Duisburgs neuer Freiraum

Duisburg hat wieder einen selbstverwalteten Veranstaltungsort. (Foto: Mnd)

Duisburg hat wieder einen selbstverwalteten Veranstaltungsort. (Foto: Mnd)

Am vergangenen Wochenende hat das „Syntopia“ in Duisburg Hochfeld seine Pforten geöffnet. Der Stadtteilladen soll eine Anlaufstelle für soziale Initiativen und Aktivist*innen bieten. Damit hat Duisburg endlich wieder ein soziokulturelles Zentrum. Ein ähnliches Projekt musste vor fünf Jahren nach nur sechs Monaten wieder aufgegeben werden.

„Gemeinsam mit verschiedenen anderen Menschen und Gruppen aus Duisburg wollen wir so einen Raum für alternative Kultur, Politik und soziales Engagement schaffen“, erklärt der Verein Mustermensch, der das Syntopia zusammen mit der Gruppe DU it Yourself ins Leben gerufen hat, auf seiner Website. Der Ansatz: Mitmachen. Es soll darum gehen, möglichst viele Menschen, Aktivist*innen wie Anwohner*innen, in die Gestaltung des Freiraums einzubinden. Zum Kennenlernen wurde am Samstag zu Kaffee und Kuchen geladen, am Sonntag gab es einen veganen Brunch. Doch es wurde auch politisch: Der Aktivist Ismail Küpeli referierte über Selbstverwaltung und soziale Zentren in Portugal. Danach wurde der Tresen eingeweiht.

„Es gibt in Duisburg kaum linke Infrastruktur“, sagt Henning Schumann vom Verein Mustermensch der akduell. Daher sei es enorm wichtig, einen Ort zur Selbstorganisation zu haben. Zwar gebe es mit dem Druckluft in Oberhausen und dem AZ Mülheim bereits gut erreichbare Locations. Doch dort liegt der Fokus eher auf Partys und Events. „Es fehlt ein Ort, wo man sich sozial und politisch engagieren kann“, so Schumann. Gruppen wie die Intiative DU it Yourself können nun den Freiraum nutzen. Die Kampagne für kulturelle und soziale Freiräume in Duisburg ist ebenfalls an der Organisation des Syntopia beteiligt.

Ein Laden für alle

Doch nicht nur für Polit- Aktivist*innen, auch für Anwohner*innen soll der Laden ein Anlaufpunkt sein. So wird zum Beispiel einmal wöchentlich eine kostenlose Hausaufgabenhilfe für Kinder angeboten. Und auch beim veganen Brunch am Sonntag-Nachmittag saßen Aktivist*innen, Kinder und Anwohner*innen zusammen am Tisch und ließen es sich schmecken. Gegen eine freiwillige Spende gab es Kartoffelsalat, Chili, Brot und diverse Dips. Auch Mal-und Bastelmöglichkeiten für die Kinder gehören zum Konzept. Nach dem gemeinsamen Brunch am Sonntag trafen sich im Syntopia bereits Menschen, um eine Flüchtlingsinitiative zu gründen. Die Beteiligung so vieler Leute wie möglich ist das Grundkonzept des Ladens. „Das Syntopia soll (…) nicht nur ein Versuch sein, unsere eigenen Ideen zu verwirklichen“, schreibt DU it Yourself. „Wir sehen den Laden als Chance, mit allen, die sich beteiligen möchten, etwas Großes wachsen zu lassen.“

Ein ähnliches Projekt gab es in Duisburg schon einmal. Vor fünf Jahren versuchte der Verein Mustermensch die selbstverwaltete Kneipe „T5“ in der Duisburger Innenstadt für sich nutzbar zu machen. Nach Streitigkeiten mit dem Ordnungsamt wurde dem Projekt allerdings rasch ein Ende gesetzt – nach nicht einmal sechs Monaten. Auch die Besetzung einer leerstehenden Schule in Laar vor über zwei Jahren wurde schnell beendet. Nach nur wenigen Stunden räumte die Polizei das Gebäude. Doch die Aktivist*innen lassen sich nicht unterkriegen. „Bei unzähligen Veranstaltungen, Freiraumpartys und nicht zuletzt den drei Nachttanzdemos, haben wir in den vergangenen Jahren eine Menge toller Leute kennengelernt, die mit uns den Wunsch nach kulturellen Alternativen und kreativen Freiräumen teilen“, heißt es auf der Website. „Um nach Jahren ohne einen geeigneten Ort gemeinsam etwas aufbauen zu können, haben wir uns entschlossen, ein Ladenlokal als Treffpunkt, Vernetzungs- und Veranstaltungsort zu eröffnen, das wir als Vereinslokal des Mustermensch e.V. nutzen wollen.“

Frischzellenkur für Hochfeld

Mit dem Syntopia könnte die Dauersuche nun zu Ende sein. Der Verein Mustermensch finanziert das Projekt durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Außerdem wurde ein Crowd- funding-Projekt ins Leben gerufen, um die ersten finanziellen Hürden zu meistern. „Da sind bis jetzt schon 700 Euro zusammengekommen“, freut sich Henning Schumann. Für die nächste Zeit gibt es schon ein vielfältiges Programm. Neben dem wöchentlich anberaumten offenen Plenum gibt es eine Fahrradwerkstatt, Filmvorführungen und vieles mehr. Für Ende August ist ein Stra- ßenfest geplant. Auch ein Umsonstladen soll sich hier etablieren. Duisburg Hochfeld ist ein strukturschwacher Stadtteil mit einem hohen Migrant*innenanteil in der Bevölkerung. Seit dem Niedergang der hiesigen Industrie gibt es eine hohe Arbeitslosen-Quote und sinkende Einwohner*innenzahlen.

Hochfeld bekommt als „Stadtteil mit besonderem Erneuerungsbedarf“ zwar Fördermittel vom Land NRW. Zu sehen ist davon aber recht wenig. Da wirkt ein Ort wie das Syntopia wie eine Frischzellenkur für den Stadtteil. Dafür setzen die Macher*innen auf rege Beteiligung. „Wer unser Engagement gut findet, ist eingeladen, unserem Verein beizutreten“, sagt Schumann. Täten dies 100 Leute in Verbindung mit einer Geldspende von fünf Euro, sei schon viel erreicht.