Journalist*innen bloggen das Revier

2PottBlogDie Facebook-Seite „Feminismus im Pott“ sammelt stetig neue Gefällt-Mir-Angaben: Über 500 Menschen folgen schon den Leseempfehlungen der Feminist*innen aus dem Ruhrgebiet. Vergangenes Wochenende ist jetzt das Blog des Kollektivs online gegangen, das es sich zur Aufgabe gemacht hat Menschen im Ruhrgebiet, die an Gender-Themen interessiert sind, miteinander zu vernetzen. Wir haben mit Blog-Gründerin Lilli Boheme* über die neue feministische Plattform gesprochen.

„Unser Wunsch ist es, die ganzen emanzipatorischen und feministischen Räume, die der Pott ja reichlich zu bieten hat, öffentlicher zu machen“, sagt Lilli Boheme. Die 25-jährige Studentin aus Bochum möchte mit ihrem neuen Blog eine Leerstelle füllen: „Es gibt bis jetzt zum Beispiel einen Überblick über feministische Veranstaltungen im Ruhrgebiet. Ich habe mich oft geärgert, wenn ich was verpasst habe. Oder ich hatte keine Lust mich durch zehn Seiten zu klicken, um Veranstaltungen zu finden“, sagt die Bloggerin. Die Blogbeiträge sollen dann auch von den Lesungen, Konzerten oder Ausstellungen berichten: „Es wird Beiträge geben, die Veranstaltungen reviewen, damit unsere Leser*innen sich informieren und selbst mit einem ersten Eindruck hingehen können“, so Boheme.

Nicht nur Veranstaltungen, auch Aktivist*innen sollen auf dem Blog Raum bekommen. „In unseren ‚Pottraits‘ stellen wir Aktive aus dem Ruhrgebiet vor, die sich emanzipatorisch engagieren“, sagt Boheme. Vor allem kulturelle und aktivistische Persönlichkeiten sollen porträtiert werden.
In der Kategorie „Aktiv im Pott“ sollen außerdem alt eingesessene Initiativen, Organisationen und Veranstaltungen präsentiert werden, um Vernetzungsmöglichkeiten innerhalb des Ruhrpotts aufzuzeigen.

Zehn Blogger*innen – kein Kanon

Gegründet wurde das Blog von Lilli Boheme, die in Bochum Sozialpsychologie und Geschlechterforschung studiert, und ihrer Mitstreiterin Anne Laine*, ebenfalls Bochumer Studentin der Sozialwissenschaft. Geschrieben werden die Beiträge aber von insgesamt zehn Blogger*innen. Die Themen auf dem Blog sollen dabei bewusst bunt gemischt sein: „Ich beschäftige mich viel mit dem gegenwärtigen Schönheitsideal, andere schreiben lieber über Pop-Themen und wieder andere setzen den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf das Thema Flüchtlingsarbeit“, sagt Boheme. So sollen unterschiedliche Stimmen auf dem Blog in Dialog treten.
Gerade in aktuellen Debatten können heterogene feministische Perspektiven spannend sein: „Wir haben zwei Schwerpunkte. Einmal den starken regionalen Bezug und zum anderen der Fokus auf aktuelle feministische Debatten“, so Boheme.  Die erste Aktion des Blogger*innenkollektivs war so zum Beispiel eine Stellungnahme auf einen antifeministischen Artikel von Saskia Albarus bei den Ruhrbaronen. In der Reaktion des Pottblogs erklären unterschiedliche Feminist*innen, warum es sich für sie lohnt, für eine geschlechtergerechte Welt aktiv zu werden.

Gleichzeitig schreiben die Blogger*innen von Feminismus im Pott aber auch gemeinschaftlich an verschiedenen Themenkomplexen. „In unserer Mini-Serie ‚Frau*sein erfahren‘ beschäftigen sich vier Autor*innen mit dem Thema Street-Harassment. Da haben wir dann einen Fokus drauf gelegt“, sagt Boheme. Die Mischung aus Gemeinsamkeit und Unterschiedlichkeit der Blogger*innen, ist für die Seite entscheidend: „Wir sind nicht ein Kanon. Die Stimmen auf der Seite gehen zwar in eine gleiche Richtung, sind aber nicht immer eins.“
In die schon bestehende feministische Medien- und Netzlandschaft will sich das Blog der Ruhrpott-Feminist*innen noch nicht einsortieren. „Wir haben nicht geguckt, was zum Beispiel die Mädchenmannschaft oder andere Seiten machen, sondern was wir veröffentlichen wollen“, sagt Boheme. Der Fokus auf die Kulturszene, aktuelle politische Debatten, sowie die Vorliebe zu reichlich Bildern und Fotoserien, erinnere jedoch schon an ein Format wie das Missy Magazine, sagt Boheme. Was letztlich das Blog ausmachen wird, seien aber immer noch die Beiträge der unterschiedlichen Autor*innen.
*Pseudonym