ALIBI für Unfug, Spaß und Widerstand

Triste Büroräume verwandeln sich gerade in einen kreativ -politischen Freiraum. (Foto: mal)

Triste Büroräume verwandeln sich gerade in einen kreativ -politischen Freiraum. (Foto: mal)

„Ich hab ein Haus, ein kunterbuntes Haus…“. Okay, ein Äffchen und ein Pferd fehlen noch, aber immerhin hat Essen nach langem Kampf einen Freiraum, der kreative, undogmatische und spektrenüber­ greifende linke Politik lebendig machen möchte: Am 27. Februar eröffnet das linke Zentrum ALIBI in der Gladbecker Straße 10, wenige Meter vom Essener Campus entfernt, seine Stube.

Wozu braucht Essen ein linkes Zentrum? Und was bedeutet überhaupt links? Abseits stereotyper Vorstellungen linker Lebensart geht es im ALIBI um eine kreativ-soziale Aneignung von Lebensraum, kollektive Kultur, das Hinterfragen von unterdrückenden Strukturen, einen konstruktiven Austausch von Menschen ohne Engstirnigkeit, Geschlechts- und Herkunftsgrenzen.

„Es fehlt oft an einem Treffpunkt, wo man unkommerzielle Angebote nutzen und sich vernetzen kann“, meint Arne, der Teil von ALIBI ist. Ob Vorträge, Workshops oder ein Beisammensein außerhalb der eigenen vier Wände – zu oft sind unkommerzielle Möglichkeiten an eine Mitgliedschaft bei Vereinen oder Kirchen gebunden. Eine lebendige Gesellschaft, ein Lebensraum, braucht aber die Beteiligung ihrer Bevölkerung. Dafür braucht man sichtbare Experimentierräume, findet Anabel Jujol. „Freiräume, wo Utopien ausprobiert werden, wo auch daran gescheitert werden kann, wo ausprobiert wird, wie unkommerzielle Projekte verwirklicht oder wie alternative kulturelle Experimente gemacht werden können.“

1_3 (1)Zusammen mit Janina Herff bildet sie die im Oktober gegründete parteilose Ratsgruppe Schöner Links, die sich die Räume in der Gladbeckerstraße mit ALIBI teilt. Alle Entscheidungen der Arbeit ALIBIs betreffend werden unabhängig von der Ratsgruppe in einem basisdemokratischen Plenum, das jede zweite Woche stattfindet, beschlossen. „Man muss nicht mit unserer Ratsgruppe sympathisieren. Wenn hier jemand sagt: Links was ist das? Oder: Parlamentarische Politik, oh Gott, hör mir damit auf. Diejenigen sind hier genauso willkommen“, sagt Janina Herff.

Schnittmengen zwischen ALIBI und Schöner Links bestehen trotzdem einige und diese wollen von beiden Seiten genutzt werden, sei es Feedback und ein Reflexionsraum für die Ratsgruppe als auch Einblicke in die parlamentarische Politik für die ALIBIs.

Kennen gelernt haben sich die verschiedenen Raumnutzer*innen vor allem durch künstlerische und politische Projekte, schließlich besteht die Freiraum-Bewegung, auch bekannt unter dem Namen „Kampagne-A.F.F.E.“, schon länger. Seit 2010 gab es verschiedene Versuche einen Freiraum für Kunst, Kultur und Politik zu schaffen. Ob 2010 die Besetzung der leerstehenden DGB-Zentrale, die Besetzung des Krupp-Geländes im Sommer 2014 oder die mehrtägige Besetzung der Hauptschule Bärendelle, die zur Bürgerinitiative und der Teilnutzung des Gebäudes führte (akduell berichtete).

Zur Party? Zur Party!

Ein eigener unabhängiger Treffpunkt für Veranstaltungen und Austausch schien der Gruppe längst überfällig. Die Räumlichkeiten in der Gladbecker Straße 10 kommen da wie gerufen. „Natürlich ist es jetzt nicht so groß wie ein AZ sein könnte, was Essen auch gut tun würde, aber es ist ein Anfang“, findet Arne von ALIBI. Und dieser Anfang muss gebührend gefeiert werden: Am Samstag, den 27. Februar, ab 18 Uhr und vollkommen kostenlos. Neben Livemusik von Experimentell (Fabs), Beatbox-Schabernack ( Ji- bel Jay), Funk (Maximizers) oder Hardcorepunk (Lily Havoc) und anschließender elektronischer Tanzmusik verschiedener DJ*s, wird es auch die ein oder andere kreative Überraschung mehr geben. Der Gedanke des linken Freiraums ist unkommerziell. Gegen eine mögliche Geldspende wird es Essen und Trinken geben.

Solch eine Party wird es dann eventuell jedes Quartal geben. Außerdem stehen ab März regelmäßig Kneipenabende mit einer Küche für alle, Bastel und Geräuschabende, Vorträge und Lachyoga an. „Bei unserem letzten Plenum war eine junge Frau, die Yogalehrerin ist und kein Geld hätte um sich Räumlichkeiten anzumieten. Auf Spendenbasis kann sie in unseren Räumlichkeiten jetzt ihre Lachyogakurse machen und sich da erstmal ausprobieren“, beschreibt Janina Herff eine der Möglichkeiten sich bei ALIBI zu beteiligen.

Nach und nach soll das Angebot erweitert und im besten Fall das ALIBI jeden Tag bespielt werden. Auch mit den Nachbar*innen möchte die Gruppe nicht nur zusammen leben, sondern auch arbeiten: Eine Kooperation mit dem AStA liegt gerade durch die Uninähe für Arne nah. „Eine Basis für eine linke Bewegung bündelt das Potential, was es an Leuten gibt und wir laden ein diesen Anlaufpunkt zum Kennen lernen und Austauschen zu nutzen.“ Die praktische Umsetzung möchte das ALIBI gerade durch Offenheit und Austausch mit Menschen verschiedenster Denkweisen erreichen. Widersprüche sind der Gruppe erwünscht! Dafür braucht es laut Anabel Jujol eben „Raum in den Köpfen, aber auch Raum in Quadratmetern.“