Burbach: Schleppende Aufklärung

Das mutmaßliche Opfer im Gespräch mit der akduell. (Foto: Jana Klein)

Das mutmaßliche Opfer im Gespräch mit der akduell. (Foto: Jana Klein)

Wieder hat es in der Burbacher Erstaufnahmeeinrichtung Übergriffe von Personal auf Geflüchtete gegeben. Die Aufklärung kommt seit zwei Monaten nur schleppend voran. Das liegt mutmaßlich nicht nur an mäßigem Interesse seitens der Strafverfolgung, sondern auch daran, dass hinter einigen Mitarbeiter_innen des Heims ein Rocker_innennetzwerk steht.

Von Gastautorin Jana Klein

Die Liste der Vorwürfe, die Mitarbeiter_innen der EAE Burbach bei Siegen gemacht werden, wird immer länger. Systematisch sollen sich Securitys alleinstehende Frauen untereinander aufgeteilt und zugeschanzt haben. Es steht der Verdacht im Raum, dass sie mit Alkohol und falschen Versprechungen hinsichtlich ihrer Asylverfahren gefügig gemacht worden sind. Mindestens ein Fall einer Entführung mithilfe von K.O.-Tropfen und Vergewaltigung ist zudem Gegenstand von Recherchen und Ermittlungen – bei Polizei, Presse und einer von der Bezirksregierung eingerichteten „Task Force“.

Öffentlich bekannt geworden waren die Vorwürfe Ende Juni, als zwei Zeugen aus dem Heim gedrängt und schließlich in Bonn auf der Straße gestrandet waren. Da liefen bereits seit drei Wochen polizeiliche Ermittlungen, ins Rollen gebracht durch einen Whistleblower, der für die Bezirksregierung Arnsberg in der Einrichtung tätig war. Die beiden albanischen Brüder, die anschließend vom Verein Refugees Welcome Bonn untergebracht wurden, berichteten von den Burbacher Zuständen, einer will zudem Augenzeuge des Angriffs mit K.O.-Tropfen gewesen sein. akduell konnte mit den Brüdern, der Geschädigten, dem Mitarbeiter der Bezirksregierung sowie mit weiteren Zeugen sprechen. Einstimmig zeichnen sie ein düsteres Bild von der Situation im Heim, die von Recherchen gestützt wird. Neben verwaltungstechnischer Willkür und dem systematischen Unterlaufen auferlegter Sicherheitsregeln scheint das Heim in die Fänge organisierter Kriminalität geraten zu sein.

Ziehen Rechte und Rocker_innen die Fäden?

Einige der Täter_innen und Mitwisser_innen, die für das Deutsche Rote Kreuz in der Heimleitung oder für die Siegener Security-Firma BEWA in Burbach tätig sind, stehen zusätzlich noch über einen rechten Motorradclub zueinander in Verbindung. Die Rocker_innen, die sich „Iron Order“ zurechnen, posieren im Internet in Kutten und mit einschlägigen Symbolen, viele von ihnen tragen zudem offen ihre rechtsradikale und rassistische Gesinnung zur Schau. Der aus den USA stammende Club rekrutiert sich vornehmlich aus Mitarbeiter_innen von Security, Justizvollzug, Polizei und Militär. Es steht dort immer wieder der Verdacht im Raum, dass kriminelle Machenschaften durch Kontakte in die Strafverfolgung gedeckt worden sein könnten. Mitarbeiter_innen der Firma und des Burbacher Heims zeigen sich bei Facebook mit rechten Tättowierungen, verteilen Likes bei NPD und AfD, man positioniert sich gegen die Geflüchteten, zu deren Wohl man eigentlich arbeitet, oder für Putins Russland. Die Bezirksregierung hat inzwischen eingeräumt, dass die umfassenden Checks, denen die Mitarbeiter_innen ihrer Einrichtungen unterzogen würden und wegen derer sie die Vorwürfe zunächst vorsichtig zurückgewiesen hatte, sich nicht auf Facebookprofile bezögen. Es liegen Screenshots vor, die Kontakte führender Securitys und Rocker_innen zu Siegener Polizeibeamten belegen.

Mauern und Vertuschen

Mit Rechercheergebnissen konfrontiert, prüft die Siegener Polizei gegenwärtig die Aufnahme eines Verfahrens wegen der Vortäuschung von Straftaten. Den beiden Zeugen seien in Burbach laut Eigenaussage SIM-Karten in ihr Gepäck geschmuggelt worden, ehe eine polizeiliche Durchsuchung veranlasst wurde. Daran anschließend war aber kein Verfahren eröffnet worden, vor Ort sei kein Verdacht einer Straftat für die Polizei feststellbar gewesen. Auch da dies mutmaßlich nicht der einzige Versuch war, den Zeugen Straftaten unterzujubeln, und weil nach Bekanntwerden der Vorwürfe nachweisliche Falschbehauptungen zur Diskreditierung von Zeug_innen und Whistleblower aufgestellt worden sind, dürfte nun dem Verdacht von Straftaten mit Verdunklungsabsicht nachgegangen werden. Dazu passt, dass die Securityfirma ihre Facebook-Seite deaktiviert und Mitarbeiter_innen ihre Arbeitsplatzangaben entfernt haben, als sie von den Social-Media-Recherchen erfuhren.

Ähnliche Vorwürfe gegen DRK in Warendorf bei Münster

Bereits 2014 hatte es in Burbach und im benachbarten Bad Berleburg einen Skandal wegen Übergriffen auf Heimbewohner_innen gegeben. Vor kurzem kam es in einem ersten Gerichtsverfahren zu zwei Verurteilungen. Die Prüfung aller Vorwürfe und Vorgänge, der Anzahl nach dreistellig, nähert sich dem Abschluss, allerdings wird davon ausgegangen, dass viele Zeug_innen Deutschland bereits verlassen haben. Zwischen der DRK-Heimleitung und der BEWA-Security hat es in der Region fragwürdige Personal-Rotationen gegeben, ein früherer DRK-Leiter musste die Einrichtung nach Bekanntwerden sexueller Kontakte zu einer Asylbewerberin verlassen. Ähnliche Vorwürfe wie in Burbach wurden nun gegen das DRK in Warendorf bei Münster laut. Außerdem ging das Siegener Jugendamt kürzlich dem Verdacht von Kinder- und Jugendprostitution in der Notunterkunft Siegen nach, einem Ort, an dem auch die BEWA eigentlich hätte für Sicherheit sorgen sollen.