Zwischen Collegeblock und Reiselust

Dietlind Saporito hat „einen ausgeprägten Ordnungssinn“ und mag die Arbeit im Essener Strebergarten. (Foto: Gerne)

Dietlind Saporito hat „einen ausgeprägten Ordnungssinn“ und mag die Arbeit im Essener Strebergarten. (Foto: Gerne)

Vor einigen Wochen haben wir eine neue Artikel-Reihe unter dem Titel Menschen vom Campus begonnen. Doch was bedeutet das genau? Müssen es Menschen sein, die fast jede*r kennt? Oder Menschen, die Besonderes für die Uni geleistet haben? Vielleicht auch einfach Personen, die durch ihre Anwesenheit die Uni komplementieren. Dieses Mal stellen wir Dietlind Saporito vor, die als Verkäuferin den  Strebergarten am Campus in Essen belebt.

Der Strebergarten ist der Schreibwarenladen direkt am Essener Campus und gehört seit 2011 fest zum Unialltag. Zu dem kleinen Laden im AStA-Gang kann man noch eben hin flitzen, wenn der Collegeblock mal wieder vollgeschrieben ist oder man einen Textmarker vergessen hat. Seit Januar 2012 arbeitet Dietlind Saporito dort in passiver Altersteilzeit. „Die Arbeit hier tut mir gut. Ich arbeite mit jungen Leuten zusammen, muss viel mit dem Kopf arbeiten, da ich mir bis zu 200 Preise im Kopf merke.“ Die ehemalige Telekom-Beamtin wurde von dem Schreibwarenhändler Karl Luke, der einen weiteren Schreibwarenladen auf der Segerother Straße hatte, im Dezember 2011 angesprochen, ob sie  im Strebergarten aushelfen könnte. Da Schreibwaren, wie sie betont „schon immer ihr Ding“ gewesen sind, sagte sie zu. Seit Januar 2012 steht die 66-Jährige zwei Mal die Woche  hinter dem Verkaufstresen. Die restlichen Tage der Woche arbeiten dort Studentinnen.

Spricht man mit Dietlind und beobachtet sie bei ihrer Arbeit, bemerkt man, dass sie nicht nur gut mit Schreibwaren kann. Ihr fällt es leicht mit den Kund*innen des Strebergartens ins Gespräch zu kommen, ihre fröhliche Art ist ansteckend. „Ich arbeite gern mit jungen Menschen zusammen“, sagt Saporito. „An manche Studenten kommt man nicht so ran, aber mit ganz vielen hab ich durchaus jeden Tag ein Pläuschen hier. Die begrüßen mich dann auch als wenn sie mich schon jahrelang kennen. Meine Stammkunden sind schon alte Bekannte.“ Das mag auch daran liegen, dass die Studierenden von Saporito wohl nie nur ein stures „Das macht drei Euro fünfzig“ zu hören bekommen. Glückwünsche für anstehende oder bestandene Prüfungen oder die Nachfrage, wie viel Arbeit dieses Semester ansteht, gehören bei ihr zum Verkaufsgespräch. Manche Student*innen, so erzählt Dietlind, kommen auch extra für eine Plauderei zu ihr in den Strebergarten. Ob Menschen Lust auf ein Gespräch haben, dafür hat sie inzwischen ein Auge. Dabei hat sie ein sehr positives Bild von den Essener Studierenden: „90 Prozent der Studenten sind sehr kommunikativ. Nur  zu manchen kriegt man keinen Zugang. Das sieht man dann aber schon wenn die reinkommen.“

Stimmung trotz Gewusel

Wenn Dietlind Saporito morgens um zehn Uhr das Rolltor hochfährt, warten manchmal schon einige Studierende davor, um einzukaufen. Das meist verkaufte im Strebergarten? Natürlich der Collegeblock, erzählt Dietlind. Und was war die skurrilste Nachfrage die sie in den fast fünf Jahren bekommen hat? „Ob wir auch Tampons haben, hat mal eine Studentin gefragt. Die haben wir leider nicht. Wir haben Tempotücher, Ohrstöpsel und Kartenspiele – falls es in der Vorlesung mal langweilig wird, aber keine Tampons. Ich wollte meinen Chef darauf noch ansprechen. Ich könnte ja hinten ein paar für Notfälle liegen haben“, sagt Saporito. In den Stoßzeiten nach und vor den Vorlesungen ist der Strebergarten meist gut besucht: „Es ist oft wuselig, auch stressig, besonders zu Semesterbeginn. Manchmal kommen wir da gar nicht nach mit dem Nachräumen.“ Die Stimmung in dem kleinen Laden möchte sie jedoch gemütlich gestalten: „Morgens mache ich immer erstmal Musik an. Radio Essen wird hier immer gehört. Damit auch ein bisschen Atmosphäre ist“, erzählt Dietlind.

Kreuzworträtsel und Bella Italia

Steht Dietlind Saporito gerade nicht hinter dem Tresen des Strebergartens dann löst sie gerne „exzessiv Kreuzworträtsel“ und reist viel. Den Großteil ihrer Urlaube verbrachte sie innerhalb Europas, dabei fährt sie regelmäßig  in die Heimat ihres Mannes zur Großfamilie nach Italien, aber auch nach Thailand und im letzten Jahr zu den kapverdischen Inseln in Afrika hat es sie schon verschlagen: „Ich muss immer rumreisen. Mich reizt es, alles kennen zu lernen. So exotische Länder wie Thailand sind natürlich besonders interessant, aber auch im Urlaub auf Kreta liegen wir nicht nur am Strand, sondern machen viele Ausflüge.“

Wenn Dietlind Saporito Feierabend im Strebergarten hat, nimmt sie den Bus zu ihrem Wohnort in Essen-Borbeck: „Das ist meine Heimat. Meine ganze Familie wohnt hier und da ist auch niemand weggezogen. Der Stadtteil Essen-Borbeck hat für mich einen besonderen Reiz. Er ist klein, gemütlich und es ist nicht so ein Wusel wie in der Innenstadt.“ Hier lebt sie gemeinsam mit ihrem Mann und auch ihre beiden Kinder, ihre eigene Mutter sowie die meisten ihrer Geschwister leben in der Nachbarschaft. Im Oktober dieses Jahres wird Dietlind Saporito zum ersten Mal Oma. Darauf freut sie sich, denn das „hat auch lange genug gedauert.“ Im Strebergarten wird sie für die Studierenden in Essen auch in Zukunft noch anzutreffen sein: „Ich hab gesagt, wenn ich es körperlich schaffe, dann würde ich gerne bis ich 70 bin hier arbeiten“, sagt Dietlind Saporito strahlend.


Der Strebergarten in Essen hat für euch von Montag bis Freitag immer zwischen 10 und 15 Uhr geöffnet. Ihr findet ihn linkerhand zum Eingang des Mensa- Foyers im AStA-Gang.