Bootstour, Bier und Burak: Rückblick auf zwei Jahre Senat

Papier über Papier: Die Senatsdokumente stapeln sich nur so bei den Mitgliedern. (Foto: mac)

„Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich begrüße Sie ganz herzlich zum diesjährigen Universitätsempfang hier auf dem Baldeneysee!“ Mit diesen Worten eröffnet Rektor Ulrich Radtke offiziell die Bootstour des Senats. Sie bildet einen alljährlichen Höhepunkt für alle Mitglieder des Gremiums. Doch nach zwei Jahren studentischer Interessenvertretung ist für mich jetzt Schluss. Ein Erfahrungsbericht aus zwei Perioden im Senat der Universität Duisburg-Essen.

Von Gastautor Felix Groell

2015 waren wir Senatsmitglieder – wie in jedem Sommer – zusammen mit den innerhalb eines Jahres neuberufenen Professor*innen zur Bootstour in den Duisburger Hafen eingeladen. Das Wetter war damals deutlich besser als in diesem Jahr. Aber das Bier ist auch hier am Baldeneysee in Essen kalt und kostenlos. Deshalb bin ich ja auch eigentlich hier.

Nein. Natürlich bin ich hier, weil ich 2014 erstmals in den Senat gewählt und im Folgejahr wiedergewählt wurde und nur deshalb eine Einladung erhalten habe. Die Wahlperiode des aktuellen Senats geht am 30. September zu Ende. Ich habe viele solcher Einladungen in dieser zweijährigen Wahlperiode erhalten. Als Mitglied des Senats für die Gruppe der Studierenden wurde ich zum Beispiel zur Verleihung eines Dissertationspreises der Sparkasse Duisburg eingeladen. Ich hätte aber auch zur Verleihung des Gottschalk-Diederich-Baedeker-Preises in Essen gehen können. Einladungen zu Vorträgen des Instituts für Ostasienwissenschaften boten mir außerdem ein alternatives Vorlesungsprogramm an. Diverse Verleihungen zu Ehrendoktor*innenwürden ebenso. Übrigens: Erst kürzlich wurde ich in die Philharmonie Essen zum Konzert des Essener Studenten Orchesters eingeladen.

Musik und Medizin

Überhaupt hat der Ton manches mal den Senat bestimmt: Der langjährige Musikbeauftragte der UDE, Eberhard Passarge, wurde – auch mit meiner Stimme – zum Ehrensenator der Universität gekrönt. Auf der gleichen Sitzung wurde im Übrigen auch der Landeshochschulentwicklungsplan der Landesregierung NRW diskutiert – ein irrsinniges Ungetüm, semantisch wie inhaltlich. Daneben ist dann eine Abstimmung über die Verleihung einer Ehrensenator*innenwürde sehr willkommen. Die tatsächliche Verleihung fand wenig später auf einer außerordentlichen Sitzung des Senats statt – ebenfalls in der Philharmonie Essen. Ein ungewöhnlicher Ort für eine Sitzung des höchsten, von allen Statusgruppen gewählten Entscheidungsgremiums der Universität.

Ein weiterer ungewöhnlicher Ort war der Campus der Medizin. Bei Temperaturen jenseits der 30 Grad im Sitzungssaal ließen wir uns von Informationen, Daten und Bildchen über eine großartige Uniklinik berieseln, die voller Stolz zur Uni Duisburg-Essen gehört. Ganz beiläufig winkte der Senat bei dieser Gelegenheit eine Reihe zweifelhafter Berufungen durch, bei denen die jeweiligen Stifter*innen ein gehöriges Wort mitgesprochen hatten. Die Studierenden stimmten dagegen. Danach wurden wir gemeinsam zu einem einzigartigen Simulator für angehende Mediziner*innen geführt und durften uns unseres Lebens wieder sicher fühlen. Überhaupt fühlte ich bei den Sitzungen im Senat ganz gut aufgehoben, obwohl diese ganz bestimmt nicht gesundheitsfördernd sind. Insbesondere dann nicht, wenn man in der Donnerstagnacht Aufregendes mit Alkoholischem verbunden hatte und am Freitagmorgen um  acht Uhr in der Vorbesprechung im Preussag-Saal am Campus Duisburg sitzt. Mit am Tisch sitzen glücklicherweise aber auch eine handvoll Ärzt*innen. Was meine Überlebenschancen bei diesen Sitzungen durchaus erhöhte.

Burak und Beschlüsse

Schlafmangel und Anderes waren aber nicht die einzigen Gefahrenquellen in diesen allmonatlichen Sitzungen. Auch inhaltlich und prozedural schlug es mir einige Male ordentlich auf den Magen. Kämpfe um jedes Wort während der Debatte um die Änderung der Grundordnung oder der zunächst aufgeschobenen Berufungsordnung, waren zermürbend. Kommt es zu Abstimmungen über jene Teile einer Ordnung, für die wir Studierenden bereits im Vorfeld der Sitzung alles und jede*n bearbeitet haben – per Mail, per Telefon, beim Kaffee, im Flur, in der Sprechstunde, auf der Campuswiese, in Räumen ohne Fenster – stehen wir mehrfach kurz vor dem Herzinfarkt. Und der kann sich durchaus in die Länge ziehen. Denn ist die Abstimmung gelaufen, bleibt die Spannung dennoch konstant. Dafür sorgt der Senatsvorsitzende Burak Atakan. Er formuliert die Beschlüsse und stellt sie zur Abstimmung. Um seinen einzigartigen Stil exakt auf den Punkt zu bringen, darf hier der Begriff „Atakan’scher Beschluss“ eingeführt werden: Die Beschließenden wissen nicht, was sie beschlossen haben und die Außenstehenden können mit dem Beschluss nicht arbeiten. Nicht einmal habilitierte Sprachphilosoph*innen steigen durch einige dieser „Atakan’schen Beschlüsse“ durch. Macht nichts! Es sind immer noch Ärzt*innen im Raum.

Kuchen und Konzepte

Aber es gibt Kuchen. Das war auch ein Beschluss vom guten Herrn Atakan. Und den hat er ganz alleine gefasst. Seither steht nun in jeder Mittagspause für alle Anwesenden Süßes bereit. Nach einer solchen Halbzeit hört sich der Senat gerne noch bis in den Nachmittag die Berichte diverser, in ihrer Zahl nicht mehr zu überblickender UDE-interner Arbeitsgruppen oder Arbeitskreise an und nickt meistens wohlwollend. Gerne weicht der Senat auch auf bahnbrechende Rechenschaftsberichte von Rektorat und Hochschulrat aus. Oder gründet ein neues wissenschaftliches Zentrum – mal eben ganz kurz. Wenn dann noch Strategiepapiere, Konzepte oder prosaische Entwicklungspläne auf der Tagesordnung stehen, dann übersteigt der Anhang der Einladungsmail gerne mal den Speicherplatz meines UDE-Mailaccounts. Ich habe deshalb um mehr Speicherplatz gebeten, so als Senator. Mein Postfach ist jetzt größer: Der Spitzenwert für den Umfang der für die Senatssitzung versandten Dokumente liegt übrigens bei 802 Seiten. Für eine einzelne Sitzung wohlgemerkt. Das war im Juli. Am Freitag eröffnet Burak Atakan das letzte Mal die Sitzung des Senats. Die Einladungen aus zwei Jahren Senat haben nicht nur mehrere Aktenordner sondern auch einige Gläser mit kühlem Bier gefüllt.