34 Cent – Ein Kommentar

Auch Kleinvieh macht Mist? (Foto: Mark_K_ https://www.flickr.com)

Auch Kleinvieh macht Mist? (Foto: Mark_K_ https://www.flickr.com)

Da hatte die Mindestlohnkommission ja mal richtig die Spendierhosen an. Um ganze 34 Cent wird der Mindestlohn ab Januar 2017 von bisher 8,50 Euro auf 8,84 Euro erhöht. Gerechtfertigt wurde die Erhöhung durch den ermittelten Tarifindex, in den rund 500 Tarifverträge einfließen und an dem sich der Mindestlohn orientiert. Den deutschen Gewerkschaften sei Dank. Dennoch bleibt der Mindestlohn
weiter hinter denen anderer westeuropäischer Länder zurück, beispielsweise Luxemburg, Belgien oder Frankreich.

Was man mit den 34 Cent alles kaufen kann? Das hat sich die taz auch schon gefragt. Die Antwort: Fast einen Liter Milch, ein Drittel einer Eiskugel oder eine einzelne Zigarette in Deutschland. Vollzeitbeschäftigte mit einer 37,5 Stundenwoche haben am Ende des Monats durch die Erhöhung zirka 55 Euro brutto mehr in der Tasche, rechnet der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) vor. Das reicht aber
nicht einmal für eine Monatskarte bei den örtlichen Verkehrsbetrieben oder eine vernünftige Winterjacke. Und das trotz der momentan geringen Inflationsrate.

Die Erhöhung des Mindestlohns macht es mal wieder deutlich: Es geht ums „über die Runden kommen“. Und mit den 34 Cent mehr pro Stunde könnten nun einige Menschen „besser über die Runden kommen“, hat Sachsens DGB-Chefin Iris Kloppich gesagt. Die 34 Cent helfen vielleicht ein wenig für den Moment, für diese Runde, für diesen Monat. Was ist aber danach? Vor Altersarmut schützen sie nicht. Einer Rechnung der Partei Die Linke zufolge müssten Vollbeschäftigte einen Stundenlohn von mindestens 11,68 Euro erhalten, um nach 45 Erwerbsjahren eine Rente zu erhalten, die oberhalb der Grundsicherung liegt.

Was in aller Deutlichkeit gesagt werden muss: Diese Kritik richtet sich nicht gegen den Mindestlohn per se. Er soll zur Sicherung von Existenzen beitragen, ein honoriges Ziel. Dass aber Existenzen auch über das Leben als Arbeitnehmer*in hinausgehen können, scheint vergessen zu werden. 2019 kommt es zur nächsten Erhöhung – dass Menschen dann später mit ihrer Rente davon leben können, bleibt zu
bezweifeln. Aber für die nächsten Runden soll es wohl wieder reichen, werden die Gewerkschafter*innen dann sagen.