Antilopen Gang sucht Ghostwriter

Antilopen 1

Foto: Richard Diesing

Mit ihrem Song „Fick die Uni“ hat das Rap-Trio Antilopengang Kultstatus unter Studierenden erreicht. Im Interview sprach die Band mit uns über die antisemitischen Demos im vergangenen Sommer, den derzeitigen Hype um die Band und über ihr Studium. Außerdem sucht Panik Panzer jemanden, der seine Hausarbeiten schreiben will.

akduell: Ihr kommt aus Düsseldorf. Heute in Bochum ist der letzte Auftritt, bevor ihr morgen in Düsseldorf im Zakk auftreten werdet. Kommen da Heimatgefühle auf?

Danger Dan: Für mich und Panik Panzer schon, aber Koljah kommt gar nicht aus Düsseldorf. Panik Panzer und ich sind gebürtige Düsseldorfer und wir lieben es. Desto näher wir an Düsseldorf sind, desto weniger müssen wir bis nach Hause fahren. Koljah hingegen…
Koljah: Ist Aachener. Das ist ein Missverständnis. Wir sind aus Düsseldorf und Aachen, aber es heißt immer Düsseldorfer Crew.

akduell: „Fick die Uni“ war euer erster größerer Hit. Was habt ihr denn gegen die Uni?

Panik Panzer: Nichts.
Koljah: Brandsätze…
Panik Panzer: Aktuell nervt es mich, dass sie mir mein Semesterticket noch nicht zugeschickt haben, was mich jetzt mehrfach Geld gekostet hat. Ansonsten habe ich nicht viel gegen die Uni. Weder als Institution, noch als Gebäude.
Koljah: (lacht) Das kann man doch gar nicht so verallgemeinern. Es gibt hässliche Unis und es gibt schöne Unis.
Panik Panzer: Nein, nein.
Koljah: Wie, nein?
Danger Dan: Nein, einfach nein.
Panik Panzer: Nein, Punkt.
Danger Dan: Aber wenn ich hier einen Aufruf starten könnte: Ich hätte gerne eine Hochschulzugangsberechtigung, falls jemand zufällig Direktor einer Universität ist, das liest und das informell machen könnte. Ich interessiere mich für ein Studium und er soll sich bitte bei mir melden.

akduell: Wir sind ja eine studentische Zeitung, da stehen die Chancen recht gut…

Panik-Panzer: Ach, wenn ich auch einen Aufruf starten darf: Ich such‘ jemanden, der mir meine Hausarbeiten schreibt. Themenkomplex ist Kunst, Design, aber auch Konsumkritik.

akduell: Okay und da hast du jetzt nicht so Bock drauf?

Panik Panzer: Nee, das sind jetzt insgesamt noch drei Hausarbeiten, die ich schreiben muss. Ich bin in der Lage, gut zu bezahlen. Ich bin gut betucht.
Danger Dan: Dann würde ich das vielleicht machen.
Koljah: Konsumkritik könnte ich auch machen. Ist es egal, ob‘s kritisch ist?
Panik Panzer: Nee, es geht, da muss ich aber nochmal recherchieren, um ein Buch…
Koljah: Nee, wenn das so mit Buch ist und so…
Panik Panzer: Das ist so ein konsumkritisches Standardwerk, das wir irgendwie besprochen haben.
Koljah: Mein Kampf!
Panik Panzer: (lacht) Ja, genau…
Danger Dan: Also wenn‘s nur ein Buch ist, was man lesen muss, würd‘ ich das vielleicht machen.
Panik Panzer: Aber ich will nicht, dass du das schreibst.
Danger Dan: Gut, dann nicht!
Koljah: Vielleicht findet sich ja jemand.

akduell: Habt ihr denn studiert? Panik Panzer, du machst ja was mit Design…

Panik Panzer: Ja, genau…
Danger Dan: Ich habe mal meine Hochschulzugangsberechtigung gefälscht und bin damit in die Niederlande gegangen und hab‘ dann da eine kurze Zeit Musiktherapie studiert.

akduell: Aber nicht abgeschlossen?

Danger Dan: Nee, aber ich war auch echt nicht in der Lage, konstant Dinge zu tun und systematisch zu lernen. Ich war einfach viel zu zerstreut und hatte auch einen viel zu zerstreuten Terminkalender, als dass ich das hätte machen können. Das ist da aber auch alles sehr verschult. Aber das Studium fand‘ ich schon spannend.
Koljah: Ich hab ganz klassisch und vorbildlich Bachelor und Master studiert.

akduell: Was denn?

Koljah: Ein bisschen klischeehaft, leider, aber: Soziologie. Ich habe auch nur ein Semester länger gebraucht, als Regelstudienzeit.

akduell: Danger und Koljah, ihr habt euch beide in mehreren Tracks zu Antisemitismus geäußert. Wie habt ihr selbst die Ereignisse im Sommer 2014 erlebt, als viele israelkritische Demos stattfanden?

Danger Dan: Ich wohne in Berlin-Neukölln und die sind bei mir vor der Haustüre lang gerannt und haben gerufen „Jude, Jude feiges Schwein, komm heraus und kämpf‘ allein“. Das war übelst gruselig. Ich war richtig enttäuscht, weil ich hatte gehofft, dass irgendwelche Antifas da stören würden. Im Normalfall würde man behaupten, in Kreuzberg oder Neukölln könnten keine Faschisten durch die Straßen laufen und so etwas skandieren. Aber scheinbar ist es letzten Sommer doch möglich gewesen. Zum Teil waren da sogar Antifa-Flaggen dabei. Ich fand das echt scheiße, richtig peinlich. Aber es gibt in letzter Zeit viele beschissene Phänomene. Ich habe eine Freundin, die in einer jüdischen Schule arbeitet. Die Schule hat dann im Rahmen der ganzen antisemitischen Terroranschläge ihre Schüler nicht mehr allein vom Schulhof gelassen, nur noch unter Schutz. Die Freundin kam dann abends nach Hause und hat richtig geheult und hat überlegt, das Land zu verlassen. Das geht mir natürlich sehr nahe. Aber ich habe mich da ein bisschen hilflos gefühlt, weil es unglaublich wenig bis gar keine Reaktion darauf gab – zumindest keine angemessene.

Koljah: Das ist halt der Beweis dafür, dass die sogenannte Israelkritik die Form ist, die Antisemitismus heute angenommen hat. Antisemitismus ist nicht mehr so platt, wie er vor dem Holocaust war, sondern heutzutage tarnt er sich mehr schlecht als recht als Israelkritik, als Antizionismus. Das ist aber auch etwas, was sich bis in die Mitte der Gesellschaft, bis in die ganzen Tageszeitungen durchzieht, dass eine Verbindung gezogen wird, wenn irgendwelche verrückten Demonstranten eine Synagoge angreifen. Das wird dann damit relativiert, dass das ja irgendwie ne‘ Form von Israelkritik wäre und eine Verbindung zum Nahostkonflikt hätte. Als ob irgendwelche Juden in Essen zum Beispiel irgendetwas mit dem Nahostkonflikt oder mit der israelischen Regierung zu tun hätten. Diese Unterscheidung wird überhaupt nicht mehr gemacht. Es waren wahrscheinlich echt so die rabiatesten und krassesten antisemitischen Ausschreitungen in Deutschland seit 1945. Von Islamisten, hauptsächlich, aber es waren auch Linke und Nazis dabei. Das ist so ein Querfront-Ding, weil sich da alle drauf einigen können. Deswegen würde ich sagen, dass sich da die Fratze des Antisemitismus ganz deutlich gezeigt hat. Jetzt kann wirklich niemand mehr sagen: „Das ist ja nur Israelkritik“ oder „Das ist ja nur eine politische Meinungsäußerung“, weil darum ging es da wirklich nicht.

akduell: Danger Dan, du meintest in deinem Lied „Private Altersvorsorge“: „letzten Monat konnte ich meine Miete mit Gage zahlen, aber ich weiß auch, das geht niemals jahrelang“. Glaubst du, dass dieser „Hype“ nicht lange anhält?

Danger Dan: Ich bin mir da ganz sicher. Ich hab‘ auch schon eine andere Band mal groß gespielt und auch wieder runter gespielt. Als ich das geschrieben hab‘, habe ich meine Gage als Pianist verdient und bin danach aber auch wieder auf Hartz gelandet oder habe irgendwelche anderen merkwürdigen Jobs gemacht. Das ging halt hoch und wieder runter. Aktuell ist es tatsächlich so, dass mir mein Konto gesperrt wurde, weil ich der Forderung vom Jobcenter nicht nachgekommen bin, denn ich muss da mein Hartz-IV zurückzahlen. Das ist alles nicht so geil, aber jetzt glaube ich zumindest, dass wir eine Zeit lang von dem Antilopen Gang-Geld leben können und irgendwann ist es auch wieder vorbei.

akduell: Was kommt als nächstes nach der Tour?

Panik Panzer: Urlaub, dann…
Danger Dan: Dann bewaffneter Widerstand.
Panik Panzer: Genau, dann organisieren wir den bewaffneten Widerstand und dann geht es ab in den abartigsten Festivalsommer, den wir jemals gespielt haben. Und dann gehen wir wieder auf Tour.

akduell: Seid ihr die Kings?

Danger Dan: Ja!
Panik Panzer: Ja!
Koljah: Ja!

[Gastautor: Richard Diesing]