Attraktiv mit Brief und Siegel

Der Kampf um die besten Köpfe tobt auch an der UDE. (Foto: Mnd)

Der Kampf um die besten Köpfe tobt auch an der UDE. (Foto: Mnd)

Die Uni Duisburg-Essen ist stolze Trägerin des Gütesiegels des Deutschen Hochschulverbands (DHV). Damit werden Hochschulen ausgezeichnet, die bei der Berufung von Professor*innen besonders fair und transparent vorgehen. Der DHV betont den fulminanten Glamour-Effekt der Auszeichnung, die das Konkurrenz-Gebaren unter den Hochschulen weiter befeuert.

Professorinnen und Professoren an der Uni Duisburg-Essen haben es gut. Nicht nur gibt es ein faires Einstellungsverfahren: Sie fühlen sich hier auch überdurchschnittlich wohl, werden gefördert und wollen in ihrer großen Mehrheit auch gar nicht mehr weg. Das ist das Ergebnis einer Prüfung durch den DHV, an deren Ende die Vergabe des Gütesiegels „Faire und transparente Berufungsverhandlungen“ stand.

„Das Recruiting der besten Köpfe für Professuren ist das ‚A und O‘ für eine Hochschule, die sich in einer immer stärker wettbewerblich ausgestalteten Hochschullandschaft profilieren muss“, erklärt der Verband. Daher müsse man vor allem auch die Lehrenden, hier die Professor*innen, im Blick haben. Klar erfreut sich die Uni Duisburg-Essen an so viel offiziöser Schmeichelei. „Das Berufen neuer Hochschullehrerinnen und -lehrer ist Chefsache an der Universität Duisburg-Essen (UDE). Weil die Verfahren professionell, fair und transparent durchgeführt werden, ist die UDE eine von fünf deutschen Universitäten, die mit dem Gütesiegel des Deutschen Hochschulverbands (DHV) ausgezeichnet werden“, triumphiert die Pressestelle. Pro Jahr würden rund 50 Berufsverhandlungen an der Uni geführt. Bis Ende Mai dieses Jahres sei mit 26 Bewerber*innen verhandelt worden, 19 von ihnen seien eingestellt worden.

Als Basis für das DHV-Gütesiegel wurde ein detaillierter Fragebogen entwickelt. Gefragt wird etwa nach Fairness, Wertschätzung, Transparenz und Verlässlichkeit in Berufungs- und Bleibeverhandlungen. Diese Themen fließen zu 52 Prozent in das Gesamtergebnis ein. Die Ergebnisse aus Fragen zum Verfahren vor Ruferteilung werden mit 13 Prozent gewichtet, sechs Prozent machen die Erfahrungen der ersten 100 Tage im Beruf aus. 12 Prozent bilden Antworten zu „sonstigen“ Themen, weitere 12 Prozent ergeben sich aus Interviews mit fünf ausgewählten Professor*innen. Die restlichen fünf Prozent bilden Angaben, die nicht von den Fragen abgedeckt werden.

Neues vom Rat-Race

Nach dem Rat-Race um die sogenannte Exellenzinitiative („Das Ziel: Die Weltspitze“) geht der Kampf um die Fleischtöpfe der Bildungsindustrie weiter. Zur Erinnerung: 2011 scheiterte die Uni Duisburg-Essen bei der Bewerbung um die besondere Hochschulförderung. Fünf Anträge auf Berücksichtigung wurden eingereicht, alle scheiterten. Damit gingen der Uni Millionenbeträge durch die Lappen. Die Exzellenzinitiative ist ein Förderprogramm für Universitäten. Es gliedert sich in drei Bereiche: Förderung der Gesamtuniversität, Förderung eines Themenkomplexes, sowie die Förderung von Doktorand*innen.

„Es gab einen Gemüseteller“

Umso mehr freut man sich nun über das Gütesiegel. „Wer einen Ruf erhalten hat, bekommt einen persönlichen Verhandlungstermin, in dem über die geplanten Projekte und Ziele in Forschung und Lehre, den Ausstattungsbedarf und die Gehaltsvorstellungen gesprochen wird“, erklärt die UDE. Das macht die Uni Duisburg-Essen für viele Berufseinsteiger*innen künftig wohl zusätzlich attraktiv. Auch, dass Rektor Radtke sich gleich an die Neuankömmlinge rankumpelt, stößt vielen positiv auf. Gegenüber der WAZ plaudert eine Professorin aus dem Nähkästchen. Wer wolle, dem gewähre Radtke die Ehre eines gemeinsamen Essens: „Wir waren in der Mensa. Es gab einen Gemüseteller.“

Neben der Uni Dusiburg-Essen wurden die RWTH Aachen, die Universität zu Köln, die Technische Universität Kaiserslautern und die Fernuniversität Hagen ausgezeichnet. Das Siegel kann ab dem Zeitpunkt der Verleihung für drei Jahre „genutzt“ werden, nach Ablauf dieser Frist müssen mindestens 30 Monate vergehen, ehe man sich wieder bewerben kann. Wer es sich allerdings unter der Angabe falscher Daten erschleicht, fällt in Ungnade und muss es zurückgeben. Die Unis lassen sich den Spaß auch einiges kosten. Immerhin 7.500 Euro kostet das erstmalige Verfahren zur Vergabe des Gütesiegels. Dazu kommt die Umsatzsteuer. Scheitert man bei der Vergabe und möchte sich erneut bewerben, schlägt dies mit 5000 Euro zu Buche.