Nur Kohle im Kopf?

DSC_0219Ein Kommentar von Linda Gerner

„Glaub keinem der dir sagt, dass du nichts verändern kannst.
Die, die das behaupten haben nur vor Veränderungen Angst.
Es sind die Selben die erklären,
es sei gut so, wie es ist.
Und wenn du etwas ändern willst,
dann bist du automatisch Terrorist.“ (Die Ärzte – Deine Schuld)

Im Zusammenhang mit Klimaschutz auch von Terror zu sprechen war Ende vergangenen Jahres berechtigt. Die UN-Klimakonferenz im Dezember in Paris war überschattet von dem schrecklichen Terrorattentat in Frankreichs Hauptstadt am 12. November. Es herrschte Ausnahmezustand in Paris und die Proteste der Klimabewegung, die die Konferenz begleiten sollten, standen in Frage.

Angesichts dieses Beispiels ist es noch absurder, welche Wortwahl mehrere Landtagsabgeordnete der sächsischen CDU für die Bezeichnung der Klimaaktivist*innen, die am Pfingstwochenende den Braunkohleagebau in der Lausitz bei Berlin blockierten (akduell berichtete), finden: „Terroristen“ (Alexander Krauß), „Gewalttäter“ (Frank Heidan), „Klimarandalierer“ (Lars Rohwer). Abgesehen von der Tatsache, dass der letzte Neologismus zum Schmunzeln einlädt (auch wenn er in Bezug auf Braunkohletagebaue deutlich passender wäre), kann man bei solchen Formulierungen nur vermuten, dass die Herren von der CDU Sachsen am Vortag ihrer Reden im Landtag zu viel RTL2-News gesehen haben. Dort sind Übertreibungen schließlich auch ein gängiges Stilmittel.

Hätten sie sich stattdessen lieber mit der Organisation Ende Gelände sowie mit deren Aktionskonsens auseinandergesetzt und sich die vielen existierenden Videos der friedlichen Blockaden angesehen, wären sie bei Verallgemeinerungen wie „eine einzige Gewaltorgie“ vermutlich nicht vor überschäumender Wut, sondern vor Scham rot angelaufen. Wenn ein beschädigter Zaun eines Energieriesens aus Menschen Terrorist*innen macht und friedliche Gleisblockaden nun Gewalttaten sind – dann brauchen wir wohl dringend ein neues Vokabular für die Gräueltaten, die beispielsweise der IS täglich begeht.