Wenn ich groß bin, werd‘ ich Licht-Double

Darf an keinem FIlmset fehlen: die gute alte Filmklappe. (Foto: Gerne)

Darf an keinem FIlmset fehlen: die gute alte Filmklappe. (Foto: Gerne)

Zugegeben, das hat wohl niemand von uns als Kind gesagt. Da war dann doch eher der Traum von der großen Bühne oder Hollywood im kleinen Kopf. Wenn man diesen Text gerade liest (oder schreibt), hat es vermutlich mit beidem nicht geklappt. Doch ein bisschen Filmluft schnuppern kann man auch, wenn es beruflich in eine völlig andere Richtung geht. Der Nebenjob mit Starallüren: Filmkompars*in.

Regisseur Sönke Wortmann (Kleine Haie, Der bewegte Mann) dreht bald wieder im Ruhrgebiet. 2002 wurde unter anderem in Duisburg und Krefeld bereits Das Wunder von Bern unter seiner Regie gefilmt. Für seinen neuen Film Sommerfest nach der Romanvorlage des Kabarettisten Frank Goosen wurden vergangenen Samstag, 30. April, in Bochum von der Casting-Agentur Eick bis zu 700 Kompars*innen gesucht. Sie sollen unter anderem als Besucher*innen eines Open-Air Konzerts und eines Fußballspiels die Filmszenen komplementieren. Über 1.500 Menschen stellten sich stundenlang in die Schlange quer durch den Bochumer Hauptbahnhof, um sich beim Casting beweisen zu dürfen. Das war dann im Gegensatz zu der Warteprozedur eine schnelle Aktion: Reinkommen, Fragebogen ausfüllen, Nummer bekommen, nett fürs Foto lächeln – und tschüss. Kein Glamour, keine Aufregung, kein großes Tamtam. Die Mitarbeiter*innen der Casting-Agentur reagierten auf die hektische Masse mit gelassener Professionalität, freundlich, aber stets kurz angebunden. Der Andrang, so eine Mitarbeiterin, sei wie erwartet. Und wie immer seien deutlich mehr Frauen als Männer gekommen. Weshalb es auch früh für die meisten Szenen hieß „Hier fehlen nur noch männliche Komparsen“ – schade um die viele Schminke.

Netter Nebenverdienst?

Unter den Menschen, die sich in der langen Schlange mit einreihten, kennen einige bereits das Kompars*innen-Geschäft. Ein Paar erzählt, dass sie schon 2002 bei Wortmanns Film Das Wunder von Bern mitgewirkt haben. Ob man sie da auch erkennen würde? „Wenn man sich ganz stark konzentriert, vielleicht ein paar Sekunden“, erzählt die Komparsin. Trotzdem seien die Drehtage spannend gewesen und eine nette Aufstockung des Urlaubgeldes. Für einen Drehtag bekamen die Kompars*innen für ständiges Winken am Bahnhof 80 Euro. Besonders interessant wäre die Verwandlung in die Zeit 1954 gewesen – Haare wurden geschnitten, Bärte abrasiert und die Frisuren der Frauen an die Zeit angepasst – „und das alles für diese paar Sekunden im Film, das war schon verrückt.“ Ein Drehtagebuch gab es als kleine Erinnerung für die Kompars*innen mit nach Hause, dann war der Ausflug ins Filmgeschäft wieder vorbei. Bleibt abzuwarten, ob sie auch im neuen Wortmann Film wieder mitwirken dürfen. Eine Zusage erhalten die Bewerber*innen für die Drehtage Ende Mai in Bochum-Wattenscheid, Mülheim an der Ruhr und Köln in den nächsten Tagen telefonisch.

Und es muss als Kompars*innenjob ja nicht die viel kritisierte Scripted Reality sein. Klar, von solchen Angeboten wimmelt es im Internet. Doch nur weil man keine Lust hat die „attraktive beste Freundin, einige Szenen werden nur in Unterwäsche gedreht“ zu mimen, heißt es nicht, dass Kompars*innenrollen per se nichts sind. Wie wäre es als Karrierestart zum Beispiel das Double von Carolin Kebekus beim Autofahren zu geben? Oder als Spurensicherer einmal durch den Tatort zu huschen? Auch wenn die Aufgaben, beispielsweise tonlos gestikulierend in einem Restaurant zu sitzen, auf den ersten Blick primitiv erscheinen, für das Bild in TV-Produktionen sind Statist*innen für die realistische Darstellung einer Szene enorm wichtig. Wer Interesse hat, sollte die Seite komparse.de immer mal wieder nach interessanten Angeboten checken. Und wer weiß, vielleicht winkt am Ende ja doch noch Hollywood.