Auftakt mit Fanfaren

Fanfare Ciocârlia: Legten vergangenen Sonntag, 28. August, in Dortmund los. (Fotos: lenz)

Fanfare Ciocârlia: Legten vergangenen Sonntag, 28. August, in Dortmund los. (Fotos: lenz)

Djelem Djelem, die internationale Rom*nija-Hymne, ist Namensgeberin des Festivals. Zunächst bloß ein Liebeslied von vielen, wurde Djelem Djelem von Žarko Jovanović neu vertextet und gewann eine politische Dimension: Beschrieben wird dabei die Vertreibung und Ermordung von Rom*nija durch kroatische Faschist*innen. Auch das Festivalprogramm beschränkt sich nicht auf Kunst und Kultur, sondern es werden auch Konflikte und Probleme thematisiert. Der Auftakt war jedoch eine große Party, auf der das Tanzbein geschwungen und den heißen Sommertemperaturen getrotzt wurde.

Auf eine über zwanzigjährige Bandgeschichte und weltweite Erfolge kann Fanfare Ciocârlia zurückblicken. Sie spielten etwa in Japan, Australien, Großbritannien und Neuseeland. Alle Mitglieder kommen aus dem Dorf Zece Prăjini, das im Nordosten Rumäniens liegt und im Jahr 2002 gerade einmal 400 Einwohner*innen zählte.

Vom Dorf auf die internationale Bühne

Vor ihrem internationalen Durchbruch waren sie die Dorfkapelle und traten in der Umgebung auf. In einem Dokumentarfilm über die Band wird um die Herkunft der Musiker ein Mythos gesponnen: Dort wird berichtet, dass Dorf sei auf keiner Karte zu finden und hätte auch keine eigene Bushaltestelle – man müsse einfach irgendwann aus dem noch fahrenden Bus springen, wolle man dorthin gelangen. Zumindest Google Maps ist jedoch in der Lage, das verwunschene Dorf aufzuspüren.

Vergangenen Sonntag, 28. August, trat die nun weltweit bekannte Balkan Brass Band Fanfare Ciocârlia aus Rumänien im Dortmunder Jazzclub domicil auf. Von der ersten Minute elektrisierte die zwölfköpfige Band und ließ das Trommelfell erbeben, die Besucher*innen tanzten und klatschten ausgelassen. Eine Bandbreite des körperlichen Ausdrucks bot sich dar: Paartanz, mit den Hüften kreisen, Gruppentanz mit der ganzen Familie im Kreis oder auch verhaltenes Mitwippen. Fanfare Ciocârlia animierten zum Hinknien, Hüpfen und Klatschen, worauf das heterogene Publikum gewillt einging. Nach einer Stunde vollgepackt mit Trompeten, Trommel und Posaunen gönnte die Band sich und den Zuschauer*innen eine Verschnaufpause, die meisten nutzten sie, um sich an die frische Luft zu begeben.

Born to be wild  

Es ging atemlos dort weiter, wo vor der Pause aufgehört wurde. Ruhigere Parts wurden von einem älteren Bandmitglied mit Hut gestaltet. Seine Balladen ließen das Herz schwer und die Gedanken wehmütig werden. Doch Zeit um sich diesen Gefühlen hinzugeben, gab es nicht — im nächsten Trommelwirbel verschwanden sie wieder und es wurde weitergetanzt. Die musikalische Anspielung auf Mr. Lover Lover wurde vom Publikum verkannt, doch als sich der Abend von Fanfare Ciocârlia dem Ende zuneigte, erschallte eine Coverversion von Born to be wild, die die meisten Besucher*innen dankbar annahmen. Als Zugabe boten die zwölf Musiker unter anderem die James Bond Titelmelodie dar. Die Hitze im schlecht klimatisierten domicil forderte gegen Ende des Konzerts ihren Tribut: ein älterer Mann kollabierte im Saal und wurde von einer der Veranstalter*innen betreut. Nach zwei Stunden Druckluftbetankung war Schluss, die dort entstandenen Ohrwürmer und Beats bleiben.


kommende Veranstaltungen von Djelem Djelem:

Königreich Nordstadt
Freitag 02. September 2016 um 18:00 Uhr, Eintritt frei, Theater im Depot
Eine Performance mit Tanz-, Foto- und Videodarbietungen,
Lebensgeschichten von Kindern aus der Dortmunder Nordstadt

Der Eremit
Freitag 02. September 2016 um 19:00 Uhr, Eintritt frei,
Lesung und Diskussion mit Ruždija Russo Sejdović

SCHWARZBROT
Samstag, 03. September 2016 um 20:00 Uhr, Theater im Depot, Eintritt frei
Theaterstück von Davor Spisic über Abschiebung

Aktiv, weiblich, Romni
Montag, 5. September 2016 um 18:00 Uhr, Auslandsgesellschaft NRW, Großer Saal, Eintritt frei
Roma Frauen im Gespräch – Podiumsdiskussion mit Sabina Salimovska (Berlin), Elena Predjuka (Dortmund), Fatima Hartmann (Köln, Moderation)
Mit einem kleinen Imbiss, einem musikalischen Ausklang und der Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen.

Vom Traum zur Realität
Dienstag, 06. September 2016 um 19:00 Uhr, sweetSixteen, Eintritt frei
Filmvorführung des Dokumentarfilms in Originalsprachen (deutsch, rumänisch, türkisch) mit deutschen Untertiteln.

Zur Lebens- und Arbeitssituation der Roma in Dortmund
Mittwoch, 07. September 2016 um 18:30 Uhr, Dietrich-Keuning-Haus, Eintritt frei
Diskussionsveranstaltung mit den Städtischen Gesellschaften EDG – Entsorgung Dortmund GmbH, der DOGEWO21 und dem Haus der europäischen Roma, Romano Than e. V.

Aufenthalts- und sozialrechtliche Fragen bezüglich der Zielgruppen EU-Zuwanderer und Flüchtlinge
Donnerstag, 08. September 2016 von 09:30 – 18:00 Uhr, Theater im Depot, Eintritt: 20 Euro
Fortbildung & Podiumsdiskussion
Anmeldung erforderlich unter m.joekale@awo-dortmund.de.

Ausstellungseröffnung ROMA
Donnerstag, 08. September 2016 um 18:00 Uhr, Halle im Depot, Eintritt frei
Fotoausstellung in Kooperation mit dem FREELENS Verband

Blockparty mit Gipsy Mafia feat. Castro, SBK Basement und Style Revolution
Freitag, 09. September 2016 um 18:00 Uhr, Dietrich-Keuning-Haus, Eintritt frei
Konzert

Balkanparty mit DJ Click und „Projekt Rakija“
Samstag, 10. September 2016 um 21:00 Uhr, Dietrich-Keuning-Haus, Eintritt frei

Familienfest auf dem Nordmarkt
Sonntag, 11. September 2016 von 14:00 bis 17:00 Uhr, Nordmarkt Dortmund
Mit kulinarischem und musikalischem Angebot (Deno Records, BalkanBrassBand Deutschland, Überraschungsact), Informationen zu Beratungs- und Integrationsangeboten von lokalen Akteuren und Spielangebote für Kindern.

Lulo Reinhardt Duo
Sonntag, 11. September 2016 um 18:00 Uhr, Torhaus, Eintritt: AK: 8 € / 6,50 € erm. (Schüler und Studierende)
Konzert von Lulo Reinhardt (Gitarre) und Uli Krämer (Perkussion)

Gadjo Dilo – Geliebter Fremder
Sonntag, 11. September 2016 um 19:00 Uhr19:00 Uhr, sweetSixteen, Eintritt frei
Filmabend im sweetSixteen Kino im Depot