, die kleinen Sternchen, die Personengruppen geschlechtergerecht modifizieren. Ob Professor*innen, Studierende (nicht Studenten) oder alle (statt jeden), wir erklären warum wir in unserer Zeitung darauf achten, alle Gender mit einzubeziehen.

Würden Kinder die Aufgabe bekommen, ein Bild zu malen, das „Lehrer dürfen auf dem Schulhof rauchen“ zeigen soll, würden sie Männer mit Zigaretten in der Hand zeichnen. Werden sie aber gefragt Folgendes zu malen: „Lehrer*innen dürfen auf dem Schulhof rauchen“, würde das Bild wohl anders aussehen. Dieses Gedankenexperiment zeigt, warum das Gendern so wichtig ist: Das generische Maskulinum bildet nicht die Wirklichkeit ab und es werden falsche Bilder erzeugt.

Denn 2009 waren 51 Prozent der Einwohner*innen der Bundesrepublik weiblich. Und auch Menschen, die sich nicht in ein Geschlecht einordnen oder sich darauf beschränken wollen, werden durch die männliche Generalisierung nicht berücksichtigt. Gerade wegen dieser Diskriminierungen gehört das Gendern an Universitäten, ob mit Binnen-I, Slash, Unterstrich oder der gleichzeitigen Verwendung des generischen Femininums, schon lange zur offiziellen Kommunikation.

Oft stammen Gegner*innen, die einen geschlechtergerechten Sprachgebrauch dagegen als „Gender-Terror“ beschimpfen, aus dem rechten oder konservativen Spektrum. Diese sehen ihre hegemonial männlich dominierten,
heterosexistischen Gesellschaftsbilder gefährdet und berufen sich auf die Sprachtradition, die sie schützen wollen. Dass in der Vergangenheit mehrheitlich Frauen und Menschen mit einem eigenen Bild von ihrem Geschlecht unterdrückt wurden und das auch in die Sprache durchdrang, übergehen selbsternannte Sprachschützer*innen.

Andere Kritiker*innen monieren dagegen, dass durch die Sterne im Text der Fluss beim Lesen unterbrochen werde. Hier scheiden sich die Geister: Ob Leser*innen sich durch Sonderzeichen gestört fühlen, ist immer subjektiv. Fest steht jedoch, dass mit dem Gender-Star, einem kleinen Sternchen im Text, Menschen angestoßen werden können, nachzudenken. Darüber, welche Bilder unsere Sprache produziert.