Ja, ich will: Semesterticket bleibt!

Wer wählen wollte, musste teilweise viel Zeit mitbringen. Besonders am ersten Wahltag kam es an den Urnen zu langen Warteschlangen wie hier am Campus Essen. (Foto: mac)

Wer wählen wollte, musste teilweise viel Zeit mitbringen. Besonders am ersten Wahltag kam es an den Urnen zu langen Warteschlangen wie hier am Campus Essen. (Foto: mac)

Jetzt ist es amtlich: Die Studierenden der Universität Duisburg-Essen möchten das Semesterticket behalten. Mit 11.141 Stimmen haben 32,27 Prozent der Stimmberechtigten für den Erhalt des Tickets gestimmt. Das Studierendenparlament muss nun dem neuen Vertrag des Verkehrsbundes Rhein-Ruhr (VRR), der die Preise ab kommendem Wintersemester schrittweise um 40 Prozent erhöhen möchte, zustimmen.

Für die Wahlhelfer*innen war es ein sehr langer Freitagabend. Bis nach 23 Uhr saßen sie im Hörsaal und zählten die Wahlzettel, die sich in der Woche vom 20. bis zum 24. April angehäuft hatten. 12.291 Student*innen haben insgesamt an der Wahl teilgenommen. Dabei kamen die Befürworter*innen des Semestertickets knapp über das benötigte Quorum von 30 Prozent. Wäre das nicht erreicht worden, hätte das Studierendenparlament über die Angelegenheit entschieden. Wahrscheinlich wäre das ebenfalls auf den Erhalt des Tickets hinausgelaufen. 781 Studierende und dementsprechend 2,26 Prozent der Stimmberechtigten haben gegen das Semesterticket gestimmt. Außerdem gab es 62 Enthaltungen sowie 34 ungültige Wahlzettel. „Eine Wahlbeteiligung von 34,69 Prozent wie bei der Urabstimmung ist zwar viel, wenn man sie mit der Beteiligung bei den Wahlen zum Studierendenparlament vergleicht“, sagt Felix Groell, AStA-Referent für Hochschulpolitik, „angesichts dessen, dass es um unser Ticket geht, ist es allerdings wenig“. An einem schlechten Informationsfluss kann das aber nicht gelegen haben. Schon früh hat die Studierendenvertretung auf die Pläne des VRR hingewiesen: Im Februar lud der AStA VRR-Vorstand José-Luis Castrillo zu einer Diskussionsveranstaltung ein, wo er sich knapp tausend aufgebrachten Student*innen gestellt hat. Außerdem klärten AStA-Vertreter*innen an mehreren Tagen am Campus direkt über die Lage auf.

Hochschulpolitik – voll uncool?

Anders als bei der Urabstimmung zum Semesterticket hält sich die Wahlbeteiligung der Studierenden allgemein eher in Grenzen. Während 2013 die Beteiligung auf ein historisches Tief von 4,86 Prozent sank, konnte dem Trend im vergangenen Jahr zumindest entgegengewirkt werden. Da machten nämlich 7,29 Prozent ihr Kreuz. Die Wahlmüdigkeit ist aber nicht nur ein Problem an der Universität Duisburg-Essen, sondern ein flächendeckendes. Aber warum ist es so, dass ein Großteil der Studierenden ihre demokratische Partizipationsmöglichkeit an der Universität nicht nutzt? AStA-Referent Groell glaubt, dass es viel mit der Umstellung auf die Bachelor/ Master-Studiengänge zu tun hat, das den Studierenden zum einen strikte Stundenpläne vorschreibe und zum anderen wenig Kulanz bezüglich Fristen und dem Nachholen von Prüfungen gewähre. Das Studium werde quasi mit Scheuklappen bestritten: Alles, was keine Credits bringt, scheint nicht interessant zu sein.

Zu viel Parteipolitik?

„Mir ist der Wahlkampf zu sehr an parteipolitische Aspekte gekoppelt, die – wie ich finde – an einer Universität eher zweitrangig sein sollten“, äußert sich BWL-Studentin Sarah. „Das ist meiner Meinung nach ein Problem aller Listen. Eigentlich sollte sich Hochschulpolitik eher an den direkten Belange der Studierenden orientieren.“ Stefan, Maschinenbaustudent an der Uni Duisburg-Essen, fügt hinzu: „Ich selber habe mich auch nie an Wahlen zum Studierendenparlament beteiligt. Ich habe nicht den Eindruck, dass Hochschulpolitik etwas bewirkt“. Ein Stimmungsbild unter den Studierenden zeigt, dass eben diese Meinung weit verbreitet ist. Dagegen stemmt sich aber Lehramtsstudentin Julia, die diese Kritik nicht nachvollziehen kann: „Gerade in der Debatte rund ums Semesterticket haben sich das Studierendenparlament und der AStA für uns stark gemacht“. Immerhin kämpft die Studierendenvertretung bereits seit 2013 gegen eine Preiserhöhung und versucht, diese in Verhandlungen mit dem VRR zu verhindern. In ihren Augen hat Hochschulpolitik durchaus Potenzial, etwas zu bewegen. „Allerdings besteht auch die Gefahr, dass Studierendenvertreter ihre Position für persönliche Zwecke ausnutzen. Das ist hier an der Uni ja noch nicht allzu lange her“, führt sie fort und kritisiert den ehemaligen AStA-Vorsitzenden Boris Schön (RCDS), gegen den seit 2011 wegen Verdachts auf Veruntreuung ermittelt wird. Es gibt Hinweise, dass Referent*innen seines AStAs mehrere zehntausend Euro sowie eine Wahlurne entwendet haben (akduell berichtete).