Solidarität mit Gina-Lisa

Ein Kommentar von Simon Kaupen

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Ebenfalls Opfer des deutschen Volksmobs: Gina-Lisa Lohfink. (Foto: Dirk Vorderstraße/flickr.com/CC BY-NC 2.0)

Wenn sich der deutsche Volksmob erhebt, um Menschen kollektiv abzuurteilen, kann man sich in der Regel sicher sein, dass etwas falsch läuft. Das galt in der jüngeren Vergangenheit für Streikkönig Claus Weselsky, der am öffentlichen Pranger der Medien und in den Sozialen Netzwerke mit Hass und Gewaltphantasien überzogen wurde. Das gilt ganz aktuell auch für Gina-Lisa Lohfink.

Die ehemalige Germanys Next Topmodel Kandidatin war in der vergangenen Woche in den Schlagzeilen gelandet, nachdem sie ein Gericht in Berlin zur Zahlung von 24.000 Euro wegen mutmaßlich unrechtmäßiger Beschuldigung zweier Männer verurteilt hatte. Die 29-Jährige hatte die beiden bereits 2012 angezeigt. Der Vorwurf: Die Männer hätten sie mit K.O.-Tropfen betäubt und sich anschließend an ihr vergangen. Im Netz kursiert seitdem ein Video, das währendessen aufgenommen wurde. Lohfink sagt darauf laut hörbar immer wieder „Nein“ und „Hör auf“.

Wie zu erwarten, sorgte das aber zunächst nicht dafür, dass der Darstellerin in diversen Reality-TV Formaten öffentliche Anteilnahme zuteil wurde. Stattdessen wurde sie als „Luder“ und „Busenwunder“ betitelt, kurzum als gänzlich ungeeignet, Opfer einer Vergewaltigung zu werden. Mehr oder weniger unterschwellig klang ein „selbst Schuld“ in vielen Kommentaren zum Thema an.

Nun muss man weder Weselsky, noch Gina-Lisa Lohfink als angenehme Persönlichkeiten wahrnehmen, um sich mit ihnen zu solidarisieren. Wenn der deutsche Volkskörper in Facebook-Kommentarspalten die Ehre, den Anstand und die guten Sitten verteidigt, gilt es sich an die Seite der Opfer zu stellen. Weselsky wurde der Meute zum Fraß vorgeworfen, bei Gina-Lisa Lohfink keimte in den letzten Tagen doch noch ein wenig Hoffnung auf. Für Montag, 27. Juni, wurde in Berlin eine Demo zur Unterstützung angemeldet. „Vielen vielen vielen Dank für eure Unterstützung und die lieben Worte! Ich bin überwältigt!“, postete Lohfink anschließend.