Gruseln wie früher

Zum Fürchten? Die neue Thriller-Serie Stranger Things auf Netflix soll die Zuschauer*innen schocken. (Screenshot: bjg)

Zum Fürchten? Die neue Thriller-Serie Stranger Things auf Netflix soll die Zuschauer*innen schocken. (Screenshot: bjg)

Wenn es eine Sache gibt, die die meisten Fernsehsender gemeinsam haben, dann ist es das stetige Übertrumpfenwollen mit noch besseren und noch erfolgreicheren Serien. Dem möchten die bekannten Online-Videotheken natürlich in Nichts nachstehen, haben sie das lineare Fernsehen in manchen Haushalten sowieso schon längst abgelöst. Streaming-Dienst Netflix trumpft momentan mit einer Thrillerserie auf, die viele SciFi- und Horror-Klassiker unterschwellig in ihre Handlung mit einbezieht.

Stranger Things heißt die neueste Produktion aus dem Hause Netflix, die seit nun mehr als zwei Wochen beim Video-On-Demand-Anbieter verfügbar ist. Das Setting könnte nicht simpler sein. Im Jahre 1983, in der Kleinstadt Hawkins im Bundesstaat Indiana, verschwindet ein Junge. Während sich die drei besten Freunde des verschwundenen Will Byers (gespielt von Noah Schnapp) auf eigene Faust auf die Suche machen, schlägt Mutter Joyce (gespielt von Winona Ryder) bei der Polizei Alarm. Doch genau ab hier beginnt man als Zuschauender*, sich hinter dem eigenen Couchkissen zu verstecken. Die drei Teenager stoßen in einem abgelegenen Waldstück auf ein Mädchen mit kurzgeschorenem Haar, dessen Name schlicht „Eleven“ lautet. Auch, weil sie diese Zahl als Tätowierung auf ihrem Unterarm trägt. Wenig später verschwindet noch ein weiterer Teenie, genretypisch auf sehr mysteriöse Art und Weise. Die Figuren gelangen somit alle in eine Art kafkaeskes Gebilde, das sich aus (natürlich streng geheimen) Experimenten der Regierung und übernatürlichen Vorkommnissen zusammensetzt.

Die Serie schwankt die ganze Zeit zwischen einem Mysterywerk, dem klassischen Horrorfilm, bei dem es ‚Das Böse‘ auf Teenies abgesehen hat, und einem klischeehaften US-Highschool-Drama. Dabei ist sie eine Goldgrube für alle Fans, die die Kultfilme E.T., Stand by me, Goonies, Poltergeist, Nightmare on Elm Street, Der Blob oder Alien in- und auswendig kennen. In Stranger Things gibt es nämlich eine Vielzahl von Anspielungen der Klassiker im Subtext. Alleine auch die Episodentitel „Die Leiche“, „Grausame Nacht“, „Die Badewanne“ und „Das Monster“ lassen auf typische Horrorszenarien schließen, die jeden Serienfan kurz mal hochschrecken lassen.

Mehr als ein nostalgischer Ausflug

Aber nicht nur die Filmanspielungen lassen in Erinnerungen schwelgen, oft ist es auch das Rückbesinnen an eine Zeit, in der ‚der Schrecken‘ noch etwas beherrschbarer war. Da gab es dann eine technische Errungenschaft, einen Apparat, der ‚Das Böse‘ einfach in das Jenseits oder wohin auch immer verbannt. Als ehemalige Verheißung den Menschen in eine bessere Zukunft zu begleiten, ist der Begriff der Technik oder des Fortschritts längst nicht mehr unschuldig, sondern hat sein Eigenleben entwickelt. Es wird die zugegeben sehr aktuelle Frage aufgeworfen: Wo hört der Mensch auf und wo fängt die Maschine an? Eine Frage, die bei Stranger Things nicht unbedingt beantwortet wird, da man sich eben in einer nostalgischen Szenerie befindet, in der die Grenzen zwischen den Menschen und den ‚bösen Wesen‘, die ‚Das Böse‘ erschaffen, nicht verschwunden, sondern klar definiert sind.

Nichtsdestoweniger beschäftigen sich aktuelle Serienschaffende mit dieser Thematik und bringen im Oktober dieses Jahres die Serie Westworld über den Sender HBO an den Start. Hier rächen sich die Maschinen an den Menschen, zu viel verraten wird jedoch nicht. Bis dahin heißt es erstmal Popcorn machen, das Wählscheiben-Telefon aus der Buchse klemmen und am besten guten Freund*innen und sehr vielen Kissen zum Verstecken auf dem heimischen Sofa Stranger Things anschauen ­­­– und vor allem: gruseln!