Blaupause Ruhr-Uni Bochum Plakat Foto aGro

Braunbunte Blaupause?

Das 50. Jubiläum der Ruhr-Universität Bochum soll am kommenden Samstag mit der Blaupause, einer Neuauflage des Still-Lebens aus dem Kulturhauptstadtjahr 2010, gefeiert werden. Dieses Mal soll anstelle der A40 die Universitätsstraße zu einer riesigen Festmeile werden. Für anhaltende Diskussionen sorgen die mittlerweile sechs Studentenverbindungen, die jeweils einen Stand auf der Blaupause zugesagt bekommen haben. Obwohl das Studierendenparlament appelliert, diese auszuladen und ein anonymes Blog mit Protest droht, bleibt die RUB-Verwaltung bei ihrer Zusage an alle Verbindungen, darunter auch die Prager Burschenschaft Arminia zu Bochum, die Mitglied im völkisch-vaterländisch geprägten Verband „Deutsche Burschenschaft“ ist.

Mittlerweile ist die Liste der Studentenverbindungen, die an der Blaupause teilnehmen werden, lang geworden. Im Einzelnen sind das die Akademische Jagdverbindung Hubertia Ruhr zu Bochum, für deren Mitglieder nicht das Fechten, sondern das Jagen verbindlich ist, die Katholische Deutsche Studentenverbindung Saxo-Thuringa zu Bochum (Motto: „Deutsch, Treu und Wahr“) und die schlagende Landsmannschaft Ubia Brunsviga. (Warum sie keine Frauen aufnehmen: „Wir fechten!“) Außerdem dabei: Der Verein Deutscher Studenten Breslau-Bochum, der noch immer die Farben des Deutschen Reiches trägt, des Corps Neoborussia-Berlin zu Bochum (schlagend, preußisches Couleur) und zuletzt eben auch die Prager Burschenschaft Arminia zu Bochum (Motto: „Ehre, Freiheit, Vaterland“), Mitglied im Dachverband Deutsche Burschenschaft (DB). Der DB debattierte wiederholt „Ariernachweise“ für seine Mitglieder. Norbert Weidner, der Chefredakteur der Verbandszeitschrift, bezeichnete den NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer, der von den Nazis im KZ Flössenburg ermordet wurde, zudem als „Landesverräter“ und wurde dafür im Juli 2012 verurteilt. Danach tobte ein Flügelkampf im Verband – gemäßigte Verbindungen traten aus, die Prager Burschenschaft Arminia zu Bochum ist noch Mitglied.

Patchwork statt Zensur

Jens Wylkop, Pressereferent der RUB, erklärt wie es zu den Zusagen gekommen ist: „Es hat bei der Phase der Tischbuchungen keine Auswahl, wie auch immer geartet oder Zensur stattgefunden. Alle die wollten, haben einen Tisch bekommen.“ Man sei nicht die Polizei oder der Staatsschutz. „Eine solche Recherche können wir uns gar nicht leisten bei der Menge an Anmeldungen, also konzentrieren wir uns auf den Programmpunkt der angemeldet ist.“ Bei der Streckenordnung hat man sich allerdings klar am Sprech von Polizei und Verfassungsschutz orientiert: „Der Veranstalter duldet keine fremdenfeindlichen, rassistischen, gewaltverherrlichenden, antisemitischen, links-, ausländer- und rechtsextremen oder jugendgefährdenden Tendenzen“, heißt es dort. An einer anderen Stelle werden auch Sexismus und Frauenfeindlichkeit als Ausschlusskriterien genannt. Die Haus- und Streckenordnung wurde nach der letzten Senatssitzung dahingehend angepasst und macht hier den Eindruck eines Flickenteppichs aus zahlreichen uneindeutigen Begriffen.

Auch Pressereferent Wylkop meint, wenn es um Verbindungen gehe, sei es immer umstritten, ob diese als rassistisch oder sexistisch eingestuft werden können oder nicht: „Ich glaube, dass sie in dem Themenumfeld immer Leute finden werden, die das eine sagen und Leute, die etwas anderes sagen. Das ist ein Punkt, den man diskutieren kann, aber eine ganz eindeutige Meinung wird in diesen Umfeld schwierig zu kriegen sein.“ Die Kritiker*innen der Burschenschaften sehen das anders: „Eine heuchlerische Toleranz gegenüber den Intoleranten bringt niemandem etwas, außer den Männerbünden selbst. Das kann doch nicht das Interesse der Unileitung sein!“, heißt es in einer Stellungnahme der Grünen Hochschulgruppe. Auch Juso- Senator Felix Pascal Joswig meint dazu: „Burschenschaften passen nicht zum menschlichen und weltoffenen Profil der Ruhr-Universität und sollten sich nicht als solches in Szene setzen dürfen. Wir wollen das Rektorat von dieser Sichtweise überzeugen.“

Prolliges Pamphlet

Andere Burschenschaftsgegner*innen verschärfen derweil den Ton – „Burschis raus, sonst Blaupause kaputt“, heißt es martialisch auf einem anonymen Blog, der seit vergangener Woche online ist. Ein „Bündnis gegen Burschenschaften und für eine weltoffene Universität“ stellt RUB-Rektor Weiler dort ein Ultimatum, alle Verbindungen auszuladen. „Ansonsten sehen wir uns gezwungen, zur aktiven Störung der Jubiläumsfeierlichkeiten aufzurufen“, heißt es auf dem Blog. Der Protest solle nicht nur auf der Universitätsstraße, sondern auch bei der Ansprache von Bundespräsident Joachim Gauck im Audimax sichtbar werden. Im prolligen Stil der Überschrift endet auch das Pamphlet: „Eigentlich ist uns die Blaupause recht egal. Die aktive Einbindung reaktionärer Studentenverbindungen sprengt allerdings jede gesellschaftliche Norm.“ Pressereferent Wylkop gibt sich hierzu wortkarg: „Selbstverständlich nehmen wir die Drohungen ernst, denn wir wollen ja ein friedliches und buntes Fest auf der Universitätsstraße feiern.“ Ein Protestverbot gibt es allerdings nicht: „Solange Protest friedlich und demokratisch ist, ist das grundsätzlich möglich“, so Wylkop.