Des Wahns Geschwister

Schmierereien im Mainer AStA-Keller: Nur eine von vielen antisemitischen Vorfällen  an der Uni. (Foto: ska)

Schmierereien im Mainzer AStA-Keller: Lionsgate verweist dabei auf ein Attentat in Jerusalem, bei dem am Lions Gate, einem der vier Altstadttore, ein Mensch getötet wurde. (Foto: ska)

Ein Mitglied der Kölner Jusos wird beim Einkaufen angespuckt und als „Zionistenschwein“ beschimpft. Auch in Mainz werden Mitglieder einer Hochschulgruppe immer wieder antisemitisch ausfällig. Die Personen, die dafür verantwortlich sind, bezeichnen sich selbst als Antirassist*innen. Was passiert da an deutschen Hochschulen?

Am 23. Juli ging die Juso-Hochschulgruppe Köln mit einem Statement an die Öffentlichkeit. Ein Mitglied wurde außerhalb des Campus Ziel einer Attacke. „Stellt euch vor, ihr lauft abends durch den Supermarkt und werdet von jetzt auf gleich angesprochen, man spuckt euch mitten ins Gesicht und beleidigt euch dazu“, schreiben die Jusos. Nur wenige Wochen zuvor kam es an der Johannes-Gutenberg Universität in Mainz zum Eklat. Der Streit zwischen der dortigen People of Colour (PoC)-Hochschulgruppe und Teilen des Allgemeinen Studierenden Ausschuss (AStA) eskalierte rund um ein antirassistisches Festival erneut, auch hier ging es um Antisemitismus. Um zu verstehen, was in beiden Fällen vor sich geht, bedarf es der Vorgeschichte.

Es dürfte, je nach Stadt, vor gut fünf bis zehn Jahren gewesen sein, als der Ansatz der Critical Whiteness auch die deutschen Unis erreichte. In der kritischen Weißseinsforschung geht es um die Hautfarbe, die den Status einer Person markiert. Die weiße Hautfarbe stellt dabei eine hegemoniale Machtposition dar, eingebettet in eine von Anhänger*innen bezeichnete White Supremacy. Dabei ist Critical Whiteness keine klar umrissene Theorie, sondern wird von verschiedenen Gruppen und Personen unterschiedlich interpretiert. Im universitären Kontext vor allem in Verbindung mit sogenannten People of Colour Gruppierungen, die sich seit einigen Jahren in vielen Städten gründen. So etwa in Köln, Düsseldorf, Bonn, Frankfurt und Berlin.

Und eben in Mainz, wo sich eine der artikuliertesten Gruppen organisiert hat. Deren Gründerin Emine Aslan ist eine der zentralen Figuren des PoC-Netzwerks. „Of Colour“ sind, nach Interpretation der Gruppierungen, Menschen, die nicht weiß sind. Auf dem Ankündigungsplakat des Ausländer-Lesekreis in Köln ist die Personengruppe, welche zur Teilnahme an selbigem berechtigt ist, wie folgt definiert: „Schwarze, Schwarzköpfe, Muslime, Asiaten – kurz: Ausländer oder People of Colour kommen zusammen.“ Dabei scheint der Islam die einzige Religion zu sein, deren Bekenntnis einen gleichzeitig auch zum „Ausländer“ macht.

Und für die Rechte der „Ausländer“ wird mit Verve gestritten, nicht ohne sich dabei immer wieder des eigenen Antisemitismus zu entlarven. So etwa auch Emine Aslan von der PoC-Gruppe aus Mainz, Mitunterzeichnerin von #ausnahmslos und stramme Antizionistin. Über ihre Accounts in den sozialen Netzwerken offenbarte sie ihre Unterstützung für die Israel-Boykott-Kampagne BDS, teilte Propaganda der Seite Electronic Intifada und likte Witze über den Jüd*innenmord in Israel im Zuge der derzeit laufenden sogenannten dritten Intifada. Aslan bezeichnet sich selbst als Feministin.

Sie hat zudem Verbindungen zu den deutschen Muslimbrüdern, die bislang eher nicht mit emanzipatorischen Einlassungen aufgefallen sind. Das darf als Paradoxon der Szene gelten, wo man sich seine Ideologien wie im Gemischtwarenladen zusammen sucht. Alles geht: Islamismus, Queer-Feminismus, Postkolonialismus, Antizionismus, Antirassismus.

Der Witz den Aslan auf Facebook geliket hat, wurde von Asmaa A. gepostet, der Organisatorin des Ausländer-Lesekreis in Köln. Diese hatte sich den Scherz erlaubt zu schreiben „Still feel like Allyah? No? I thougt so.“ und diesen mit den Hashtags 3rdIntifada und AlQuds versehen. Die Alija bezeichnet die jüdische Einwanderung oder Rückkehr nach Israel, die nun, ganz zur Freude von Aslan und Asmaa A., durch Messerattentate und Angriffe auf Jüd*innen nicht mehr ganz so attraktiv scheine.

Jedoch ist es kein Zufall, dass Aslan und Asmaa A. denselben Humor teilen. Ihre Gruppen sind personell und finanziell eng verbunden, weiß AStA-Referent Sebastian Bauer aus Mainz zu berichten. „Da sie ihre Vorträge oder Veranstaltungen mit Geldern der Studierendenschaft unterstützen lassen, laden sich Angehörige verschiedener PoC-Gruppe auch oftmals gegenseitig ein, um so finanzielle Mittel zu akquirieren“, so Bauer.

Auch Asmaa A. finanziert ihren ideologischen Kampf mit Geldern des Kölner AStAs, wo sie sich für das Antidiskrimierungsreferat zuständig zeigt. In ihrem halböffentlichen Reader für den Ausländer-Lesekreis finden sich neben Fanons Die Verdammten dieser Erde auch Zitate des Führers der Uhuru-Bewegung Omali Yeshitela, dessen Texte vor völkischen und rasse-antisemitischen Ausführungen strotzen. So wird der Holocaust als „diese Sache die sie Shoah nennen“ relativiert und als Waffe der Weißen, Imperialisten und Kolonialherren gegen die Unterdrückten interpretiert.

Der AStA in Köln muss sich die Frage gefallen lassen, wie er eine solche Referentin in seinen Reihen dulden kann und diese zudem über finanzielle Mittel der Studierendenschaft verfügen kann.