„Das nächste große Ding“

Thomas Rodenbücher:CC BY 2.0

Behält trotz Krise einen kühlen Kopf: Sören Link ist im heiratsfähigen Alter. (Foto: Thomas Rodenbücher/CC BY 2.0)

Nach dem Debakel um das Zeltstadtmuseum, das sich nur bedingtem Zulauf und mäßiger Beliebtheit erfreute, bröselt das Ansehen des Oberbürgermeisters Sören Link. Und nun auch noch das: Ein Briefträger, der anonym bleiben möchte, stellte der akduell unlängst eine Kassette zu. Nachdem die Redaktion ein geeignetes Abspielgerät ausfindig gemacht hatte, enthüllte das altertümliche Audioformat den neusten Plan des Duisburger Leitwolfs – das wird ganz schön Theater geben. Wir drucken einen Ausschnitt des Gesprächs.

Link: Hör zu: Ich bin gerade dabei, was durchzudrücken, das wird Duisburg auf einen Schlag auf den Rang einer Weltmetropole katapultieren und meine Wiederwahl 2018 auf einen sicheren Sockel stellen.

Unbekannte: Oh Bubi, das klingt aber aufregend!

Link: Es ist ein Jahrhundertprojekt. Aber das macht es eben auch brisant. Das darf nicht wieder so laufen, wie damals mit dem Innenhafen. Da hat sich wer verplappert und von heute auf morgen hat irgendein Investorenheini der Stadt das Grundstück vom Archiv vor der Nase weggeschnappt.

Unbekannte: Bubi, jetzt machet nicht so spannend und erzähl endlich.

Link: Also schön, dann pass auf. Jede große Stadt hat doch ihr Großprojekt: Berlin den BER, Hamburg die Elbphilharmonie, Stuttgart seine 21 – und was hab ich? Ein zerdeppertes Loveparade-Mahnmal. Immer wird auf den alten Ruinen rumgeritten, statt mal in neue zu investieren. Der Duisburg-Debatte fehlen die aktuellen Bezüge, unsere Altlasten drücken uns zu Boden und verhindern einen klaren Blick in die Zukunft. Da ist kein definierendes Profil nach außen. Was ich brauche, ist ein Großprojekt, dass die Bürgerinnen und Bürger wieder unter mir zusammenschweißt. Ein Treffpunkt, Ort der Leidenschaften, ein schlagendes Herz im Kern des angeschlagenen Körpers. Was ich brauche, ist ein Amphitheater.

Unbekannte: Ein Amphitheater?

Link: Richtig. Ich werde Rheinhausen plattmachen, da will sowieso keiner hin. Und dann kommt der ganz große Stil. Brot und Spiele: Ich denke da an Rundbögen, Spitztürmchen, Emporen, feinsten Importsand aus Katar, stilisierte Rolltreppen – Dach und Seitenwände lassen sich ungespitzt in den Boden fahren, wie bei einem Cabrio, modernste Sitzheizungssysteme, eine eigene Webseite…

Unbekannte: Oh Bubi, das klingt aber teuer. Nicht dass dir da die Wähler von der Schippe springen?

Link: Siehst du, deshalb wollte ich das nicht erzählen. Kritik kann eine so zarte Idee im Frühling ihrer Entwicklung zerknicken, und ihr jede Chance nehmen, jemals zu erblühen.

Unbekannte: Aber Junge, man braucht doch Geld um Sachen zu bauen, oder nicht? Willst du nicht lieber erstmal sparen und dir dein Amphitheater später kaufen?

Link: Sparen, sparen, sparen – so funktioniert das nicht! Berlin hat doch auch keine Kohle! Ich habe einen Kulturauftrag, da kann man nicht immer nur sparen. Ja, es gibt eine geringfügige Lücke in der Finanzierung, aber die lässt sich Ruck Zuck stopfen. Da hat mich der Dobrindt drauf gebracht: Stichwort Gebietsfremdenfußgängerzonenabgabe. Überleg mal, es gibt immer noch Menschen, die hier keine Steuern zahlen, sich aber wonnevoll auf meinen antiken Pflastersteinen die Füße vertreten. Die werden jetzt endlich mal zur Kasse gebeten. Außerdem halte ich große Stücke auf die Herkunftsabhängige Kraftfahrzeugabstellgebührverdopplung auf allen städtischen Parkflächen: Wer nicht in Duisburg gemeldet ist und parken will, zahlt doppelt. Zack! Und wenn ich dann noch die Unterschichtensubventionierungssteuerregelung durchkriege, wird das Geld nur so sprudeln. Die Gewinne werden umgeleitet – von den Konten der Unternehmen, auf meins. Hab ich noch vom Sauerland gelernt, das ist ganz alte Schule. Und nebenbei kommt Verteilungsgerechtigkeit so gut bei den roten Wählern!

Unbekannte: Bei deinem Zeltplatzmuseum warst du auch sicher, dass das ein Riesenerfolg werden würde. Weißt du, ich glaub an dich, aber du warst so enttäuscht, dass das am Ende so schlecht besucht war.

Link: Das Problem war, dass ich kein Programm hatte, kein Konzept! Dieses Mal habe ich alles in Sack und Tüten, lange bevor mir jemand in den Tee spucken kann. Das erste Musical ist schon in Planung! Das Programm steht, lange bevor der erste Stein liegt. Vollendete Tatsachen nennt man das, unglaublich öffentlichkeitswirksam. Ich habe sogar schon einen Intendanten gefunden! Vorher war der glaub ich Autor, und er hat viele berühmte Bücher geschrieben, über Einwanderung und Katzen. Akif Piripiri oder wie der heißt, wird eine Inszenierung des Glöckners von Notre Dame hochziehen, die sich gewaschen hat. Liebe, Freiheit, Inklusionsromantik, das hat einfach alles. Und die Rechte für die Castingshow der Hauptrollen verkaufe ich dem WDR. Das wird das nächste große Ding!