Coworking: Zusammen ist man weniger allein

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Draußen und gleichzeitig drinnen: Das Kabü will entspannte Lernatmosphäre anbieten. (Foto: lenz)

Im Februar 2016 öffnete das Kabü im Essener Süden seine Pforten. Seitdem gibt es dort neben koffeinhaltigen Getränken und anderen Erfrischungen Kuchen, Snacks, Weine und das ein oder andere Designobjekt. Im Vordergrund steht jedoch das Konzept des Coworking Spaces. Auch für Studierende im Hausarbeitsstress kann das Café eine gute Anlaufstelle sein.

Zwei große Fensterfronten sorgen dafür, dass das Café lichtdurchflutet ist, die Eingangstür steht einladend offen. Man hat fast das Gefühl, draußen zu sitzen. Kein Vergleich zu einer fensterlosen Bibliothek, in der die Entlüftungsanlage vor sich hin summt. Es sind Klänge von Coldplay zu vernehmen — so laut, dass man seinen Gedankengängen nicht permanent beim Rattern zuhören kann,  leise genug um nicht zu stören und Menschen mit anderen musikalischen Vorlieben nicht zu vergraulen. Der Raum ist weitläufig und mit ein paar verwinkelten Ecken ausgestattet. Hier stehen die Tische nicht dicht an dicht, das Gespräch vom Nebentisch muss man nicht Wort für Wort mithören.

Gemeinsam büffeln

Das Schaffen der idealen Arbeits- und Lernatmosphäre ist eine schwierige Aufgabe, deren Bewältigung durchaus mehrere Semester in Anspruch nehmen kann. Brauche ich Ruhe oder leise Unterhaltungen im Hintergrund? Lernt es sich besser in der Gruppe als auf sich allein gestellt? Ist ein Internetzugang unumgänglich oder kontraproduktiv? Wie viel Prokrastination darf sein? Auf in die Bibliothek oder besser zu Hause bleiben?

Julian Kühn kennt das Problem: Er ist Musiker, Café-Betreiber vom Kabü — aber auch selbst Student. „Die Uni hat nicht für alle Leute die richtige Lernatmosphäre. In der Bibliothek darf man zum Beispiel nicht reden und guten Kaffee gibt es dort auch nicht. Und das ist ein ziemlich wichtiger Punkt: Wir waren lange auf der Suche für unseren Kaffee“, erzählt er.

Zusammen mit Igor Albanese, ebenfalls im Musikgeschäft tätig, entstand zunächst die Idee und dann folgte die Realisierung des Cafés: „Igor und ich kannten uns bereits. Wir haben beide nach einem Büro für unsere verschiedenen Projekte gesucht und uns erst gedacht, dass wir uns einfach zusammentun. Dann kam die Idee, auch Anderen diese Möglichkeit anzubieten. Daraus entstand dann letztendlich das Café.“ Hier kostet der Cappuccino mit 2,40 Euro rund einen Euro mehr als in der Uni-Cafeteria — dafür ist er jedoch tatsächlich besser und Sojamilch gibt es auch im Angebot. Und man muss ja auch nicht alle halbe Stunde einen trinken. „Auch wenn hier zusammen gearbeitet werden kann: so etwas wie Tischmiete muss man nicht zahlen. Das wurde in den Medien teilweise falsch dargestellt. Es funktioniert hier wie in einem ganz normalen Café auch — nur ist es nicht ganz so voll und laut“, stellt Julian fest.

Anna und Julian vom Kabü schaffen eine angenehme Atmosphäre (Foto: lenz)

Zur Namensgebung gibt es mehrere Auslegungen: „KaBü setzt sich zusammen aus ‚Kaffee‘ und ‚Büro‘, aber auch zusammengewürfelt aus unseren Initialen. Und zusammen ergibt es einen Ruhrpott-Reim: ‚Kabü anna Rü’. Das schließt auch unsere Lage, die Annastraße, mit ein und unsere Mitarbeiterin heißt ja auch Anna“, erklärt Julian. Für Zugezogene scheint die Lage des Cafés auf den ersten Blick erstmal nicht besonders zentral: Hauptbahnhof und Uni sind zwar mit der Tram-Linie 101 über die Haltestelle Cäcilienstraße zu erreichen, ein gewisse Distanz muss dabei aber schon überwunden werden. Julian sieht das anders: „Ich komme aus Essen. Ich finde, die Uni liegt nicht zentral. Die meisten Studierenden wohnen auch im Süden, Rüttenscheid oder Holsterhausen. Von daher ist die Lage hier sehr passend und auch zentral mit der Rüttenscheider Straße direkt um die Ecke.“

Design- und Kulturangebot

Das Interieur vom Kabü ist ständig in Bewegung: Verschiedene Firmen wie das Dortmunder Label Kobl oder Einzelpersonen stellen dort ihre Waren von Lampen über Sitzmöbel bis hin zu upgecycleten Lattenrosten aus. Diese können dann ganz normal genutzt, aber auch von interessierten Kund*innen gekauft werden. „Wer nach zwei Tagen wiederkommt, ist manchmal erstaunt, wie viel sich verändert hat: Die eine Lampe über der Theke ist durch eine andere ersetzt, neue Stühle gibt es auch“, beschreibt Julian den regen Wechsel. Das Café bleibt spannend und die Designer*innen haben auch etwas davon: „Das ist für die Ausstellenden natürlich schön: sie haben eine Platform direkt im Schaufenster in Rüttenscheid, eine gute Werbung“, sagt Julian.
Auch im Angebot des Cafés: kulturelle Veranstaltungen. Julian ist schon gespannt auf die nächste: „Mindestens einmal im Monat gibt es hier eine Veranstaltung. Am 24. Juni sind zum Beispiel zwei Jazz-Musiker aus Russland hier. Das Vintskevich-Duo hat eigentlich Weltrang und macht nur einen kurzen Abstecher, darüber freuen wir uns sehr!“

Info:

Annastraße 51
45130 Essen

offen montags bis freitags
11 Uhr bis 19 Uhr

nächste Veranstaltung:
Eckstage — Konzert im Kabü
mit dem Vintskevich Duo
(Jazz//Russland)
Freitag, 24. Juni, 20 Uhr bis 22 Uh