Vernetzen, Teilen, Protestieren

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Mit diesem Button sollen Studierende Geflüchteten anzeigen können, dass ein Platz auf ihrem Ticket frei ist. (Foto: aGro)

Im Ruhrgebiet gibt es mittlerweile zahlreiche Projekte, in denen Studierende geflüchtete Menschen unterstützen können. Ob durch Sprachkurse, Spenden oder Buttons, die zur Mitfahrt auf dem Semesterticket einladen: Die Möglichkeiten sind vielfältig, aber oft unübersichtlich. An der Universität Duisburg-Essen (UDE) arbeitet eine Initiative von Studierenden seit einigen Wochen daran, solche Projekte in Zukunft besser zu koordinieren. Außerdem wird am kommenden Samstag in Essen dafür demonstriert, Geflüchteten mehr Möglichkeiten der Selbstverwaltung zuzugestehen.

Am Montag trafen sich bereits zum zweiten Mal UDE-Studierende, um studentische Hilfsprojekte in Zukunft besser zu vernetzen. Öffentichkeitsreferent Jonas Heidebrecht erzählt, wie es dazu gekommen ist: „Wir haben als AStA immer mal wieder von verschiedenen Projekten erfahren, ohne dass die unbedingt voneinander wussten – immerhin verteilt sich unsere Studierendenschaft ja auch auf mehrere Städte.“ Zunächst sei das Ziel, die Aktiven an einen Tisch zu bringen und die Projekte besser zu vernetzen. „Mittelfristig geht es dann auch darum, Studis, die noch nicht aktiv sind aber helfen wollen, schnell und unkompliziert einbinden zu können“, erklärt Heidebrecht. Während Studierende der Ruhr Universität Bochum bereits regelmäßige Sprechstunden in den Unterkünften durchführen und über ein Moodle koordinieren, an welchen Stellen Hilfe gebraucht wird, steht das UDE-Projekt gerade erst in den Startlöchern und ist offen für alle Interessierten. „Wir haben beim letzten Mal lose Gruppen gegründet, die sich jeweils in Duisburg und Essen einen Überblick verschaffen sollten – welche Unterkünfte gibt es, welche runden Tische, welche Projekte“, sagt AStA-Referent Heidebrecht.

Der AStA unterstützt außerdem die Aktion „Flüchtlinge mitnehmen“ der katholischen Jugendorganisation Young Caritas, die eine besonders niederschwellige Form der Geflüchtetenhilfe darstellt: Mit einem blauen Button an Kleidung oder Tasche können Studierende geflüchteten Menschen oder anderen Hilfsbedürftigen signalisieren, dass sie einen Platz auf ihrem Semesterticket rei haben. Die Buttons werden in den Sekretariaten und Umsonst-Schränken in den AStA-Fluren in Duisburg und Essen kostenlos verteilt. Ob sie allerdings von vielen Geflüchteten erkannt werden, muss sich noch zeigen. In den vergangenen Jahren scheiterten mehrere vergleichbare Initiativen linker Gruppen, die mit roten Buttons meist Druck gegen hohe Fahrpreise im ÖPNV machen wollten, an ihrem zu geringen Bekanntheitsgrad.

So wichtig ehrenamtliches Engagement in der jetzigen Situation ist, so wenig kann es an grundlegenden Problemen der deutschen Asylpolitik ändern. Angekommene bleiben für lange Zeit zum Abwarten verurteilt, ohne über ihr Leben selbst bestimmen zu können. Am kommenden Samstag ruft die Kampagne A.F.F.E. daher zu einer antirassistischen Freiraumdemonstration auf, die ab 13 Uhr vom Hauptbahnhof zur Villa Hügel ziehen soll. Die Kampagne sieht Thyssen-Krupp als Rüstungskonzern in der Verantwortung und fordert von diesem, einen leerstehenden Gebäudekomplex in der Frohnhauser Straße der Allgemeinheit für ein autonomes Refugee Welcome Center (RWC) zur Verfügung zu stellen. Shannon Lück erklärt: „Ein autonomes RWC bietet zum einen den hierher Geflüchteten die Möglichkeit, sich aktiv in das gesellschaftliche Leben einzubringen, anstatt im frustrierenden Lageralltag zu veröden.“ Für Samstag verspricht Lück eine bunte Demo mit Möglichkeiten zum Kennenlernen, Austausch, Musik und einem guten Plan: „Jeder Mensch, der die prekäre Lage von Flüchtlingen in dieser Stadt und anderswo anerkennt, sollte im Umkehrschluss die Notwendigkeit darin sehen, diese zu ändern. Das ist, was wir mit unserer Demo fordern.“