Pensionierte auf die Felder!

Auch im Herbst des Lebens: Schön auf dem Weg der Arbeit bleiben! (Foto: Hartwig HDK, flickr.com, (CC BY-ND 2.0))

Auch im Herbst des Lebens: Schön auf dem Weg der Arbeit bleiben! (Foto: Hartwig HDK, flickr.com, (CC BY-ND 2.0))

Das Sprichwort „Weniger ist mehr“ verstand man bisher als Anleitung zu Verzicht und Zurückhaltung. Die Tagesthemen haben sich am 7. Juli an einer Veranschaulichung versucht: Thomas Roth betont da, das Baltikum hätte es im Gegensatz zu Griechenland alleine aus der Krise geschafft – unter anderem Dank der Rentenkürzungen. Der nachfolgende Beitrag von Jürgen Kreller zeigt zunächst die 71-jährige Rentnerin Jadvyga Galiauskiene. Sie bekomme 371 Euro Rente, was zum Leben nicht reiche, also jobbe sie nebenher als Buchhalterin. Die alte Dame aus Litauen wird auch gebückt bei der Feldarbeit gezeigt und es heißt, sie arbeite selbst bei Regen auf dem Acker vor ihrem Haus, weil sie das, was dort wächst, zum Leben bräuchte.
Dass die notleidende Dame hier keine Kartoffeln anbaut, sondern Erdbeeren, stört die Heldenhaftigkeit geringfügig, tut aber nichts zur Sache. Hier geht es um eine Rentnerin, die zwischen Zahlen und Rüben pendelt, um das Wohl der Wirtschaft und die Wiederbelebung einer verwundeten Konjunktur. Ein Volk in der Krise, alle packen mit an: Weniger Beine-Hoch ist mehr Zupacken, weniger Ruhe ist mehr Stand. Oh Litauen, du erfolgreiche Nation, wie Phönix aus der Asche. Wer will schon von der Rente leben? Wer immer gearbeitet hat, kann schließlich nicht einfach damit aufhören: Travail – Opium unique. Um den kalten Entzug zu vermeiden, geht es auf dem heimischen Acker weiter. Pensionierte auf die Felder, wer faulenzt, verliert! Die Last der Krise auf den Schultern der Schwachen – die sind immerhin viele, da verteilt sich das Gewicht besser. Litauen, nordischer Leitstern, du bist uns von nun an erwähltes Vorbild, Zukunftsmodell, Vision. Aus Misere wird Maßstab: Eine Rentnerin, die sich den Einkauf im Supermarkt nicht leisten kann, ist nicht länger tragisch, sie ist beeindruckend. Galiauskiene äußert, sie hätte kein Mitleid mit den Griechen: „Ich bin dafür, dass man die Renten und Gehälter kürzen muss, damit sie endlich zu arbeiten beginnen und ihr Geld selbst verdienen müssen.“ Weniger Griechenland, mehr Litauen und alle Sorgen sind dahin. Mehr Nachrichten wären weniger Stuss gewesen.